Wirtschaft
Mit Sorge blicken Konjunkturexperten auf den Markit-Index.
Mit Sorge blicken Konjunkturexperten auf den Markit-Index.(Foto: dpa)

"Tief in der Rezession": Europas Einkaufschefs zweifeln

Eine Umfrage unter 3000 europäischen Industriebetrieben gibt Konjunkturexperten zu denken: Der Markit-Index gibt im Dezember leicht nach. Das Institut geht davon aus, dass sich der Rückgang der Wirtschaftsleistung beschleunigt - "wahrscheinlich sogar erheblich."

Die Eurozone ist zum Jahresende dem ersten Anschein nach noch tiefer in die Rezession gerutscht. Darauf deutet zumindest der erneute Rückgang des Einkaufsmanagerindex für die Industrie hin, einem der wichtigsten Konjunkturbarometer für die Währungsunion.

Der an den Märkten vielbeachtete Markit-Einkaufsmanagerindex fiel im Dezember um 0,1 auf 46,1 Punkte, wie das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter 3000 Unternehmen mitteilte. Der Index blieb damit deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

"Der Industriesektor steckte auch im Dezember tief in der Rezession", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die Produktion dürfte im vierten Quartal um etwa ein Prozent geschrumpft sein. "Folglich könne sich auch der Rückgang der Wirtschaftsleistung beschleunigt haben - wahrscheinlich sogar erheblich." Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent geschrumpft, im zweiten Vierteljahr um 0,2 Prozent.

Sonderfall Irland

Lediglich Irland meldete am Jahresende ein Wachstum. In Deutschland, Spanien, Österreich und Griechenland beschleunigte sich die Talfahrt dagegen, während sie sich in Frankreich, Italien und den Niederlanden verlangsamte.

Die Exportaufträge schrumpften in der Eurozone bereits den 18. Monat in Folge. Allerdings fiel der Rückgang weniger gravierend aus als in den zurückliegenden acht Monaten. Die Unternehmen bauten bereits den elften Monat in Folge Arbeitsplätze ab. Lagerbestände und Einkaufsmengen wurden erneut stark reduziert. Die Auftragsbestände wurden hingegen so zügig abgebaut wie seit einem halben Jahr nicht mehr.

Blick nach Deutschland

Kein glückliches Ende gab es auch für die deutsche Industrie zum Jahresausklang: Ihre Geschäfte schrumpften im Dezember den zehnten Monat in Folge. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex fiel um 0,8 auf 46,0 Punkte, wie das Markit-Institut mitteilte. Er blieb damit ebenfalls deutlich unter der Marke von 50 Zählern.

"Wenngleich die Hersteller bemüht sind, an die Erfolge der letzten Jahre anzuknüpfen, so scheint sich die Lage in diesem Winter doch weiter zugespitzt zu haben", sagte der für Deutschland zuständige Markit-Ökonom Tim Moore.

Sorge bereitet den Firmen die maue Nachfrage. "Besonders schwach war die Nachfrage aus dem Ausland", hieß es. Die Unternehmen versuchen zwar, dies durch die Arbeitung bestehender Aufträge und Preissenkungen auszugleichen. Trotzdem mussten sie den neunten Monat in Folge ihre Produktion drosseln.

Schleichender Stellenabbau

Die Industrie strichen deshalb den dritten Monat in Folge Jobs. Allerdings fiel der Stellenabbau moderat aus. Entlastet wurden die Firmen auf der Kostenseite. Zum ersten Mal seit August mussten sie weniger für Rohstoffe und Zwischenprodukte zahlen. "Dies sollte den Druck auf die Gewinnmargen zu Jahresbeginn vermindern und damit für ein wenig Entlastung bei den Industriebetrieben sorgen", hieß es in der Einschätzung der Markit-Experten.

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Quelle: n-tv.de

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