Wirtschaft
Der Automarkt in Europa erreicht das Niveau von vor der Finanzkrise.
Der Automarkt in Europa erreicht das Niveau von vor der Finanzkrise.(Foto: dpa)
Freitag, 14. Juli 2017

Schwächerer Zuwachs: Europas Automarkt nimmt Tempo raus

Europas Autohäuser konnten sich im Juni erneut über viele Kunden freuen - wenn auch über weniger als noch im Mai. Nach sechs Monaten verbuchen Händler und Hersteller zudem das beste Halbjahr seit zehn Jahren. Großer Verlierer ist indes der Diesel.

Der europäische Automarkt büßt im Juni etwas an Schwung ein. In den Ländern der EU sowie in Island, der Schweiz und Norwegen wurden 1,54 Millionen Pkw neu zugelassen, wie der Herstellerverband Acea mitteilte. Das entsprach einem Plus von 2,1 Prozent. Im Vormonat hatte sich der Zuwachs noch auf 7,7 Prozent belaufen. In den ersten sechs Monaten wurden damit knapp fünf Prozent mehr Wagen zugelassen. Das war zugleich der höchste Stand seit 2007.

"Die Krise ist inzwischen überwunden. Wir haben europaweit das Vorkrisenniveau erreicht. Die Zeiten, in denen alle großen Märkte in Europa sich im Gleichschritt nach oben bewegt haben, sind damit allerdings vorbei. Großbritannien schwächelt auf hohem Niveau und in Deutschland geht es nur noch in kleinen Schritten voran", sagte Peter Fuß, Autoexperte der Wirtschaftsberater Ernst & Young.

An der Spitze rangierte laut Acea Italien mit einer Zunahme um 12,9 Prozent. Spanien meldete 6,5 Prozent mehr Neuzulassungen. Auf der Verliererseite standen Großbritannien und Deutschland mit Einbußen von 4,8 und 3,5 Prozent. Zum Wachstum in der Region trugen vor allem die neuen Mitgliedsländer bei, sie kamen auf ein Plus von zwölf Prozent.

In der Gunst der Verbraucher weit oben rangierten Toyota und Suzuki mit zweistelligen Wachstumsraten. Volkswagen lag im Juni mit einer Zunahme von 2,7 Prozent leicht über dem Durchschnitt. Bei Daimler lief es mit plus 4,2 Prozent noch besser. BMW-Fahrzeuge waren weniger gefragt, die Neuzulassungen sanken um 3,1 Prozent. Fahrzeuge der Opel-Gruppe wurden noch stärker geschmäht als im Mai, die Zulassungen sanken um 6,9 Prozent - unter die 100.000er-Marke. Der Marktanteil der deutschen Hersteller insgesamt lag damit bei 36 Prozent.

Alle meiden Diesel - außer Italien

Abwärts ging es einmal mehr für die Diesel-Neuwagen. In den fünf größten Absatzmärkten - Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien - sanken die Neuzulassungen von Selbstzündern im Juni insgesamt um acht Prozent, wie Ernst & Young weiter mitteilte. In Deutschland sank ihre Zahl sogar um ein Fünftel. Einzig in Italien stieg ihre Zahl - wohl angetrieben von gewerblichen Zulassungen.

Unterm Strich seien die Rahmenbedingungen weiter positiv, sagte Fuß weiter. "Die insgesamt guten Konjunkturaussichten, eine weiter sinkende Arbeitslosigkeit, günstige Finanzierungsmöglichkeiten und ein hoher Ersatzbedarf gerade in den südeuropäischen Ländern sorgen insgesamt immer noch für einen steigenden Neuwagenabsatz." Allerdings werde die Dynamik im zweiten Halbjahr nachlassen. Am Jahresende wird sich das Absatzplus wohl auf vier Prozent belaufen.

Quelle: n-tv.de

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