Wirtschaft

Krise verliert an Schärfe: Euro steht vor ruhigerem Jahr

Der Euro blickt auf ein turbulentes Jahr zurück. Doch die europäische Schuldenkrise hat mittlerweile an Dramatik verloren - die Gemeinschaftswährung wird deshalb wohl in den kommenden Monaten weniger aufregende Zeiten durchmachen.

Der Euro hat ein schwieriges Jahr hinter sich gebracht.
Der Euro hat ein schwieriges Jahr hinter sich gebracht.(Foto: REUTERS)

Für Devisen-Anleger könnte das neue Jahr etwas entspannter laufen als 2012. Denn der Euro hat nach Meinung vieler Experten seinen Härtetest bestanden. "2012 war das kritische Jahr für den Euro. Dass es ihn noch gibt, scheint ein Vorbote für die Zukunft zu sein", sagt der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater.

Großes Aufwärtspotenzial sehen Devisen-Strategen für die Gemeinschaftswährung allerdings nicht. Dafür laufe es konjunkturell zu schlecht. Die Erwartung vieler, dass die US-Notenbank Fed wohl eher als die Europäische Zentralbank ihre Niedrigzins-Politik aufgeben werde, sei zudem ein Vorteil für den Dollar. Um mit Währungsgeschäften richtig Geld zu verdienen, müssen Investoren nach Ansicht der Strategen schon auf exotischere Währungen setzen. "Wir sehen angesichts des Energie-Booms in den USA und den langfristigen Wachstumsperspektiven gute Chancen für den Dollar", betont der Vermögensverwalter Blackrock.

Am Jahresende bei 1,20 Dollar?

"Für die nächsten Jahre erwarten wir, dass die größten Industrieländer sich weiter um eine schwächere Währung bemühen werden", heißt es bei der UBS. "Daher bevorzugen wir wachstumsorientierte und rohstoffgebundene Währungen. Beim Euro erwarten wir nur eine geringfügige Aufwertung. Für einen klareren Trend müsste entweder die US-Notenbank oder die EZB mit einer Straffung der Geldpolitik sorgen, die wir in nächster Zeit aber für unwahrscheinlich halten."

MM Warburg geht davon aus, dass Spanien Anfang 2013 einen Hilfsantrag beim europäischen Rettungsfonds stellen und die EZB dann Anleihen des Staates kaufen wird. "Damit nimmt das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone weiter ab", so die Privatbank. Das könnte den Euro für Anleger attraktiver machen, so dass er zu Jahresanfang um zwei, drei Cent anziehen könnte. Gegen Jahresende hin sollte sich das Hauptaugenmerk der Anleger aber auf bessere Wachstumsperspektiven in den USA richten, was den Euro in Richtung 1,20 Dollar drücken dürfte, wie MM Warburg betont.

Angesichts des globalen Niedrigzinsumfelds seien höhere Renditen am ehesten in "Carry-Währungen" zu erzielen - wie dem australischen oder dem neuseeländischen Dollar, prognostiziert die Fondsgesellschaft DWS. Bei Carry-Geschäften nehmen Anleger Kredite in niedrig verzinsten Währungen auf und legen das Geld in höher verzinsten Währungen an.

Die Schweizer Privatbank Julius Bär sieht Chancen in Währungen mit "Aufwertungspotenzial", wie der türkischen Lira, dem ungarischen Forint oder dem mexikanischen Peso. Die Fondsgesellschaft Thredneedle favorisiert den US-Dollar, sieht die Entwicklung des Euro skeptisch und rät vom japanischen Yen und dem australischen Dollar ab.

Quelle: n-tv.de

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