Wirtschaft
Clemens Tönnies ist auch Aufsichtsratschef von Schalke 04.
Clemens Tönnies ist auch Aufsichtsratschef von Schalke 04.(Foto: picture alliance / dpa)

"Wie unter Metzgern üblich": Entscheidung im Tönnies-Prozess naht

Das Landgericht Bielefeld verhandelt seit Monaten über einen Vertrag, der Clemens Tönnies die Macht im Fleischkonzern sichert. Sein Neffe klagt dagegen. Seitdem geht es hoch her - mindestens noch bis Anfang Mai.

Im Familienstreit um die Macht im Fleischkonzern Tönnies könnte das Landgericht Bielefeld im Mai ein Urteil verkünden. Der Steuerberater des Konzerns, Josef Schnusenberg, stützte noch einmal die Position des Konzernchefs Clemens Tönnies. Schnusenberg war nach bisheriger Planung der letzte Zeuge in dem Verfahren. Das Gericht will am 9. Mai eine Entscheidung verkünden. Das kann ein Urteil sein, theoretisch aber auch ein Beschluss zur Fortsetzung.

Das Landgericht versucht zu klären, ob der Vertrag von 2002 über das doppelte Stimmrecht rechtlich wirksam ist. Robert Tönnies klagt dagegen. Das doppelte Stimmrecht sichert Clemens Tönnies in den meisten Fragen die Entscheidungsmacht, obwohl beide Seiten die Hälfte der Anteile halten.

"Wie unter Metzgern üblich"

Schnusenberg war nicht nur Steuerberater und enger Vertrauter der Brüder und Firmengründer, Bernd und Clemens Tönnies. Er war zudem von Bernd als Testamentsvollstrecker für seine Söhne Clemens jr. und Robert eingesetzt, und zwar bis deren 30. Geburtstag. Bernd Tönnies starb 1994. Clemens Tönnies hielt damals 40 Prozent, seine Neffen Robert und Clemens jr. je 30 Prozent. 2008 oder 2009 schenkten die Neffen Clemens Tönnies je 5 Prozent.

Der Testamentsvollstrecker betonte mehrmals, es sei immer nur um das Wohl des Unternehmens gegangen. Clemens Tönnies habe sich schon mit Bernd immer über einen höheren Anteil gestritten, "wie das so unter Metzgern üblich ist". Letztlich sei aber allen Beteiligten, auch den Neffen, immer recht gewesen, dass Clemens Tönnies seine erfolgreiche Arbeit an der Spitze des Unternehmens fortsetzte. Anderslautende Aussagen und Aktenvermerke seien falsch, betonte Schnusenberg.

Die Klägerseite beruft sich auf den Vermerk des Notars Horst-Dieter Swienty. Der hatte vor Gericht eingeräumt, das doppelte Stimmrecht 2002 versehentlich nicht wie geplant bei der Holding, also dem Dach des Konzerns, sondern bei einem Tochterunternehmen eingetragen zu haben. In seinem Vermerk schrieb der Notar 2003 nach einem Gespräch mit Bernds Witwe Evelin Tönnies, man habe das doppelte Stimmrecht ohnehin nur eingetragen, um die Banken zu beruhigen. Dabei berief er sich auf Schnusenberg. Vor Gericht widersprach der Notar, und nun auch Schnusenberg: "Das ist falsch."

Quelle: n-tv.de

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