Wirtschaft
Griechenland will den Motor wieder anwerfen und an die Märkte zurückkehren.
Griechenland will den Motor wieder anwerfen und an die Märkte zurückkehren.(Foto: REUTERS)

EZB-Versprechen im Rücken: Anleger reißen sich um Hellas-Bonds

Historischer Tag in Athen: Griechenland wird bei seiner Rückkehr an die Märkte mit Milliarden überschüttet. Vor allem institutionelle Anleger greifen zu. Doch nicht alle sehen darin einen Triumph des Landes - sie verlassen sich auf die EZB.

Die Rückkehr des klammen Griechenlands an die Kapitalmärkte findet den Applaus der Anleger. Letztlich hat das Land dem Finanzministerium zufolge drei Milliarden Euro für die Staatskassen eingesammelt. Dies sind 500 Millionen Euro mehr als die ursprünglich kolportierten 2,5 Milliarden. Die Nominalverzinsunge liegt bei 4,75 Prozent. Etwa 90 Prozent seien an institutionelle Investoren im Ausland gegangen. Die Gebote der Anleger summierten Berichten zufolge auf mehr als 20 Milliarden Euro. 

Die fünfjährige Staatsanleihe sei mindestens um das Achtfache überzeichnet, sagte Vize-Regierungschef Evangelos Venizelos in Athen. Die enorme Nachfrage sei ein Beleg dafür, dass die Schuldenlast des Landes tragfähig sei. Finanzminister Yannis Stournaras sprach von einem "riesigen Erfolg".

Aktion mit symbolischem Wert

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Die Staatsanleihe wird gemäß britischem Recht begeben, was mit zu der Nachfrage beigetragen haben dürfte. Danach ist ein sogenannter Haircut wie 2012 gegen den Willen der Gläubiger ausgeschlossen. Damals hatte Athen die meisten Anleihebesitzer nur deswegen zu einem Forderungsverzicht in der Größenordnung von 70 Prozent drängen können, weil die Papiere nach griechischem Recht platziert worden waren. Einzelne Anleihen unter dem strengeren britischem Recht blieben dagegen verschont.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia begrüßte die Rückkehr: "Das sind extrem gute Nachrichten", sagte er. "Das wird Vertrauen in Europa stärken, dass die Krise überwunden wird."

Angesichts des Volumens von drei Milliarden Euro ist die Platzierung insgesamt aber eher nur von symbolischer Natur. Denn das griechische Schatzamt emittiert jeden Monat kurzlaufende Schatzwechsel im Gesamtumfang von über einer Milliarde Euro. Der Löwenanteil der griechischen Finanzierung erfolgt ohnehin bis auf Weiteres über Hilfsgelder der internationalen Gläubiger.

"Im Zweifelsfalle steht die EZB ja Gewehr bei Fuß"

Das Mittelmeerland hatte am Vormittag mit der Entgegennahme der Angebote für seine fünfjährige Anleihe begonnen. Die Emission gilt als Testballon, bevor sich der Staat wieder vollständig über den Markt refinanziert. Sie wird von der Bank of America Merrill Lynch, der Deutschen Bank, Goldman Sachs, HSBC, JP Morgan und Morgan Stanley organisiert.

Am Rentenmarkt sorgte der Erfolg auf breiter Front für steigende Kurse. Vor allem die Staatsanleihen Spaniens und Italiens waren gesucht, so dass ihre Renditen sich weiter der psychologisch wichtigen Marke von drei Prozent näherten. Im vergangenen Sommer hatten sie noch über fünf Prozent gelegen.

 Analystin Annalisa Piazza von Newedge wertet den Ausgang als "einen weiteren Hinweis aus die gute Nachfrage nach Schulden der Eurozonenperipherie". Hierfür gebe es mehrere Gründe: Die besseren konjunkturellen Aussichten, verbesserte Finanzierungsbedingungen und eine stärkere Kontrolle im Euro-Währungsraum. Hinzu komme die Einschätzung, dass man die Schuldenkrise nun hinter sich habe und dass die EZB jederzeit zum stützenden Eingreifen bereit sei. Ein Börsianer sagte, dass der Markt annehme, dass im Zweifelsfalle "die EZB ja Gewehr bei Fuß" stehe.

Papiere für "risikobewusste Abenteurer"

Die Analysten von ETX Capital warnen derweil, dass die Anleihe nur etwas für "risikobewusste Abenteurer" sei. Sie verweisen auf die weiterhin schwache Konjunktur in Griechenland und auf die bestehenden fiskalischen Probleme des Landes. Die gute Marktaufnahme der Schuldenpapiere zeige allerdings, dass es von dieser Sorte Anleger ausreichend viele gebe. Viele Zeichner der Anleihe dürften im Stillen auf Deutschland und die EZB als Garanten setzen.

Dass es Griechenland nach der Umschuldung im Jahr 2012 überhaupt so schnell zurück an den Markt schafft - und das bei einem Schuldenberg von 170 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - mag überraschen. Aber die Märkte haben immer wieder bewiesen, dass sie ein kurzes Gedächtnis haben, wenn es um Zahlungsausfälle von Staaten geht. Zudem ist Griechenlands Schuldenlast nicht ganz so heftig, wie es auf den ersten Blick scheint: Rund 80 Prozent der Schulden fallen bei der öffentlichen Hand an, die durchschnittliche Laufzeit der Kredite beträgt 16 Jahre und die durchschnittlichen Kosten liegen bei 2,6 Prozent - ein Rekordtief, wie die Analysten der Citigroup herausstreichen.

Weitere Zugeständnisse der anderen Euroländer werden die griechische Schuldenquote zwar nicht senken, Athen den Schuldendienst jedoch erleichtern. Das verringert die Risiken für private Gläubiger.

Schuldenschnitt rettet Land - und Euro

Während die finanzielle Unterstützung der EU zum Ende des Jahres ausläuft, wird Griechenland vom Internationalen Währungsfonds mit einem kleinen Volumen noch etwas länger unterstützt.

Der Verkauf der griechischen Anleihe spiegelt auch wider, wie sehr sich der Wind an den Kapitalmärkten seit 2012 gedreht hat. Damals hatte Griechenland 200 Milliarden Euro an Schulden erlassen bekommen, um einen völligen Zusammenbruch des Landes zu vermeiden, mithin auch einen drohenden Kollaps des Euro. Im Zuge der Umschuldung hatte Griechenland damals langfristige Anleihen mit Renditen nahe 20 Prozent ausgegeben, die vor allem bei risikobereiten Hedgefonds landeten.

Traumatischer Versuch 2010

Es ist die erste Ausgabe einer länger laufenden Staatsanleihe, seitdem das Land 2010 mit milliardenschweren Krediten vor der Pleite bewahrt wurde. Der letzte Versuch verlief traumatisch: Athen wollte sich im April 2010 eine Milliarde Euro für 20 Jahre leihen. Es kamen aber nur Angebote für lediglich 390 Millionen Euro zusammen. Wenige Tage später richtete Athen einen Hilferuf an die Euro-Partner.

Es sei "der große Schritt", der das Land aus der engen Überwachung der Geldgeber befreien werde, titelte die Boulevardzeitung "Ethnos". Das linke Blatt "Avgi", das dem oppositionellen Bündnis der radikalen Linken (Syriza) nahesteht prophezeite dagegen "neue harte Sparmaßnahmen" für die Griechen. "Spektakuläre Rückkehr an die Märkte", titelte die konservative Athener Zeitung "Kathimerini".

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Quelle: n-tv.de

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