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Auch die Krankenpflege gilt als einer der "Engpassberufe".
Auch die Krankenpflege gilt als einer der "Engpassberufe".(Foto: picture alliance / dpa)

"Freiwillig bis 70 arbeiten": Einigen Branchen droht Fachkräfte-Kollaps

Das Wirtschaftsministerium schlägt Alarm: Bestimmten Branchen droht bald ein massiver Mangel an Fachkräften. Der Grund: Mehr als zwei Millionen Arbeitskräfte gehen dort in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Nun sollen weitere Potenziale ausgeschöpft werden.

Deutschlands Wirtschaft muss zur Sicherung ihrer Schlagkraft einen Ausgleich für einen beispiellosen Aderlass an Fachkräften in den nächsten Jahren finden. Allein in sogenannten "Engpassberufen" gingen in den nächsten 15 Jahren rund 2,1 Millionen ältere Fachkräfte in den Ruhestand, warnte das Bundeswirtschaftsministerium. Das Ministerium berief sich dabei auf eine Studie des von ihm geförderten Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa).

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Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel forderte mit Blick auf das Kofa-Papier: "Die Studie verdeutlicht einmal mehr, dass wir die vorhandenen Fachkräftepotentiale besser ausschöpfen müssen." Es sei erfreulich, dass inzwischen immer mehr ältere Personen beschäftigt seien.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, plädierte für zusätzliche Anreize, damit Menschen freiwillig bis 70 arbeiten können. In einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" plädierte er grundsätzlich für mehr Flexibilität beim Eintritt in den Ruhestand. Mit der abschlagsfreien Rente mit 63 habe man damit in eine Richtung angefangen. "Man sollte nun auch Anreize dafür setzen, dass Arbeitnehmer, die fit sind, freiwillig bis 70 arbeiten können", forderte er. Dies würde dem Arbeitsmarkt helfen.

Breite Mehrheit ist gegen die Rente mit 70

Nach einer Umfrage der "Leipziger Volkszeitung" (LVZ) lehnen allerdings bundesweit 78 Prozent der Bürger die Rente mit 70 ab. Der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse (CDA) Karl-Josef Laumann sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ): "Wir wollen noch in diesem Jahr dafür sorgen, dass der flexible Übergang rentensteigernd wirkt."

Das Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Alexander Gunkel, kritisierte ebenfalls in der "Welt" die Möglichkeit zur Frühverrentung. "Die neuen Zahlen lassen darauf schließen, dass die abschlagsfreie Rente mit 63 noch häufiger in Anspruch genommen wird", sagte er voraus. Bis November 2014 waren bereits 186.000 Anträge darauf bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt worden.

Vor allem kleine und mittlere Firmen betroffen

Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, hatte zur Jahreswende den Fachkräftemangel als "Albtraum für den Mittelstand" bezeichnet. Nach einer Unternehmer-Umfrage seines Verbandes haben inzwischen 52 Prozent der kleinen und mittleren Firmen Probleme bei der Besetzung von offenen Stellen.

In ihrer Untersuchung hatten die Experten des Kompetenzzentrums 139 Berufe mit derzeit rund 6,7 Millionen Fachkräften identifiziert, in denen es schwierig ist, neue Fachkräfte zu rekrutieren. Etwa jeder Dritte dieser Beschäftigten ist 50 Jahre alt oder älter - steht also in absehbarer Zeit vor dem Renteneintritt. Ein Beispiel für solche "Engpassberufe" seien Berufskraftfahrer. Hier müsse in den nächsten Jahren für etwa 230.000 Beschäftigte Ersatz gefunden werden. In der Krankenpflege ständen 175.000 Fachkräfte vor dem Ausscheiden.

Quelle: n-tv.de

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