Energieagentur: Welt lechzt nach Öl: Energie-Landkarte verschiebt sich
Die Weltwirtschaft ist auf nichts so angewiesen wie auf Energie: Und die Flüsse von Öl, Gas und anderen Trägern ändern sich dramatisch. Die Vereinigten Staaten werden energetisch autark und zwischen dem Nahen und Fernen Osten öffnet eine "neue Seidenstraße". Klimaschutz spielt dann keine Rolle mehr - Wasser auf die Mühlen der Atomkraftbefürworter.
Die internationale Energie-Landkartewird sich in den nächsten 20 Jahren dramatisch verändern - und möglicherweise auchpolitische Auswirkungen nach sich ziehen. Die USA werden schon in fünf Jahren dergrößte Öl- und Gasproduzent der Erde und von Importen praktisch unabhängig sein.Das sagt die Internationale Energie-Agentur in ihrem Welt-Energie-Ausblick 2012voraus, der in London vorgestellt wurde. "Die Grundpfeiler des weltweiten Energie-Systemswerden verschoben", sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol.
Die Verbraucher vor allemin Europa und Japan müssten sich in Zukunft auf höhere Strompreise als in anderenRegionen der Welt einstellen. Im Jahr 2035 werde der Strompreis pro Kilowattstundebei 24 US-Cent in Japan und bei 19 US-Cent (vor Steuern) in Europa liegen, prognostiziertdie Agentur. In China werde der Verbraucher nur sieben Cent zahlen, in den USA etwa14 Cent. Gründe seien der Verzicht auf billige Kernenergie und ein höherer Anteilteurer erneuerbarer Energien.
In Südasien und Afrika sindderzeit 1,3 Milliarden Menschen noch völlig ohne Elektrizität - fast ein Fünftelder Erdbevölkerung. "Das ist wirtschaftlich, sozial und moralisch nicht haltbar",sagte Birol.
USA werden Importeur zumExporteur
Dank der Steigerung beider Produktion vor allem aus unkonventionellen Quellen wie Schiefergas und Ölsanden,aber auch dank der Effizienzsteigerung etwa von Autos würden die USA vom Importeurzum Exporteur von Energie. Im Jahr 2020 werden die USA der Prognose zufolge 11,1Millionen Barrel Öl pro Tag produzieren, derzeit sind es drei Millionen Barrel weniger.In den Jahren danach werde die US-Produktion jedoch wieder leicht zurückgehen unddas Land auch die Führungsrolle unter den Produzenten wieder an Saudi-Arabien verlieren,schätzt die Energie-Agentur.
Asien frisst Energie auf
Öl- und Gas aus Nahost werdekünftig zu 90 Prozent nach Asien fließen, sagte IEA-Chefökonom Birol - "eineneue Seidenstraße". Die weltweite Nachfrage nach Energie werde von 12Milliarden Tonnen Öläquivalent bis zum Jahr 2035 auf fast 17 Milliarden Tonnen steigen- vor allem wegen der unersättlichen Nachfrage aus China und Indien. 45 Prozentder Produktionssteigerung werde allein aus dem Irak kommen, vor knapp zehn Jahrennoch Kriegsgebiet. "Die Produktionskosten im Irak sind 15 Mal geringer alsetwa in Kanada und sieben Mal geringer als in Russland", sagte Birol.
Klimaschutz spieltkeine Rolle
Der Klimaschutz rücke inder Energiepolitik vorübergehend in den Hintergrund. Die Welt müsse massiv auf dasAusschöpfen von Effizienz-Potenzialen bei der Energienutzung setzen, wenn sich dieErde nicht um mehr als zwei Grad erwärmen soll, sagte Birol. "Es gibt einewachsende Überzeugung in mehreren Ländern, jetzt auf den Effizienz-Knopf zu drücken",sagte er. Es bleibe nur noch ein Zeitfenster von fünf Jahren. Die Effizienzreservenetwa im Autoverkehr, beim Transport und in der Baubranche seien enorm. "Dasist der Kardinalfehler in der Energiepolitik in vielen Ländern", sagte Birol."Zwei Drittel des Effizienzpotenzials, das wir haben, nutzen wir nicht."
Der Verzicht auf Nuklearenergiein einigen Ländern wie Deutschland und Japan sei vor dem Hintergrund der drohendenKlimaerwärmung besorgniserregend. Auch aus Frankreich kämen politische Signale,die Erzeugung von Kernenergie zurückfahren zu wollen. Allerdings werde ein Teildurch den schnell wachsenden Einsatz erneuerbarer Energieträger ausgeglichen.
Quelle: n-tv.de

