Wirtschaft
331.000 falsche Scheine sind in der Eurozone sichergestellt worden.
331.000 falsche Scheine sind in der Eurozone sichergestellt worden.(Foto: picture alliance / dpa)

500er aus dem Tintenstrahldrucker: Euro-Fälscher greifen zu dreisten Mitteln

Falsche Banknoten im Wert von 1,5 Millionen Euro hat die Bundesbank in den ersten sechs Monaten sichergestellt - deutlich mehr als im Vorjahr. Der Anstieg geht vor allem auf einen spektakulären Fall zurück.

Die Bundesbank hat im ersten Halbjahr einen deutlichen Anstieg der Euro-Blüten registriert. Insgesamt seien knapp 25.000 falsche Banknoten mit einem Nennwert von 1,5 Millionen Euro in Deutschland sichergestellt worden, teilte sie mit. Die Zahl der Fälschungen stieg damit im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2013 um etwas mehr als ein Viertel.

Damit kamen auf 10.000 Einwohner sechs falsche Banknoten. Im europäischen Vergleich steht Deutschland indes gut da: In der Euro-Zone insgesamt kamen laut Bundesbank 20 Blüten auf 10.000 Einwohner. Besonders beliebt bei Fälschern war der 50-Euro-Schein. Jede zweite Blüte hatte diesen Nennwert.

Für die Bundesbank besteht trotz der Zunahme der Euro-Blüten kein Anlass zur Sorge. "Der gestiegene Schaden durch Falschgeld ist zwar bedauerlich, das Falschgeldaufkommen in Deutschland bleibt aber trotz des Anstiegs auf einem äußerst niedrigen Niveau", sagte der für Bargeld zuständige Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele.

Eine Viertelmillion simpel gefälscht

Zu dem Zuwachs trug insbesondere ein spektakulärer Betrugsfall bei: Zwei Männer hatten in Essen mehrere Oldtimer mit dicken Geldbündeln bezahlt - doch nur die obersten und die untersten Noten waren echt. Alle anderen Scheine waren simple Blüten, hergestellt mit Tintenstrahldrucker im Home-Office - und komplett ohne Sicherheitsmerkmale. 560 Blüten im Nennwert von 280 000 Euro brachte das Vater-Sohn-Duo in Umlauf. Der Sohn wurde gefasst, der Vater ist flüchtig.

"Ein Fall in dieser Größenordnung ist selten und für mich als Bundesbank-Vorstand etwas völlig Neues", sagt Thiele. "Dieser Fall bläht die Schadenssumme, die im letzten Halbjahr durch Falschgeld verursacht wurde, enorm auf."

Derart plump sind professionelle Geldfälscher eher selten. Vor allem nicht, wenn sie sich an die ganz großen Stückelungen wagen. "Andere 500-Euro-Fälschungen werden meist von Profis hergestellt. Die Verwechslungswahrscheinlichkeit ist höher", erklärt Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank.

Zehn-Euro-Note mit verkehrter Rückseite

Die Profis versuchten, Wasserzeichen oder Hologramm zu imitieren: "Gerade bei den großen Stückelungen investieren die Fälscher mehr Arbeit." Dass sich die Kriminellen normalerweise vor allem auf 50- und 20-Euro-Scheine konzentrieren, hat Gründe: "Der Fünfer wird seltener gefälscht, weil sich das kaum rentiert", sagt Elm.

Und größere Scheine seien schwerer in den Verkehr zu bringen: "Geschäfte nutzen bei großen Stückelungen häufig elektronische Prüfgeräte. Und viele Tankstellen akzeptieren überhaupt keine 500-Euro-Noten." Deswegen sei der falsche 500er so wenig verbreitet, erklärt Elm: "Er wird genauer geprüft. Selbst die besseren Fälschungen würden sofort auffallen."

Sichergestellt wurden auch dilettantische Exemplare wie eine Zehn-Euro-Note, bei der die Rückseite auf dem Kopf steht. Und auch so mancher "Spaßschein". Diese in Verkehr zu bringen, kann allerdings ein ernstes Nachspiel haben: Die Polizei berichtete im April von einem 72-Jährigen, der in der Bonner Fußgängerzone falsche 500-Euro-Scheine und 100-Dollar-Noten auslegte und Passanten auf die vermeintlich wertvollen Fundstücke aufmerksam machte.

Dummerweise versuchte der Mann den Scherz auch mit einem Beamten des Ordnungsamtes - und handelte sich ein Ermittlungsverfahren wegen Inverkehrbringens von Falschgeld ein. Laut Polizei wurde das Verfahren eingestellt: Der Senior hatte sich nachweislich in einem nahe gelegenen Billiglädchen mit den Scherzartikeln eingedeckt.

Die Spuren führen immer wieder nach Italien

In größeren Fällen führen die Spuren immer wieder nach Italien: Im Mai verurteilte das Landgericht Kaiserslautern einen 24-Jährigen zu vier Jahren und drei Monaten Haft, weil er in großem Stil Falschgeld in Umlauf gebracht hatte. Laut Anklage ging es um 450.000 Euro - die Blüten soll sich der Mann in Neapel besorgt haben.

Auch bei einer Stuttgarter Razzia fanden Fahnder Hinweise auf Verbindungen nach Italien: In einem Hohlraum hinter einer Wand entdeckten dort Polizisten im Februar mehrere hundert Druckplatten und Heißprägefolien zur Herstellung von Dollar- und Euro-Fälschungen. Die Vorlagen der Geldfälscherbande stammten nach Erkenntnissen der Ermittler aus China, die Software aus Italien.  "Das war seit vielen Jahren die erste Fälscherwerkstatt in Deutschland, die ausgehoben wurde", hebt Elm hervor.

Die Bande betrieb einen erheblichen Aufwand für Fünf-Euro-Blüten: "Das ist eine relativ gute Fünf-Euro-Fälschung im Offsetdruck. Diesen Aufwand hat noch niemand auf sich genommen." Vom Fünfer habe es bisher noch nie eine Druckfälschung gegeben: "Bis die Fälscher damit einen Gewinn gemacht hätten, hätte es eine Zeit lang gedauert", sagt Elm.

Mehr als 300.000 Blüten in Eurozone

In der gesamten Euro-Zone ging die Zahl der Blüten im ersten Halbjahr nach Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) leicht zurück. In den 18 Euro-Ländern wurden zusammen 331.000 gefälschte Geldscheine registriert. Das waren gut sechs Prozent weniger als im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres.

Insgesamt waren mehr als 16 Milliarden Euro-Banknoten im Umlauf. 20er und 50er waren mit einem Anteil von 81 Prozent die am häufigsten gefälschten Banknoten Um es Fälschern schwerer zu machen, bringen die Notenbanken derzeit eine neue Serie der Euro-Banknoten in Umlauf. Den neuen 5-Euro-Schein gibt es schon, der neue 10er wird im September eingeführt. Die Scheine zu 20, 50, 100, 200 und 500 Euro folgen in den nächsten Jahren.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen