Wirtschaft
Der europäische Automarkt ist gesättigt.
Der europäische Automarkt ist gesättigt.(Foto: dpa)

18. Monat im Rückwärtsgang: Europas Automarkt schwächelt

Europas Automarkt befindet sich weiter im freien Fall. Im März sowie im ersten Quartal gaben die Pkw-Neuzulassungen auf dem alten Kontinent um rund ein Zehntel nach - und damit sogar noch stärker als befürchtet. Das Abrutschen auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahrzehnten scheint kaum mehr zu verhindern zu sein und macht der Branche immer mehr zu schaffen.

Die Flaute auf Europas Automarkt nimmt kein Ende. Den 18. Monat in Folge fielen im März die Neuzulassungen in der Europäischen Union, wie der Herstellerverband ACEA mitteilte. 1,3 Mio. Pkw wurden im vergangenen Monat verkauft, das sind 10,2 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Und ein Ende der Abwärtsspirale ist Experten zufolge nicht in Sicht: "2013 droht einen neuen Negativrekord aufzustellen und sich zu einem Horrorjahr zu entwickeln", schrieb Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst & Young in einer Analyse. Autoexperte Frank Schwope von der NordLB sagte: "Die Rückstände aus dem ersten Quartal sind in diesem Jahr nicht mehr aufzuholen. Alle Hoffnung gilt 2014, aber seriös belegen kann das niemand."

Zwischen Januar und März 2013 wurden dem europäischen Branchenverband ACEA zufolge knapp drei Mio. Neuwagen in der EU verkauft - 9,8 Prozent weniger als im Vorjahrszeitraum. Im März hätten durch Ostern und die vielen Wochenenden zwei Verkaufstage gefehlt, erläuterte Schwope. Einziger Lichtblick für die Autobauer war zuletzt Großbritannien; hier stiegen die Neuzulassungen im März um 5,9 Prozent auf fast 395.000. In den anderen großen Märkten - Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien - wurden hingegen jeweils zweistellige Absatzrückgänge verbucht. In der Bundesrepublik fielen die Verkaufszahlen um 17,1 Prozent auf gut 280.000 Wagen. Die Wirklichkeit sei indes noch viel dramatischer, sagte Unternehmensberater Fuß. "In vielen Absatzmärkten, allen voran Deutschland, werden die Verkäufe durch Eigenzulassungen künstlich aufgebläht." Zudem drückten hohe Preisnachlässe die Margen der Autokonzerne, und vorerst gehe die Rabattschlacht weiter.

Die Talfahrt der europäischen Automärkte ist nach Schwopes Ansicht auch Folge der Abwrackprämien in vielen Ländern zu Anfang der Finanzkrise. "Damit hat man sich den Markt verdorben", sagte der Analyst. Viele Kunden hätten, animiert durch staatliche Zuschüsse, den Kauf eines neuen Autos einfach vorgezogen. Allein in Deutschland fehlten seither jedes Jahr rund 100.000 bis 300.000 Neuzulassungen.

VW-Absatz bricht um neun Prozent ein

Der Schrumpfkurs auf Europas Automärkten trifft fast alle Hersteller. Volkswagen, mit einem Marktanteil von 23,7 Prozent unangefochtener Platzhirsch in der EU, verbuchte im März ein Minus von neun Prozent. Die Kernmarke der Wolfsburger musste zuletzt den ersten Absatzrückgang seit Dezember 2009 verbuchen. Bei PSA Peugeot Citroen, mit 10,4 Prozent Marktanteil abgeschlagen auf Platz 2, betrug der Rückgang im März laut ACEA 16 Prozent. Die Franzosen sind wie ihre Konkurrenten Renault, Fiat oder auch Opel besonders von der Krise betroffen, weil sie in Europa für Europa produzieren und das Wachstum anderswo auf der Welt fast völlig an ihnen vorbeigeht. Vor allem die deutschen Oberklasse-Hersteller profitieren davon, dass ihre Fahrzeuge in China oder den USA weiter beliebt sind. Allerdings spüren auch BMW, Mercedes und Audi die immer neuen Tiefschläge in Europa, denn auf dem Heimatkontinent verkaufen sie fast die Hälfte ihrer Autos.

Seit anderthalb Jahren sind in der EU Rückgänge an der Tagesordnung; ein Negativrekord jagt den anderen. 2012 war das schlechteste Autojahr seit 1995, 2013 startete mit einem historischen Tiefstand der Pkw-Neuzulassungen. "Der April könnte ein geringeres Minus bringen", sagte NordLB-Analyst Schwope. Im zweiten Halbjahr fielen die Rückgänge möglicherweise weniger hoch aus, weil die Vergleichszahlen niedriger seien. Zudem würden die Fahrzeuge immer älter - und irgendwann müssten sie ausgetauscht werden. Allerdings könnte die anhaltende Krise in Europa, die in vielen Ländern für hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Perspektiven sorgt, den Autobauern einen Strich durch die Rechnung machen, gibt der Experte zu bedenken: "Wenn man kein Geld mehr hat, fährt man zur Not auch mit schlechten Bremsen."

Quelle: n-tv.de

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