Wirtschaft
Der Feldzug geht weiter.
Der Feldzug geht weiter.(Foto: dapd)

Reaktionen der Börsianer: "Eurogruppe kauft sich Zeit"

Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ist vorerst abgewendet. Die Einschätzungen der Börsianer, ob das als Erfolg zu werten ist, gehen auseinander.

Nach mehreren Anläufen haben sich die Euro-Finanzminister und der IWF in einem mehrstündigen Verhandlungsmarathon auf weitere Hilfen für Griechenland verständigt. Teil des Deals ist eine finanzielle Entlastung des hoch verschuldeten Staates um 40 Mrd. Euro. So sollen unter anderem die Zinsen für laufende Kredite gesenkt und die Rückzahlung gestreckt werden.

Die Einschätzungen der Börsianer, ob das als Erfolg zu werten ist, gehen auseinander. ING-Volkswirt Carsten Brzeski meint, die Euro-Staaten hätten "Nägel mit Köpfen gemacht". Der politische Wille, die griechischen Spar- und Reformmaßnahmen zu belohnen, sei zwar schon länger vorhanden gewesen. Aber: "Jetzt wurde dieser politische Wille um finanzielle Unterstützung ergänzt."

Nach Ansicht der Experten der Berenberg Bank wurden eine Griechenland-Pleite und ein möglicher Austritt des Landes aus der Euro-Zone von der Liste der unmittelbaren Gefahren gestrichen. "Der Euro-Zone könnten aber neue Spannungen bevorstehen", heißt es. "Die Wirtschaft ist immer noch in der Rezession und viele Staaten werden ihre Haushaltsziele verfehlen." Dies werde wohl neue Sparmaßnahmen nach sich ziehen, auf die Investoren allergisch reagieren könnten. Dennoch: Die Neuausrichtung der Euro-Zone mache spürbare Fortschritte und der Griechenland-Deal verschaffe Zeit, um diesen Prozess abzuschließen und sichtbare Ergebnisse vorzuweisen.

"Das ist der Einstieg in eine Transfer-Union", kommentiert  Heino Ruland, Marktanalyst  von Ruland Research. "Allerdings müssen die beschlossenen Maßnahmen durch Investitionen in die Industrie und Landwirtschaft Griechenlands unterstützt werden."

Ulrich Leuchtmann, Analyst bei der Commerzbank, äußert sich vorsichtiger. Allerdings: "Die Bauchschmerzen, die man mit dem nächtlichen Ergebnis haben mag, waren alle bereits im Vorfeld bekannt: Anhaltende Skepsis bezüglich Griechenlands Möglichkeit, eine langfristig nachhaltige fiskalische Situation zu erreichen; die Sorge, dass die Verlängerung der Kreditlaufzeiten und die Stundung der Zinszahlungen ein Schuldenschnitt auf Raten sind etc." Was bleibe, sei der positive Effekt. Das "Verunfallungsrisiko - also die Gefahr, dass sich die beteiligten Parteien trotz gemeinsamer strategischer Ziele nicht zu einem gemeinsamen Vorgehen zusammenraufen können" – habe sich wieder nicht materialisiert.

"Indirektes Bekenntnis"

Die National-Bank schreibt in ihrem Marktkommentar, dass fast alle Teilnehmer Brüssel zufrieden verlassen können: "Der IWF hat der Eurogruppe indirekt ein Bekenntnis zum Schuldenschnitt abgerungen; gleichzeitig sollten die privaten Gläubiger freiwillig einen weiteren Beitrag leisten." Die Eurogruppe habe den sofortigen Schuldenschnitt vermieden. Griechenland werde bald etwas mehr Handlungsspielraum haben und weniger bezahlen müssen. "Zeit ist gekauft. Nun muss die griechische Regierung liefern."

Quelle: n-tv.de

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