Wirtschaft
Gegenwind für die deutschen Versorger.
Gegenwind für die deutschen Versorger.(Foto: dpa)

Kein billiger Atomausstieg: Eon steckt in einer Abwärtsspirale fest

Von Daniel Saurenz

Das Umfeld für die deutschen Versorger bleibt herausfordernd. Die Kernenergie kann nicht abgespalten werden und auch die niedrigen Strompreise belasten. Kann sich Eon wieder stabilisieren?

Der Gegenwind für die deutschen Versorger wird zusehends stärker und das bekommt Eon deutlich zu spüren. Trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs will der Konzern jedoch die Dividende je Aktie für 2015 mit 0,50 Euro stabil halten. Das entspricht einer Rendite von satten 5,8 Prozent. Die Prognose von Vorstandschef Johannes Teyssen für 2016 macht gleichzeitig aber deutlich, warum er den Konzern energisch umbauen muss und damit die hohe Dividendenrendite durchaus unsicher ist.

Die Energiepreise sind in den ersten Monaten des Jahres auf neue Rekordtiefs gesunken. Eon bekommt nicht nur die sinkenden Gaspreise zu spüren, sondern auch den Verfall des russischen Rubel. Teyssen stellt daher für 2016 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 6,0 bis 6,5 Milliarden Euro in Aussicht. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber den 7,6 Milliarden des Vorjahres. Unterm Strich soll der bereinigte Gewinn bei lediglich 1,2 bis 1,6 Milliarden liegen, nach 1,6 Milliarden Euro für 2015.

Cashflow bleibt unter Druck

Der Firmenlenker treibt vor diesem Hintergrund auch die Abspaltung von Uniper zügig voran. Das Tochterunternehmen konzentriert sich auf das Geschäft mit Gas- und Kohlekraftwerken - und damit das alte Kerngeschäft von Eon -, während die "neue" Eon sich auf die erneuerbaren Energien und den Vertrieb fokussiert. Zudem bleibt das Atomgeschäft auf politischen Druck hin - und anders als ursprünglich geplant - weiter bei Eon. Die Kernenergie ist und bleibt ein Belastungsfaktor.

Am 26. April werden das Management von Eon und Uniper die Pläne zu den Unternehmenszielen vorstellen. Stimmt die Hauptversammlung am 8. Juni der Abspaltung eines Mehrheitsanteils an Uniper zu, soll der Börsengang im zweiten Halbjahr durchgeführt werden. Eines ist für den Konzern allerdings schon jetzt klar. "Vor allem der frei verfügbare Cashflow werde vor dem Hintergrund der angespannten Marktsituation gegenüber den Annahmen geringer ausfallen, künftige Investitionen und Dividenden müssten dies reflektieren", erklärte Eon. Im Klartext: Der sinkende Free Cash Flow wird bei Eon ein Problem bleiben, bereits 2015 fiel er mit 1,9 Milliarden Euro vergleichsweise niedrig aus.

Was bedeutet das für die Aktie?

"Erfreulich ist hingegen, dass Eon im vergangenen Jahr die Nettoschulden um 5,7 auf 27,7 Milliarden Euro abgebaut hat. Der Verkauf von Vermögenswerten hat dazu allerdings rund 4,5 Milliarden Euro beigetragen", erklärt Michael Proffe, Chefanalyst vom Börsendienst Proffes Trend Depot. Die Gewinnperspektiven bleiben hingegen weiterhin trüb, weil die Strompreise für 2017 an der Strombörse EEX am Rekordtief und deutlich unter denen für 2016 liegen.

Wie könnte es mit der Aktie also in den nächsten Monaten weitergehen? Zuletzt hat die Aktie etwas geschwächelt, womit der Börsenwert auf 17,2 Milliarden Euro gesunken ist. Sollte der bereinigte Gewinn die Mitte der angekündigten Spanne erreichen, wäre Eon mit dem 12,3fachen bewertet. Das ist ein hoher Wert angesichts der hohen Nettoschulden.

Damit sich die Aktie stabilisiert, muss sich aber eine nachhaltige Trendwende bei den Strompreisen in Europa abzeichnen. Dazu müssten sich die Konjunkturdaten aus der europäischen Industrie verbessern, denn das spräche für eine bessere Nachfrage nach Strom. Alternativ könnte eine politische Lösung rund um die Kernenergie der Aktie neuen Aufwind geben.

Quelle: n-tv.de

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