Wirtschaft

Spartenverkauf geplatztEon bleibt auf Abfall sitzen

29.06.2012, 18:06 Uhr
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Einen Milliardenerlös hat sich Eon erhofft, doch so viel will kein Bieter auf den Tisch legen: Der Energieriese muss den Verkauf seiner Abfallsparte abblasen. Die Trennung von Randbereichen, um die Kapitalbasis im Zuge der Energiewende zu stärken, fällt damit schwerer als erhofft.

Der Energiekonzern Eon hat den geplanten Verkauf seines Geschäfts mit Müllverbrennungsanlagen wegen zu niedriger Angebote abgeblasen. "Derzeit steht kein Verkauf an", sagte ein Sprecher. "Wir sehen uns hier nach wie vor nicht unter Zeitdruck." Der Versorger habe mehrere Angebote für Eon Energy from Waste erhalten, wolle die Tochter aber nicht um jeden Preis abstoßen. Ganz abhaken will der Konzern einen Deal aber nicht. "Es ist durchaus möglich, dass der Verkaufsprozess zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet."

Der Versorger hatte für Eon Energy from Waste bindende Angebote eingeholt. Eine Frist dafür war am Montag abgelaufen. Der Mannheimer Versorger MVV habe eine Offerte in der Größenordnung von 800 Mio. bis einer Mrd. Euro eingereicht, hatte eine mit der Situation vertraute Person gesagt. Der Preis umfasse das komplette Unternehmen mit allen 18 Müllverbrennungsanlagen. Der Transaktionswert werde aber noch geringer ausfallen, da die Stadtwerke Bielefeld für ihre Beteiligungen an den Standorten Bielefeld und Hameln ihr Vorkaufsrecht geltend machen wollten. Die Stadtwerke hatten Reuters diese Absicht bestätigt.

Schwieriges Geschäft

Der Bieterprozess war schleppend verlaufen. Eon hatte mehrfach die Angebotsfrist verlängert, wie mehrere mit dem Prozess vertraute Personen berichtet hatten. Das Abfallgeschäft in Deutschland ist seit den 90er Jahren schwieriger geworden. Durch das verstärkte Recycling schrumpft die Müllmenge, zugleich wurden neue Anlagen gebaut. Die Folge sind Überkapazitäten. Höhere Preise können die Betreiber nur schwer durchsetzen.

Die Eon-Tochter betreibt Standorte mit einer Jahreskapazität von insgesamt vier Mio. Tonnen. Das Unternehmen ist damit der größte Betreiber von Müllverbrennungsanlagen in Deutschland vor Remondis und MVV. Eon setzte mit dem Geschäft im vergangenen Jahr 544 Mio. Euro um. Zu den Interessenten hatten auch der schwedische Finanzinvestor EQT, Morgan Stanley Infrastructure und Sembcorp aus Singapur gehört. Eon hatte Barclays und die Royal Bank of Scotland für den Verkaufsprozess engagiert.

Vorstandschef Johannes Teyssen will mit Beteiligungsverkäufen die klamme Kasse des nach der Atomwende unter Druck stehenden Konzerns füllen. Bis Ende 2013 will der Manager 15 Mrd. Euro eingesammelt haben. Über zwölf Mrd. hat er allerdings bereits in der Tasche.

Quelle: ntv.de, nne/rts