Wirtschaft
Die EZB bekommt eine Vielzahl von Ratschlägen.
Die EZB bekommt eine Vielzahl von Ratschlägen.(Foto: dpa)

Forderungen nach Zinssenkung: EZB steht unter Druck

Am Mittwoch trifft die EZB ihre nächste Zinsentscheidung. Aufgrund alarmierender Konjunkturdaten werden die Stimmen lauter, die fordern, dass die Notenbank eine Senkung vornimmt. Die französische Bank BNP Paribas fordert sogar ein Heruntergehen um 50 Basispunkte. Derzeit liegt der Leitzins bei 1,0 Prozent.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) gerät zunehmend unter Druck, ihre Zinsen weiter zu senken. Tatsächlich sprechen Horror-Statistik in der Eurozone , ein nachlassender Inflationsdruck und die Verunsicherung der Finanzmärkte für niedrigere Zinsen. Aber wird die Notenbank tatsächlich senken? Einige Ökonomen meinen: Ja, schon diese Woche. Derzeit liegt der EZB-Leitzins bei 1,0 Prozent.

Die Erwartungen hinsichtlich des Zinskurses der EZB haben sich in den vergangenen Wochen deutlich gedreht. Zwar rechnen immer noch viele Ökonomen mit einem bis Jahresende unveränderten Leitzins, doch haben die wahrscheinlicher werdende Perspektive eines griechischen Euro-Austritts und der Absturz der Konjunkturindikatoren bei manchen Beobachtern zu der Einschätzung geführt, die EZB müsse nun einfach handeln. Bei manchem Bankvolkswirt mag da auch der Wunsch der Vater des Gedanken sein.

So haben mit BNP Paribas und Credit Agricole zuletzt zwei französische Banken ihre Prognosen geändert und erwarten schon für diese Woche eine Zinssenkung. BNP Paribas plädiert sogar für einen "großen" Zinsschritt von 50 Basispunkten. Kein Wunder: Die Einkaufsmanagerindizes liegen derzeit niedriger als im bei den vorangegangenen Zinssenkungen im November und Dezember 2011.

Nachlassender Inflationsdruck

Andere Experten, wie Howard Archer von IHS Global Insight, sympathisieren zwar mit der Idee einer raschen Zinssenkung, halten aber den Juli für realistischer. Selbst die Commerzbank glaubt inzwischen an eine weitere Zinssenkung noch im dritten Quartal. Gestützt werden solche Erwartungen auch von einem unerwartet deutlichen Rückgang des Inflationsdrucks. Im Mai sank die Jahresrate der Verbraucherpreise auf 2,4 von 2,6 Prozent im Vormonat und näherte sich damit weiter der Marke von knapp 2 Prozent an, die in den Augen der EZB mit Preisstabilität vereinbar ist.

Noch wichtiger: Das für die Beurteilung des mittelfristigen Inflationsdrucks wichtige Geldmengenwachstum sank im April überraschend, und auch die Inflationserwartungen von Konsumenten und Unternehmen waren zuletzt rückläufig.

Die EZB hält sich jedoch sowohl beim Thema Zinssenkungen als auch in puncto Liquiditätsversorgung der Banken bedeckt. Das könnte taktische Gründe haben. Ihr Präsident Mario Draghi hat erst Ende vergangener Woche wieder vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments deutlich gemacht, dass sich die EZB in einer Rolle als einziger handlungsfähiger Retter in der von den Staaten verursachten Not nicht wohlfühlt. Viele Beobachter rechnen deshalb damit, dass die EZB den Reformdruck auf die Staaten so lange wie möglich hoch halten will - wenigsten bis zum 17. Juni 2012.

Staatsanleihekäufe wieder möglich

An diesem Tag entscheiden Euro-Austritt wäre fatal mit ihrem Stimmverhalten bei der zweiten Parlamentswahl darüber, ob Griechenland den Euro behält. Stimmen sie dagegen, also für die reformfeindlichen Parteien, könnte das panikartige Reaktionen an den Finanzmärkten hervorrufen. Für diesen Fall vertrauen viele Marktteilnehmer darauf, dass die EZB ihre Staatsanleihekäufe wieder aufnimmt, und auch Zinssenkungen werden einkalkuliert.

Kommt es aber anders, würde die EZB wohl das ihr verbliebene Pulver trocken halten und erst mal nichts tun. Beobachter erwarten, dass die in dieser Woche anstehenden Stabsprojektionen zu Wachstum und Inflation nicht so schwach ausgefallen werden, dass sie für sich genommen eine Zinssenkung rechtfertigen würden.

Allerdings ist die Unsicherheit unter Beobachtern über den Zinskurs der EZB seit einiger Zeit größer als früher. Und das hat nicht alleine mit den unsicheren Zeiten zu tun. Draghi trauen die Finanzmärkte eher eine Überraschung zu, als dies bei seinem Vorgänger Jean-Claude Trichet der Fall war. Das Signal, dass Draghi EZB senkt Leitzins auf 1,25 Prozent gegeben hat, wirkt bis heute nach.

Quelle: n-tv.de

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