Wirtschaft
Bei einer Deflation wird das Einkaufen zwar kurzfristig günstiger, langfristig wird es aber für alle ungemütlich.
Bei einer Deflation wird das Einkaufen zwar kurzfristig günstiger, langfristig wird es aber für alle ungemütlich.(Foto: imago/Westend61)

Verbraucherpreise ziehen wieder an: Europa entfernt sich von der Deflation

Das wirtschaftliche Schreckensszenario einer Deflation ist vorerst abgewendet. Die Preise in den Eurostaaten sinken wesentlich langsamer, die Teuerung kommt wieder in Schwung. Eine Folge der Geldflut der EZB?

Die Abwärtsspirale der Verbraucherpreise in der Eurozone ist im Februar zum Stillstand gekommen. Die jährliche Inflationsrate stieg auf minus 0,3 Prozent. Damit bestätigte die Statistikbehörde Eurostat ihre erste Schätzung vom 2. März. Mit einer Minusinflation von 0,6 Prozent war im Januar das bisherige Rekordtief vom Juli 2009 eingestellt worden. In der gesamten EU mit 28 Staaten gingen die Lebenshaltungskosten um 0,2 Prozent zurück.

Deflation

Unter Deflation versteht man den Rückgang der Preise für Waren und Dienstleistungen. Üblicherweise entsteht Deflation, wenn die Nachfrage in einer Volkswirtschaft kleiner ist als das Angebot.

Eigentlich wirken sich Preissenkungen positiv auf das Befinden einer Gesellschaft aus. Beruhen sie jedoch auf fehlender Nachfrage, führen sie langfristig zu Wirtschaftskrisen und wachsender Arbeitslosigkeit. Wenn niemand mehr die Produkte einer Firma kauft, wird diese weniger investieren und versuchen, Kosten zu sparen - zum Beispiel mit Entlassungen. Mit wachsender Arbeitslosigkeit wird jedoch noch weniger konsumiert und die Unternehmen müssen noch mehr sparen.

Das gängigste geldpolitische Mittel zur Bekämpfung von Deflation sind niedrige Zinsen seitens der Zentralbanken.

2009 hatte es einen mehrmonatigen Preisrückgang in der Eurozone gegeben. Damals fielen die Preise in den Monaten von Juni bis Oktober. Am stärksten waren die Preisrückgänge im Februar in Griechenland (-1,9 Prozent), Bulgarien (-1,7 Prozent) und Litauen (-1,5 Prozent). In Deutschland sanken die Lebenshaltungskosten um 0,1 Prozent.

Die Gefahr einer regelrechten Deflation - also einem länger anhaltenden Preisverfall, der die Wirtschaft insgesamt schwächen könnte - scheint damit vorerst gebannt. Allerdings ist die Inflation vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) noch weit entfernt, die eine Inflationsrate von nahe 2 Prozent anstrebt.

Ölpreise bremsen Preisentwicklung

Seit vergangener Woche kauft die EZB monatlich Wertpapiere für 60 Milliarden Euro, der größte Teil davon sind Staatsanleihen, um die Inflation künstlich anzufachen.

Experten gehen davon aus, dass die jährliche Inflationsrate in der Eurozone noch für einige Monate im negativen Bereich verharren könnte. Denn die Ölpreise liegen weiter um mehr als die Hälfte unter dem Niveau des vergangenen Sommers und das Wirtschaftswachstum in Europa erholt sich nur schleppend.

Gebremst wird die Preisentwicklung nach wie vor durch niedrigere Energiepreise in den Euro-Ländern. Energie war im Februar 7,9 Prozent billiger als vor einem Jahr. Geringere Preise für Benzin und Diesel sowie Öl bremsten die Preisentwicklung am meisten.

Dagegen gaben Preisaufschläge bei Restaurants, Cafés, Mieten und Tabak die stärksten Aufwärtsimpulse. Rechnet man Energie und Lebensmittel heraus, betrug die sogenannte Kernrate der Inflation laut Statistik sogar plus 0,7 Prozent. Das war etwas mehr als von Experten erwartet.

In den Euro-Ländern fallen die Preise besonders stark im Krisenland Griechenland (minus 1,9 Prozent im Februar), Litauen (minus 1,5 Prozent) und Spanien (minus 1,2 Prozent). Die höchsten positiven Inflationsraten verzeichneten Malta (0,6 Prozent) und Österreich (0,5 Prozent). In Deutschland betrug die Rate minus 0,1 Prozent. Wegen verschiedener Berechnungsmethoden unterscheiden sich die Eurostat-Zahlen von denen des Statistischen Bundesamtes, das für Deutschland im Februar eine positive Inflationsrate von 0,1 Prozent gemeldet hatte.

Quelle: n-tv.de

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