Wirtschaft
Die Sonne kämpft sich durch die Wolken.
Die Sonne kämpft sich durch die Wolken.(Foto: REUTERS)

Konjunkturhimmel reißt auf: Eurozone berappelt sich

Das Tal scheint durchschritten: In der Eurozone hellt sich die Wirtschaftsstimmung auf. Der entsprechende Indikator klettert auf den höchsten Stand seit fast eineinhalb Jahren. Deprimierend bleibt dagegen die Lage auf dem Arbeitsmarkt - inzwischen haben 5,5 Millionen junge Europäer keinen Job.

Die Wirtschaft in der Eurozone kommt langsam wieder auf die Beine. Im August besserte sich die Stimmung kräftig. Dabei steht die Stimmungsaufhellung zudem auf einem breiten Fundament und ist in allen fünf Schwergewichtsländern erkennbar. Dies untermauert die von anderen Indikatoren getriebene Hoffnung auf eine anhaltende konjunkturelle Erholung in der Eurozone. Allerdings haben die EU-Bürger davon bislang wenig. Denn die positive Entwicklung schlägt sich weiter nicht auf den Arbeitsmarkt durch.

Der von der EU-Kommission veröffentlichte Sammelindex zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung kletterte auf 95,2 Punkte und erreichte das höchste Niveau seit März 2012. Es war zugleich der vierte Anstieg in Folge. Die Stimmung stieg in 14 Euroraum-Ländern und dabei auch kräftig in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden. Sie verbesserte sich sowohl bei den Verbrauchern als auch in den Chefetagen von Industrie, Dienstleistungsgewerbe und Handel. Lediglich in der Baubranche ließ die Zuversicht nach.

Fast 27 Millionen Europäer ohne Job

Die Arbeitslosenquote in der Eurozone blieb im Juli indes auf dem Rekordniveau von 12,1 Prozent. In den 17 Euro-Ländern waren laut EU-Statistikbehörde Eurostat mehr als 19,2 Millionen Menschen ohne Job. Das sind eine Million mehr als noch vor einem Jahr - aber 15.000 weniger als im Vormonat. In der gesamten EU gab es knapp 26,7 Millionen Arbeitslose.

Am heftigsten betroffen sind weiterhin die südeuropäischen Krisenländer Griechenland und Spanien. Dort sind nach letzten verfügbaren Zahlen 27,6 Prozent beziehungsweise 26,3 Prozent der Erwerbsfähigen auf ohne Job. Beide Länder leiden zudem weiter am heftigsten unter der Jugendarbeitslosigkeit. In Griechenland haben fast zwei Drittel der unter 25-Jährigen keine Anstellung. In Spanien sind es rund 56 Prozent. Beinahe gleichauf liegt das erst im Juli der EU beigetretene Kroatien.

Deutschland gehört mit 5,3 Prozent zu den Ländern mit den geringsten Arbeitslosenquoten - sie wird jedoch anders berechnet als von der Bundesagentur für Arbeit. Nur in Österreich war im Juli die Quote mit 4,8 Prozent besser. Mit einer Jugendarbeitslosigkeitsquote von 7,7 Prozent steht Deutschland am besten da. Insgesamt haben in den 28 EU-Ländern mehr als 5,5 Millionen Menschen unter 25 Jahren keine Arbeit.

Niedrigere Energiepreise bremsen Inflation

Für Überraschung sorgte indes die Teuerungsrate: Der Preisauftrieb in der Eurozone ging im August unerwartet stark auf 1,3 Prozent zurück. "Das deckt sich mit der Erwartung der EZB, dass die Inflationsdaten in den kommenden Monaten volatil, aber niedrig sein dürften", merkt die Royal Bank of Scotland (RBS) an. Im Juli waren die Lebenshaltungskosten - gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) - auf Jahressicht noch um 1,6 Prozent gestiegen.

Vor allem niedrigere Energiepreise bremsten die Inflationsrate. So ist auch die deutsche Inflationsrate im August wegen eines Basiseffekts bei den Ölpreisen unerwartet stark gefallen. Weit überdurchschnittlich verteuerten sich Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak,.In der Kernrate - ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak - blieb die Inflation im Euroraum im August mit 1,1 Prozent konstant.

Angesichts des vergleichsweise moderaten Anstiegs  besteht vorerst auch nicht die Gefahr, dass die Inflation über die Preisstabilitätsnorm der Europäischen Zentralbank (EZB) von "unter, aber nahe zwei Prozent" steigt. Die Zahlen dürften die Zinsentscheidung der Notenbank in der kommenden Woche wohl nicht stärker beeinflussen, prognostiziert die RBS. Die Bank rechnet damit, dass die EZB die Leitzinsen unverändert lässt.

Einzelhandel lahmt auf Monatssicht

Schwächere Daten lieferte dagegen der deutsche Einzelhandel. Zwar können die Unternehmer auf Jahressicht auf einen starken Juli mit einem Umsatzplus von real 2,3 Prozent blicken, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Doch im Vergleich zum Vormonat hatten die Händler reale 1,4 Prozent weniger in der Kasse. Volkswirte hatten mit einem Anstieg gerechnet.

Allerdings warnte die Berenberg Bank vor einer Überbewertung der Entwicklung. Ökonom Christian Schulz erwartet, dass die schwachen Juli-Daten noch nach oben revidiert werden: Dank eines nach wie vor robusten Arbeitsmarktes und einer niedrigen Inflation sei damit zu rechnen, dass der private Konsum in Deutschland die konjunkturelle Entwicklung weiterhin stützen werde, schreibt Schulz.

In den ersten sieben Monaten des Jahres legte der Einzelhandelsumsatz um 0,8 Prozent zu. Der Branchenverband HDE erwartet im Gesamtjahr ein Plus von 1,0 Prozent, nachdem es in den drei Vorjahren noch jeweils einen Zuwachs von mehr als zwei Prozent gegeben hatte. Dabei zeichnen sich auch für dieses Jahr Kaufkraftgewinne ab.

Das Konsumklima hatte sich zuletzt leicht eingetrübt - zum ersten Mal in diesem Jahr. Auch die Stimmung bei den Einzelhändlern trübte sich einer Ifo-Umfrage zufolge zuletzt ein. Ein Grund dafür dürften die kräftig steigenden Lebensmittelpreise sein.  Allerdings gebe es "derzeit keinen Grund, sich um den privaten Konsum Sorgen zu machen", sagte ING-Ökonom Carsten Breszki mit Blick auf die Rekordbeschäftigung und geringe Arbeitslosigkeit. "Aber etwas mehr Vorsicht ist angebracht."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen