Wirtschaft

Was bringt die EZB-Ratssitzung?: Europas Währungshüter in Lauerstellung

Die Europäische Zentralbank (EZB) flutet die Märkte mit billigem Geld - doch an der Mini-Inflation hat sich bislang nichts geändert. Legen die Währungshüter um Mario Draghi nochmal nach?

Die Frankfurter EZB-Zentrale - mit einer "Fischaugen"-Optik aufgenommen.
Die Frankfurter EZB-Zentrale - mit einer "Fischaugen"-Optik aufgenommen.(Foto: dpa)

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Startschuss für eine historische Geldflut kommt die Europäische Zentralbank (EZB) zu ihrer ersten geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr zusammen. Große Entscheidungen erwarten die meisten Ökonomen vom EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt allerdings nicht - auch wenn sich mancher Marktteilnehmer noch mehr billiges Geld von Europas Währungshütern wünscht.

Denn die Inflation dümpelt nach wie vor nur knapp über der Nullmarke - für Dezember errechnete das EU-Statistikamt Eurostat eine Jahresrate von 0,2 Prozent. Der Ölpreisrutsch spricht gegen rasch steigende Verbraucherpreise - und nährt die Hoffnung, dass die EZB nachlegt.

Die EZB sieht Preisstabilität mittelfristig bei einer jährlichen Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent als gewährleistet an. Dauerhaft niedrige Preise gelten als Gefahr für die Konjunktur. Denn Verbraucher und Firmen könnten Investitionen in Erwartung weiter sinkender Preise aufschieben.

Allerdings hatten Europas Währungshüter um EZB-Präsident Mario Draghi erst im Dezember ihren Kurs verschärft. Das umstrittene milliardenschwere Programm zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren ("Quantitative Easing"/QE), das am 22. Januar 2015 auf den Weg gebracht worden war, wurde um ein halbes Jahr verlängert. Die EZB will nun bis mindestens März 2017 monatlich 60 Milliarden Euro in die Märkte pumpen. Zudem verschärfte die EZB den Strafzins für Banken, die Geld bei der Notenbank parken, auf 0,3 Prozent.

Warnung vor noch mehr billigem Geld

Die meisten Volkswirte rechnen damit, dass sich Draghi weiterhin alle Optionen offenhalten wird, es aber vermeiden wird, eindeutige Signale zu senden. Vor der Dezember-Sitzung waren die Erwartungen derart in die Höhe geschnellt, dass viele Marktteilnehmer im Nachhinein enttäuscht reagierten. "Die EZB wird auf der anstehenden Sitzung weiter Handlungsbereitschaft demonstrieren", schreibt die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer kann sich eine weitere Lockerung der Geldpolitik im März vorstellen. Dann legt die EZB ihre neuen Prognosen für Inflation und Wachstum vor.

Kritiker warnen vor noch mehr billigem Geld. "Gelddrucken schafft kein dauerhaftes Wachstum", sagte der Wirtschaftsweise Volker Wieland am Dienstagabend in Frankfurt. Das Niedrigzinsniveau berge "Gefahren für die Finanzstabilität": "Die aufgepumpten Vermögenspreise können recht volatil auf Überraschungen reagieren." Im "Handelsblatt" bekräftigte Wieland, er sei der Meinung, schon die weitere Lockerung der Geldpolitik im Dezember sei unnötig gewesen.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zur "Inflation im Euroraum 2015" finden Sie hier.)

Quelle: n-tv.de

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