Wirtschaft
Wird der Dax in der kommenden Woche die Marke von 10.000 Punkten überwinden?
Wird der Dax in der kommenden Woche die Marke von 10.000 Punkten überwinden?(Foto: REUTERS)

Börsen-Ausblick: Euro könnte Dax ausbremsen

Wie geht es weiter am deutschen Aktienmarkt? Nach wochenlangen Gewinnen sei die Zeit reif für eine Verschnaufpause, sagen Händler. Entscheidend sei jedoch der Eurokurs.

Den Börsen könnte nach einer wochenlangen Erholungsrally vor Ostern etwas die Puste ausgehen. Der Dax schloss am Freitag nach einem mäßigen Start 0,5 Prozent höher bei 9950 Punkten. Auf Wochensicht erzielte er ein Plus von 1,2 Prozent und verabschiedete sich mit dem fünften Wochengewinn in Folge aus dem Handel.

"Viele Aktienmärkte sind etwas heiß gelaufen", konstatiert die Bernecker-Publikation "Die Termin-Börse". Auch die Wertpapierspezialisten der DZ Bank mahnen zur Vorsicht: Nach dem schwachen Jahresstart und der anschließenden, rasanten Aufholjagd "ist zunächst ein Luftholen des Marktes nicht auszuschließen".

Die weltweit lockere Geldpolitik dürfte die Kurse weiter stützen. Als wichtigster Taktgeber drängen nun die Konjunkturdaten in den Vordergrund. "Ausreichende Liquidität ist weiterhin vorhanden", heißt es bei Bernecker. "Es gibt weltweit keine Notenbank, die massiv bremst und das Zinsniveau nach oben treibt." Selbst die US-Notenbank habe sich jüngst nicht dazu durchringen können, den Leitzins erneut anzuheben. "Allerdings scheinen die Notenbanken zunehmend an Einfluss auf die Aktienmärkte zu verlieren", kommentieren die DZ-Bank-Experten die nur kurzlebigen Impulse der Europäischen Zentralbank und auch von den US-Währungshütern für die Börsen.

Wichtig für die weitere Entwicklung der Börsen ist nach Einschätzung vieler Börsianer der Eurokurs. "Wertet die Gemeinschaftswährung weiter auf, fürchten Anleger eine Belastung für die exportstarke deutsche Industrie", sagt NordLB-Analyst Tobias Basse. "Um Aktien werden Investoren dann lieber einen Bogen machen." Schon in den vergangenen Handelstagen hielten sich Anleger angesichts des wieder festeren Euros zurück. Spekulationen auf eine behutsame Straffung der US-Geldpolitik hatten der Gemeinschaftswährung Rückenwind verliehen. Sie notierte mit 1,1342 Dollar zeitweise auf dem höchsten Stand seit fünf Wochen. "Die Finanzmärkte bleiben Getriebene der Geldpolitik, daran wird sich auch nach den jüngsten Sitzungen der großen Notenbanken nichts ändern", sagt ein Börsianer.

Billiges Geld

Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets erinnert an den deutlichen Schub, den die Entscheidungen der beiden wichtigsten Notenbanken der Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar verliehen hatten. "Ein starker Euro ist Gift für den Dax", gibt Stanzl zu bedenken. Daher habe es der deutsche Leitindex bislang auch nicht geschafft, die Marke von 10.000 Punkten dauerhaft zu überwinden. Ein hoher Kurs der Gemeinschaftswährung verteuert tendenziell die Produkte europäischer Unternehmen für Käufer außerhalb der Eurozone.

Neue Impulse von der Geldpolitik erwartet Stanzl in der verkürzten Handelswoche vor Ostern indes nicht: "Die großen Zentralbanken wollen erst einmal die Wirkung ihrer Medizin abwarten, die sie den Märkten jüngst verabreichten." Am Karfreitag bleiben unter anderem die Börsen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA geschlossen.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am 10. März die Geldpolitik zwar deutlich stärker gelockert als erwartet, weiteren Zinssenkungen aber zunächst eine Absage erteilt. Am vergangenen Dienstag bekräftigte die japanische Notenbank ihren Billiggeld-Kurs, und tags darauf zog die US-Notenbank Fed nach: Sie beließ zwar ihren Leitzins wie erwartet knapp über der Nulllinie. Fed-Präsidentin Janet Yellen signalisierte aber, die Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf deutlich langsamer straffen zu wollen als bisher beabsichtigt. Sie will nach der Zinswende vom Dezember im laufenden Jahr nur noch zwei Mal nachlegen. Ende 2015 hatte die Fed noch doppelt so viele Schritte auf dem Zettel.

Ifo-Index im Blick

In den kommenden Tagen dürften die Investoren nun die zahlreichen Reden von US-Zentralbankern auf Signale für den Zeitpunkt der nächsten Anhebung abklopfen. Es sprechen unter anderem Charles Evans (Dienstag), Chef des Fed-Ablegers in Chicago, und James Bullard (Donnerstag), Präsident der Fed von St. Louis. Analyst Alexander Bühler von der VP Bank hält eine weitere Straffung der Geldpolitik im Juni für wahrscheinlich.

"Die US-Wirtschaft konnte zuletzt über weite Strecken überzeugen. Wichtig ist nur, dass Fed-Chefin Janet Yellen keine kalten Füße bekommt." Den Kursen am Terminmarkt zufolge sehen Anleger die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im Juni aber nur bei 40 Prozent. Vor der Fed-Sitzung hatte sie bei 52 Prozent gelegen. US-Konjunkturdaten stehen in der neuen Woche nur wenige auf dem Terminplan. Hierzu gehören die Auftragseingänge für langlebige Güter am Donnerstag. Nach dem kräftigen Plus im Januar rechnen Analysten im Februar mit einer Korrektur.

In Europa richtet sich der Fokus am Donnerstag auf die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager. Einen Vorgeschmack liefert am Dienstag der Ifo-Index, der das Klima in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Enttäuschende Zahlen könnten Spekulationen auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank  neue Nahrung geben.

Auf der Unternehmensseite geht es eher ruhig zu. Einige Firmen wie Fuchs Petrolub, Kuka (jeweils Dienstag) und Biotest (Mittwoch) legen ihre detaillierten Gesamtjahreszahlen vor. An Karfreitag bleibt die Börse geschlossen. Besonders aufmerksam dürften die Anleger das Debüt von ProSieben im Dax verfolgen. Der TV-Konzern, der bislang im MDax gelistet ist, übernimmt ab Montag den Platz von K+S im deutsche Leitindex. Damit steigt erstmals ein Medienunternehmen in die erste Börsenliga auf. Der Düngemittelhersteller K+S war seit 2008 im Dax.

Quelle: n-tv.de

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