Wirtschaft
RWE und Eon sorgen bei Anlegern derzeit für gute Laune. Doch wie lange noch?
RWE und Eon sorgen bei Anlegern derzeit für gute Laune. Doch wie lange noch?(Foto: REUTERS)

Es geht aufwärts: Eon und RWE feiern Comeback

Von Egmond Haidt

Eon und RWE gehören nach jahrelanger Talfahrt plötzlich zu den Top-Performern im Dax. Ist das nur eine Erholungsrally? Oder steckt mehr dahinter?

Bei den leidgeplagten Aktionären der deutschen Versorger keimt Hoffnung auf: Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sagte zuletzt, dass es keinen Kohleausstieg ohne entsprechende Ersatzjobs für die betroffenen Kohlekumpel geben werde. Das sind gute Nachrichten, gerade für RWE, weil der Anteil der Stromerzeugung aus Kohle noch deutlich größer ist als bei dem hiesigen Branchenprimus Eon.

Für Zuversicht bei Investoren sorgt zudem der kräftige Konzernumbau bei Eon und bei RWE. So spalten die Konzerne jeweils verschiedene Geschäftsteile ab, um im Falle von RWE einen kleinen Teil an der neuen Firma Ende 2016 an die Börse zu bringen und so Geld für Investitionen einzusammeln. Etliche Investoren kritisieren zwar, dass die Kohle- und Gaskraftwerke durch die Abspaltung in eine neue Gesellschaft nicht profitabler würden. Allerdings drückt nach einer Abspaltung die niedrige Bewertung der schwachen Geschäftsteile nicht mehr auf die bessere Bewertung der wachstumsstarken Bereiche. Insofern macht die Abspaltung durchaus Sinn.

Die Erholung der Aktien dürfte trotz der Abspaltungsfantasie aber kaum von Dauer sein. Dafür gibt es etliche Gründe. So wächst der Anteil der erneuerbaren Energien in Europa weiter, was die Nachfrage nach Strom von Eon und RWE dämpft. In Deutschland machten Erneuerbare Energien 2015 32,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aus. Das war ein Rekord, gegenüber 27,3 Prozent für 2014.

An dieser Entwicklung partizipieren Eon und RWE nur langsam, waren sie doch sehr spät in den Bereich eingestiegen. Steigende Ergebnisse in dem Segment können damit wegbrechende Gewinne aus der Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken nicht wettmachen.

Gegenwind droht den Versorgern auch von der bevorstehenden Konjunkturabkühlung in Europa. Üblicherweise schlägt die Konjunkturflaute in den USA und China mit einer zeitlichen Verzögerung von wenigen Monaten auf Europas Exportwirtschaft durch, weshalb sich die Perspektiven gerade für die Industrie Europas eintrüben. Das sind schlechte Nachrichten für die Versorger, denn sie erzielen fast ihre gesamten Einnahmen in Europa.

Strompreise fallen

Für zusätzlichen Druck sorgt der Verfall der Strompreise. Die Großhandelspreise an der Strombörse EEX liegen am Rekordtief, wobei die Preise für 2017 noch mal deutlich unter denen von 2016 liegen. Entsprechend trüben sich die Perspektiven für die Versorger ein, weshalb die Analysten die 2017er-Gewinnschätzungen noch schneller senken als die 2016er.

Wenn der Trend anhält, dürfte aus dem erwarteten leichten Gewinnanstieg für 2017 bei Eon und RWE bald nicht mehr viel übrig sein. Von großer Bedeutung ist daher die Entwicklung des Ölpreises. Sollte es zu einer nachhaltigen Erholung des Preises kommen, dürfte auch der Strompreis nach oben drehen, weil die Versorger die höheren Rohstoffpreise an ihre Kunden weitergeben können.

Das Umfeld für die Versorger trübt sich also ein. Die Gefahr ist daher groß, dass es sich bei dem jüngsten Anstieg der Aktienkurse nur um eine Reaktion auf die vorherigen Verluste handelt, wie es ihn in den vergangenen Jahren schon häufig gegeben hat  - und die Papiere anschließend wieder nach unten drehen. Die Leidenszeit für Aktionäre könnte daher noch nicht vorbei sein.

Quelle: n-tv.de

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