Wirtschaft
Die Weltfinanzmärkte - hier ein Archivbild von der Chicagoer Warenterminbörse - sind oft unübersichtlich. Der neue LEI-Code soll helfen.
Die Weltfinanzmärkte - hier ein Archivbild von der Chicagoer Warenterminbörse - sind oft unübersichtlich. Der neue LEI-Code soll helfen.

20 Ziffern gegen die globale Krise: Ein Code zähmt die Weltfinanzmärkte

Die Verflechtungen der Banken und sonstiger Finanzinstitutionen haben die letzte Finanzkrise so gefährlich gemacht. Ein paar Dutzend Leute in Frankfurt sollen das ändern. Mit einer 20-stelligen Nummer wollen sie die nächste Katastrophe verhindern.

Politik und Regulierer wollen mit einem "digitalen Barcode" unter anderem für Banken und Versicherer Finanzkrisen künftig weltweit schneller erkennen und bekämpfen. Alle Mitspieler an den wichtigen globalen Märkten brauchen bald für Transaktionen an den Börsen, aber auch im außerbörslichen Handel etwa mit Derivaten, eine 20-stellige Nummer, mit der sie sich eindeutig identifizieren lassen.

Von diesem LEI (Legal Entity Identifier Code) versprechen sich die Behörden, dass sie die komplexen Verflechtungen am Finanzmarkt in Zukunft einfacher durchschauen und Verwerfungen eindämmen können. Das soll helfen einen Flächenbrand wie bei der vergangenen Finanzkrise zu verhindern."In der Krise war schwer feststellbar: Wer schuldet wem was?", erklärt der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Das sei ein Grund dafür, weshalb die Finanzkrise 2007/08 so groß geworden sei.

Bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 hatte sich etwa gezeigt, dass der Zusammenbruch schon eines einzigen Instituts Schockwellen rund um den Globus schicken und eine Megakrise auslösen kann. Bei der Lehman-Krise war es zu einem Domino-Effekt gekommen.

Verwaltet und überwacht werden die LEI von einer Stiftung, die in diesen Tagen in Frankfurt ihre Arbeit aufnimmt. Ins Leben gerufen wurde sie vom Finanzstabilitätsrat G20. Bis Jahresende sollen rund 30 Mitarbeiter für die Stiftung arbeiten. Unterstützt wird die Global Legal Entity Identifier Foundation, kurz GLEIF, nach eigenen Angaben von rund 70 Aufsichtsbehörden in mehr als 40 Ländern.

Nicht alle wollen sich durchleuchten lassen

In einem ersten Schritt gehe es darum überhaupt zu erkennen, wer an den Finanzmärkten aktiv sei, sagte GLEIF-Chef Stephan Wolf. Die Angaben sollen jährlich überpüft werden. 350.000 LEI sind schon vergeben worden. Sie sind im Internet (www.gleif.org) abrufbar. Großkonzerne wie die Deutsche Bank oder die Allianz dürften jeweils einige hundert dieser Codes brauchen - für jede einzelne Tochtergesellschaft. In den USA ist ihre Verwendung schon jetzt gesetzlich vorgeschrieben. In Europa soll sie ebenfalls verpflichtend werden.

Noch in diesem Jahr will GLEIF daran gehen, die Codes den jeweiligen Eigentümern der rechtlichen Einheiten zuzuordnen. Schon dabei dürften die Aufseher vor ersten Hürden stehen. Denn einige Finanzmarktteilnehmer, beispielsweise Hedgefonds, haben oft keinerlei Interesse, ihre Verflechtungen offenzulegen, und versuchen diese deshalb zu verschleiern. Sie sind oft gar nicht rechtlich verbunden, aber über Kredite finanziell voneinander abhängig.

In einem weiteren Schritt werde es dann darum gehen zu erkennen, welcher Finanzmarktteilnehmer welche Positionen an den Börsen halte. "Das ist noch Zukunftsmusik", räumte Wolf ein. "Aber dass es kommt, ist unstrittig."

Quelle: n-tv.de

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