Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Lautes Nachdenken über Zerschlagung: Elliott torpediert Celesio-Deal

Dem US-Konzern McKesson droht bei der Celesio-Übernahme eine Schlappe. Im Windschatten des Vorhabens hat sich der Hedgefonds Elliott eingekauft - und hegt offenbar eigene Pläne. Leidtragende könnten der Familienkonzern Haniel und ausgerechnet Celesio sein.

Der Hedgefonds Elliott geht bei der Übernahme des Pharmahändlers Celesio durch den US-Konzern McKesson auf Konfrontationskurs. So beabsichtigt der Hedgefonds des US-Milliardärs Paul E. Singer, seinen Anteil nicht McKesson anzudienen. Das teilte der Hedgefonds selbst mit.

Das Angebot von McKesson sei "substanziell" zu niedrig, teilte Elliott weiter mit. So spiegele die Summe der von McKesson in Aussicht gestellten Synergien das Potenzial der Transaktion nicht hinreichend wider. Zudem seien die Aktienpreise erheblich gestiegen, was die von McKesson gebotene Prämie noch weiter entwerten würde. Celesio wollte die Mitteilung von Elliott nicht kommentieren.

Elliott hat Sperrminorität

Chart

McKesson hatte vergangenen Woche ein Angebot von 23 Euro je Celesio-Aktie und von 53,11 Euro je Wandelanleihe vorgelegt. Für Elliott ist das jedoch zu wenig. Der Hedgefonds hatte in den vergangenen Wochen massiv Celesio-Aktien gekauft und hält nun inklusive Wandelanleihen rund 25 Prozent an den Stuttgartern. Elliott hat dabei vergangene Woche angekündigt, weitere Celesio-Aktien kaufen zu wollen. Mit einer Sperrminorität von 25 Prozent könnte der Hedgefonds den Kauf platzen lassen.

Das bis 9. Januar laufende Angebot von McKesson hat einen Wert von insgesamt 6,1 Milliarden Euro und ist derzeit an eine Mindestannahmequote von 75 Prozent inklusive Wandelanleihen geknüpft. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Celesio-Mehrheitsaktionär Haniel. Der Duisburger Familienkonzern hatte sich bereits mit McKesson geeinigt und seinen Anteil von 50,01 Prozent schon angedient. Platzt die Transaktion, muss das Geschäft rückabgewickelt werden.

Elliott hat für diesen Fall seine eigenen Vorstellungen. Man sei überzeugt, dass Celesio "auch auf anderen Wegen den Wert für Aktionäre und Anleihegläubiger maximieren kann". So bringt der Hedgefonds eine Zerschlagung ins Spiel. Dies könnte bedeuten: Ein neuer Verkaufsprozess mit der Intention, das Großhandelsgeschäfts an einen strategischen Bieter und das Apothekengeschäft an einen anderen Käufer zu veräußern.

Elliot für Aggressivität bekannt

Der Hedgefonds hat über die US-Bank JP Morgan, die Haniel berät, versucht, die Duisburger Familie mit ins Boot zu holen. Das Angebot sei aber abgelehnt worden, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen. Ein Haniel-Sprecher verneinte, Gespräche mit Elliott geführt zu haben.

Elliott ist als aggressiver Investor bekannt. Bei der Übernahme Kabel Deutschlands durch Vodafone stieg der Hedgefonds mit rund zehn Prozent ein, brachte die Übernahme jedoch nicht ins Wanken, sondern diente einen Teil seiner Aktien an. 2011 versuchte sich Elliott bei dem Schweizer Pharmaunternehmen Actelion - scheiterte aber mit den Bemühungen, einen Verkauf durchzusetzen.

Auch bei Celesio spielt der Hedgefonds auf Risiko. Sollte der Verkauf an McKesson platzen, würde der Celesio-Aktienkurs von derzeit über 23 Euro auf bis zu 17 Euro zurückfallen, glauben Analysten. Elliotts Aktienpaket verlöre dann deutlich an Wert. Haniel könnte seinen Anteil dagegen wieder in sein Portfolio nehmen und warten, bis sich eine neue Chance ergibt.

Squeeze-out als Option?

Auch das Zerschlagungsszenario ist mit Risiken behaftet. Der Pharmahandelsmarkt ist stark reguliert, große Wachstumssprünge sind nicht drin. In Europa ist der Markt zudem mit den drei großen Anbietern Alliance Boots, Phoenix Pharmahandel und Celesio weitgehend konsolidiert, Übernahmen dort aus Wettbewerbsgründen nur noch schwierig umzusetzen. Bei Celesio kommt noch hinzu, dass das Apotheken- und Großhandelsgeschäft miteinander verzahnt ist, insbesondere in Großbritannien.

Möglich wäre aber auch, dass Elliott, sollte McKesson den Preis nicht erhöhen, so viele Aktien wie nötig andient, um den Deal nicht zu gefährden, wie es bei Kabel Deutschland der Fall gewesen ist. Im Anschluss könnte Elliott dann auf eine höhere Abfindung bei einem möglichen späteren Squeeze-out setzen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen