Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Paukenschlag am Finanzplatz London: Ein Kanadier soll BoE führen

Mark Carney gilt als "herausragender Notenbanker seiner Generation". Zumindest Großbritanniens Finanzminister Osborne sieht das so - und will den Kanadier zum neuen Chef der Bank of England machen. Mitte 2013 ist es für den Ex-Goldman-Sachs-Banker soweit.

Kanadas Zentralbankchef Mark Carney wird überraschend Nachfolger von Mervyn King an der Spitze der Bank von England (BoE). Das erklärte Finanzminister George Osborne und beendete damit monatelange Spekulationen um die Personalie. King, der die Zentralbank seit 2003 leitete, geht kommendes Jahres in Ruhestand. Carney (47), dessen Politik nach Ansicht vieler Ökonomen maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass Kanada die Finanzkrise nach 2007 besser überstand als andere Länder, übernimmt das Ruder in London zum 1. Juli. Osborne bezeichnete Carney als "den herausragenden Notenbanker seiner Generation".

Carney, Ökonom und Vater von vier Kindern, leitet derzeit parallel den Finanzstabilitätsrat FSB in Basel, der im Auftrag der G20-Staaten Regeln für die internationale Finanzwirtschaft erarbeitet. Gemäß den Regularien für die Besetzung des Postens kann auch ein nicht in Großbritannien geborener Experte Gouverneur der Zentralbank  werden. Carney, der allenfalls als Geheimfavorit gegolten hatte, wird der 120. Gouverneur der Bank von England. Die 1694 gegründete britische Zentralbank ist eine der ältesten Notenbanken der Welt.

Tucker außen vor

Der Finanzfachmann Carney hat vor seiner Zeit bei der kanadischen Notenbank unter anderem für die US-Investmentbank Goldman Sachs und das Finanzministerium seines Landes gearbeitet - er kennt damit also sowohl die Bankenszene als auch den Politikbetrieb. Größere Chancen auf den Topposten bei der Bank von England als Carney waren zuletzt Kings Vize Paul Tucker eingeräumt worden, er war jedoch wegen seiner unklaren Rolle im Libor-Manipulationsskandal für die Regierung wohl ein nicht ganz lupenreiner Kandidat für die nächsten fünf Jahre - die reguläre Amtszeit des Zentralbankgouverneurs.

Tucker hätte wie nun Carney mit seiner Expertise in Sachen Bankenaufsicht und Finanzstabilität punkten können, da der Notenbank ab Januar die Verantwortung für die finanzielle Stabilität des global bedeutenden Finanzplatzes London übertragen wird. In der Londoner "City" sorgte die überraschende Nachricht von der Berufung Carneys denn auch nicht überall für positive Reaktionen. Malcom Barr von JP Morgan etwa geht davon aus, dass mit Carney jemand bei der Notenbank die Führung übernimmt, der durch seine lange Tätigkeit beim FSB in Sachen Bankenregulierung "eher orthodox" sein dürfte.

"Große Herausforderungen"

Carney erklärte in einer ersten Stellungnahme, er übernehme die Verantwortung an der Themse in einer für die britische Wirtschaft kritischen Zeit. Er hoffe, dass er auch in seiner neuen Position und als weiter amtierender Vorsitzender des FSB die "City of London", also den Bankenplatz London, reformieren könne. "Ich gehe dorthin, wo die Herausforderungen am größten sind." Er habe sich erst nach einer längeren Bedenkzeit dazu druchgerungen, das Angebot zu akzeptieren.

Mervyn King würdigte seinen baldigen Nachfolger als "weithin akzeptierten und außergewöhnlichen Notenbanker". "Seit Mark der Chef der kanadischen Zentralbank wurde, habe ich eng mit ihm zusammengearbeitet und ich bewundere den Beitrag, den er für die Weltgemeinschaft der Notenbankler leistet, in der er sehr respektiert ist." King erklärte, von seinen beiden bisherigen Stellvertretern habe der für die Geldpolitik zuständige Charlie Bean seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Finanzminister Osborne sagte, er hoffe sehr, dass der im Personalpoker nun unterlegene Tucker ebenfalls weitermachen werde.

Quelle: n-tv.de

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