Wirtschaft
Die Eurozone schraubt sich langsam aus der Krise.
Die Eurozone schraubt sich langsam aus der Krise.(Foto: picture alliance / dpa)

Starke Wachstumssignale: Eurozone kommt wieder auf die Füße

Die Privatwirtschaft der Eurozone hat zum Ende des Sommerquartals spürbar zugelegt. In Deutschland werden etliche neue Jobs geschaffen. Italien und Frankreich finden zurück in die Spur. Zudem kommen ermunternde Signale aus Großbritannien und China.

Das Bild einer sich erholenden Wirtschaft in der Eurozone gewinnt zunehmend Konturen. Der kombinierte Einkaufsmanagerindex von Industrie und Dienstleistern (PMI) des gemeinsamen Währungsraums kletterte im September im Vergleich zum Vormonat um 0,7 Punkte auf 52,2 Zähler, wie der Datendienstleister markit mitteilte. Er erreichte damit ein 27-Monatshoch. Werte über 50 Punkte zeigen das Wachstum der Wirtschaft an. Die Unternehmen schafften damit im September das größte Auftragsplus seit Juni 2011.

Der PMI hat seit März kontinuierlich zugelegt und hat sich das gesamte dritte Quartal oberhalb der 50-Punkte-Grenze gehalten. "Das Wachstum im September rundete nun das stärkste Quartalergebnis der Eurozone seit dem zweiten Quartal 2011 ab", fasste markit die Lage zusammen. Hauptgrund für die schneller laufende Konjunktur sind die gestiegenen Auftragseingänge, die für die kommenden Monate eine höhere Auslastung versprechen.

Deutschland erneut an der Spitze

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Bei den Kernländern der Eurozone erreichte Deutschland das größte Wachstum. Die Dienstleister haben im September so viele neue Jobs geschaffen wie seit Mai 2012 nicht mehr. Die Aufträge der Unternehmen stiegen den dritten Monat in Folge und so stark wie seit Januar nicht mehr. Dies lasse auf ein gutes viertes Quartal hoffen, sagte markit-Ökonom Tim Moore. "Eine zunehmende Kostenbelastung führte zwar zusammen mit stagnierenden Angebotspreisen zu einem erhöhten Druck auf die Gewinnmargen." Dies habe die Dienstleister aber nicht davon abgehalten, ihr Personal unterm Strich aufzustocken.

Italien erzielte ein kräftiges Plus, so dass der kombinierte PMI auf dem höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren steht. Auch die französische Wirtschaft liegt auf Erholungskurs und konnte gegenüber August noch einmal eine Schippe drauflegen. Schlusslicht des Vierer-Gespanns ist Spanien, das im September unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern blieb. Die bescheidenen Zuwächse der spanischen Industrie vermochten die Einbußen der Dienstleister nicht auszugleichen.

Der von markit separat berechnete Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor des Euroraums stieg auf 52,2 Punkte und erreichte im September ebenfalls ein 27-Monatshoch. "Da sich der Aufschwung im September noch beschleunigt hat, befindet sich die Eurozone in einer guten Ausgangslage für das letzte Quartal", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

"Noch ermutigender sind die guten Zahlen für Irland und Italien, die auf eine positive Konjunkturentwicklung in beiden Ländern hinweisen", sagte Williamson. Er rechnet mit einem moderaten Wachstum im Euroraum von 0,2 Prozent im abgelaufenen Sommerquartal und warnt: "Die Eurozone ist noch längst nicht über den Berg." Bis zum Frühjahr war die Wirtschaft im Währungsgebiet eineinhalb Jahre lang geschrumpft.

Großbritannien startet durch

Derweil hat der britische Service-Sektor im September das beste Quartal seit 1997 solide abgerundet. Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister erreichte 60,3 Punkte und blieb damit nur 0,2 Zähler unter dem Spitzenwert der vergangenen Jahre. Im August war das Konjunkturbarometer mit 60,5 Zählern so hoch gestiegen wie seit fast sieben Jahren nicht mehr. Die Dienstleistungsbranche ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Großbritannien.

Die Unternehmen haben auch im September viele Neuaufträge an Land ziehen können, was gleichzeitig das Geschäftsklima sehr rosig aussehen lässt. Wegen der guten Aussichten wollen die Firmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. "Die starken Daten folgen auf ebenfalls positive Umfragen in der Industrie und der Baubranche. Das legt nahe, dass die Wirtschaft im dritten Quartal um 1,2 Prozent gewachsen sein müsste", sagte markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Das wäre das stärkste Wachstum seit 2007.

Einzelhandel legt zu

Positive Signal kommen zudem vom Einzelhandel. Die Branche steigerte in der Eurozone im August ihre Einnahmen auf Monatssicht preisbereinigt um 0,7 Prozent. Analysten hatten lediglich mit einem Zuwachs 0,2 Prozent gerechnet. Auch der Juli lief besser als ursprünglich gemeldet: Statt um nur 0,1 Prozent waren die Erlöse tatsächlich um ein halbes Prozent geklettert.

Auf Jahressicht ist das Bild dagegen weniger positiv. Im Vergleich zum August 2012 gingen die Einnahmen der Händler um 0,3 Prozent zurück. Allerdings hatten Volkswirte sogar mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet.

In der gesamten EU der 28 Mitgliedsländer stiegen die Umsätze im August auf Monatssicht um 0,4 Prozent, während sie im Jahresvergleich um 0,3 Prozent zulegten.

Positive Signale aus China

Das freundliche Bild wird zudem um chinesische Konjunkturdaten erweitert. Die dortige Dienstleistungsbranche ist im September so stark wie seit sechs Monaten nicht mehr. Der amtliche Einkaufsmanagerindex stieg auf Monatssicht von 53,9 auf 55,4 Punkte wie die Statistikbehörde am Donnerstag mitteilte. Das war der höchste Stand seit März.

Der Subindex für den Auftragseingang kletterte im September von 50,9 auf 53,4 Punkte im Vormonat. Der Index für die Geschäftserwartungen fiel jedoch von 62,9 auf 60,1 Punkte.

Der am Dienstag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe hatte mit einem Anstieg auf 51,1 von 51,0 die Erwartungen der Volkswirte leicht enttäuscht, die mit 51,6 gerechnet hatten.

Der Einkaufsmanagerindex ist ein viel beachtetes Konjunkturbarometer für die gesamtwirtschaftliche Lage. Für den Index werden Manager, die für ihre Unternehmen im Einkauf tätig sind, zur aktuellen Geschäftslage ihrer Betriebe befragt. Dabei werden wichtige Kenngrößen wie Auftragslage, Produktion, Exportaufträge, Beschäftigung und Einkaufspreise erhoben.

Quelle: n-tv.de

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