Wirtschaft
Europas Industrie wächst wieder.
Europas Industrie wächst wieder.(Foto: picture alliance / dpa)

Lage in Griechenland immer bitterer: Euro-Industrie kommt langsam in Fahrt

Die beiden großen Volkswirtschaften der Eurozone richten den Blick wieder nach oben. Vor allem Frankreich sendet positive Signale. Dagegen schlägt das Schuldendrama nun auch vollends auf Griechenlands Wirtschaft durch.

Die Industrie in der Eurozone beschleunigt ihre Erholung etwas. In den Betrieben lief es im Juni besser als im Mai, wie aus der monatlichen Umfrage des Markit-Instituts unter rund 3000 Firmen hervorgeht. Wachstum, Produktion und Aufträge fielen jeweils so gut aus wie seit einem Jahr nicht mehr. Deutlich unter Druck gerät indes die Industrie in Griechenland.

Der Einkaufsmanagindex des gemeinsamen Währungsraums kletterte auf Monatssicht um 0,3 auf 52,5 Punkte. Bereits ab 50 Zählern wird ein Wachstum signalisiert. "Während es in der Euro-Zone verbreitet aufwärts ging, kam es in Griechenland vor dem Hintergrund angespannter Verhandlungen zur Abwendung der Staatspleite zum stärksten Produktionseinbruch seit zwei Jahren infolge dramatischer Auftragsverluste", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

"Wie die Ergebnisse der Juni-Umfrage zeigen, schnitt der Eurozone-Industriesektor im zweiten Quartal 2015 so gut ab wie seit einem Jahr nicht mehr", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. "Die Schwächephase gegen Ende letzten Jahres gehört damit hoffentlich endgültig der Vergangenheit an."

In Deutschland kletterte der Index um 0,8 auf 51,9 Punkte. In Frankreich stieg das Barometer auf 50,7 Zähler und signalisierte damit erstmals seit über einem Jahr wieder Wachstum. "Generell ist der Aufschwung momentan jedoch alles andere als berauschend", merkte Williamson an. "Die insgesamt gedämpften Entwicklungen in Deutschland und Frankreich reichen jedoch gerade einmal für ein mageres Quartalsplus von 0,3 Prozent - ein eher dürftiger Beitrag des Eurozone-Industriesektors zum Gesamtwachstum." 

"Verlorenes Jahr für Griechenland"

Dagegen fiel der indes in Griechenland um 1,1 auf 46,9 Zähler. "Damit endet das schlechteste Quartal seit zwei Jahren", sagte Markit-Ökonom Phil Smith. "Angesichts der anhaltenden Schuldenverhandlungen im Juni war die Nachfrage gedämpft." Sowohl ausländische als auch inländische Kunden hätten ihre Aufträge gesenkt. Der Experte geht davon aus, dass die Unternehmen darauf mit Stellenabbau reagieren werden. "Ohne Belebung der Aufträge dürften die Firmen ihren Stellenabbau verstärken", sagte Smith.

Bereits im Juni seien Jobs weggefallen, wenn auch nur wenige. Die griechische Arbeitslosenquote ist mit 25,6 Prozent so hoch wie in keinem anderen EU-Land. Der Durchschnitt der Eurozone liegt bei 11,1 Prozent, in Deutschland beträgt die nach einheitlichen europäischen Standards berechnete Quote sogar nur 4,7 Prozent.

Die EU-Kommission rechnet bislang damit, dass die griechische Wirtschaft in diesem Jahr um 0,5 Prozent wachsen wird. Wegen der erhöhten "Grexit"-Gefahr und den in dieser Woche eingeführten Kapitalkontrollen, die die Wirtschaft behindern, befürchten viele Experten mittlerweile eine Rezession. "Das ist wirtschaftlich ein verlorenes Jahr für Griechenland", sagt etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Maschinenbauer warten auf Durchbruch

trübe Nachrichten kommen derweil vom deutschen Maschinenbau. Wie schon im Vormonat gingen im Mai die Bestellungen um zwei Prozent zurück. Im Inland lag das Minus bei vier Prozent, während der Auftragseingang aus dem Ausland stagnierte, wie der Branchenverband VDMA mitteilte

"Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer warten weiter auf den Durchbruch", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Das Jahr habe für die Branche mit den über eine Million Beschäftigten durchwachsen begonnnen. "Von Januar bis einschließlich April liegen wir nun bei real plus 1,1 Prozent. Wir gehen davon aus, dass wir uns im Lauf des Jahres schrittweise unserer Prognose von zwei Prozent Produktionsplus nähern können."

Wenig Bedeutung für die deutschen Maschinenbauer misst Wiechers der Griechenland-Krise zu. "Griechenland ist für uns kein großer Markt, er rangiert nur auf Platz 54 der Exportrangliste des deutschen Maschinenbaus." 2014 exportierten die hiesigen Firmen 0,2 Prozent aller Maschinen in das südeuropäische Land, das entsprach einem Wert von 360 Millionen Euro.

Quelle: n-tv.de

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