Wirtschaft

Abwärtstrend im AutomarktEuropäer kaufen weniger Pkw

17.07.2012, 11:05 Uhr
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Schuldenkrise, mangelnde Kaufanreize, Schutzzölle und Abgasvorschriften: PSA und Opel verlieren Marktanteile. (Foto: picture alliance / dpa)

Für die Automobilindustrie bleibt Europa im Juni eine schwierige Problemzone: Während die meisten Weltregionen Absatzsteigerungen verzeichnen, finden die Hersteller in Europa erneut weniger Abnehmer für frisch produzierte Neuwagen. Der Druck auf Peugeot und Opel steigt. Die Konkurrenz aus Korea drückt in den Markt.

Kleiner Lichtblick im europäischen Automarkt: Im Juni schrumpften die Pkw-Neuzulassungen in den 27 Staaten der Europäischen Union nur noch um 2,8 Prozent auf 1,2 Millionen Fahrzeuge. Das war der geringste Rückgang seit acht Monaten, wie der Herstellerverband ACEA betonte. Im ersten Halbjahr rollten in den EU-Ländern damit insgesamt 6,64 Mio. Fahrzeuge neu auf die Straßen - 6,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Zu den größten Verlierern gehörte der Rüsselsheimer Autobauer Opel, der bei seiner heutigen Aufsichtsratssitzung einen Nachfolger für den vergangene Woche zurückgetretenen Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke ernennen will. Im ersten Halbjahr schrumpfte der EU-Absatz bei Opel um 15 Prozent auf 457.630 Autos. Der europaweite Marktanteil von Opel ging auf 6,9 Prozent von 7,6 Prozent zurück. US-Presseberichten zufolge .

Auch der Allianzpartner bekam die Absatzkrise deutlich zu spüren: Die Neuzulassungen der Franzosen, die vergangene Woche den Abbau von 8000 Stellen angekündigt hatten, brachen um 13,9 Prozent auf 808.660 Autos ein.

Während die südeuropäischen Länder kräftige Absatzrückgänge verbuchten, erwiesen sich der deutsche und der britische Automarkt als vergleichsweise robust. Im ersten Halbjahr legten die Neuzulassungen um 0,7 Prozent auf 1,63 Mio. Pkw zu. In Großbritannien kletterten sie um 2,7 Prozent auf 1,06 Millionen Autos.

Die Koreaner kommen

Der Verlust an Marktanteilen bei PSA und Opel geht dabei nicht nur auf die nachlassende Konsumbereitschaft in süd- und westeuropäischen Krisenstaaten zurück. Auch die Konkurrenz aus Fernost dringt immer weiter in die Heimatmärkte traditionsreicher deutscher und französischer Autobauer vor. Hersteller aus Südkorea wie zum Beispiel oder konnten im schwachen europäischen Markt deutlich zulegen. Ihr Europa-Erfolg geht Beobachtern zufolge dabei vor allem auf Kosten von Herstellern wie Peugeot.

Aus französischer Sicht stellt damit die anhaltende Krise im europäischen Automarkt auch das Freihandelsabkommen zwischen Südkorea und der EU in Frage. Während der französische Produzent Peugeot in der vergangenen Woche eine Werksschließung verkündete - die -, verkaufen koreanische Autohersteller in Europa immer mehr Wagen.

Der Trend dürfte sich fortsetzen, weil Einfuhrzölle auf koreanische Autos in den nächsten vier Jahren noch weiter sinken werden. Das zumindest sieht das Abkommen zwischen der EU und Südkorea in seiner bisherigen Fassung vor. Das trat im vergangenen Sommer in Kraft. Zahlreiche europäische Autobauer hatten sich damals gegen Vereinbarungen gewehrt. Die Einfuhrzölle für koreanische Autos wurden dadurch zunächst von 10 auf 8 Prozent senkt.

Sprunghafter Anstieg

Die Folgen seien nun überall spürbar, hieß es aus Branche: Zwischen Juli 2011 und Mai dieses Jahres gelangten 400.000 koreanische Neuwagen in die EU. Das sind 40 Prozent mehr als noch im Jahr davor, wie Daten der Zollbehörde in Seoul belegten. Die Europäer konnten ihre Autoverkäufe nach Korea nur um 73.000 Wagen erhöhen, was einem Anstieg von 13 Prozent entspricht.

In der europäischen Auto-Branche wollte zunächst niemand mutmaßen, ob und wie viel der Importzunahme auf das Konto der niedrigeren Zölle für Südkorea geht. Analysten gehen davon, dass die Verkäufe in Europa auch deshalb so gut laufen, weil die südkoreanische Währung so schwach sei. "Klar ist jedenfalls, dass europäische Exporte durch die anhaltende Existenz nichttarifärer Handelshemmnisse im Automobilsektor gebremst werden", sagte ACEA-Sprecherin Cara McLaughlin.

Gleichzeitig erschwerten strenge Vorschriften zum Schadstoffausstoß und zur Fahrzeugsicherheit für europäische Hersteller den Zugang zum schnell wachsenden koreanischen Markt, hieß es. Nach Angaben der Europäischen Kommission, die das Freihandelsabkommen ausgehandelt hat, werde es eine Weile dauern, bis sich diese Vorschriften ändern. "Die sind nicht wie ein Zoll, den man von einem auf den anderen Tag streichen kann", sagte Kommissionssprecher John Clancy.

Qualität, Preis und Image

In der Wahrnehmung der Autobauer dringt vor allem aggressiv in den europäischen Markt vor. Nach Angaben des europäischen Automobilverbands steigerte das koreanische Unternehmen seinen Marktanteil von 1,7 Prozent im Jahr 2007 auf 2,6 Prozent im Jahr 2011. Wie Kia verschifft Hyundai seine Wagen nicht nur aus Korea, sondern produziert in den osteuropäischen Niedriglohnländern auch direkt.

Damit rücken die beiden Konzerne Massenherstellern wie Peugeot gefährlich auf die Pelle. Die Koreaner konzentrieren sich ebenfalls auf kleinere Autos, die günstig im Verbrauch sind. Sie produzieren aber zu weitaus geringeren Arbeitskosten als etwa Peugeot. Analysten zufolge lässt sich die wachsende Präsenz der Koreaner in Europa nicht allein auf die Kostenfrage zurückführen, sondern auch auf die Qualität.

"Die Zuverlässigkeit der koreanischen Autos hat sich in den vergangenen paar Jahren merklich verbessert", sagte Hans-Peter Wodniok, Analyst bei der Finanzmarkt-Forschungsgesellschaft Fairesearch in Kronberg. "Das hat diese Autos für europäische Verbraucher erheblich attraktiver gemacht."

Quelle: ntv.de, DJ/rts