Wirtschaft
Der schwache Einkaufsmanagerindex dürfte den Druck auf Spanien, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen, erhöhen.
Der schwache Einkaufsmanagerindex dürfte den Druck auf Spanien, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen, erhöhen.(Foto: picture alliance / dpa)

Signale deuten auf Rezession: Eurozone schrumpft weiter

Die Stimmung in den europäischen Unternehmen trübt sich weiter ein. Die "Lokomotiven Europas" Frankreich und Deutschland laufen immer schlechter. Die spanischen Daten brechen regelrecht ein. Finanzmarktteilnehmer können ihnen trotzdem was Positives abgewinnen.

Trotz der Stabilisierung in Deutschland verliert die Privatwirtschaft in der Eurozone weiter an Fahrt. Eine Umfrage unter 5000 Industriebetrieben und Dienstleistern signalisierte, dass die Unternehmen unter sinkenden Aufträgen leiden und ihr Personal kappten.

Der Markit-Einkaufsmanagerindex sank im September um 0,2 auf 46,1 Punkte. Damit fiel er auf den tiefsten Stand seit rund drei Jahren. Das Barometer entfernt sich damit immer weiter von der 50-Zähler-Marke, ab der es Wachstum anzeigt. "Nach dem Minus von 0,2 Prozent im Vorquartal scheint ein noch stärkerer Wachstumsrückgang im dritten Quartal 2012 unausweichlich, womit die Euro-Zone wieder in der Rezession stecken dürfte", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Wegen Sparprogrammen und zunehmender Überkapazitäten seien auch die Aussichten düster. Es gebe zwar Anzeichen für eine Stabilisierung in Deutschland, wo die Barometer für Industrie und Dienstleister jeweils stiegen. "Doch machen die beschleunigte Talfahrt in Frankreich und Spanien und die anhaltende Krise in Italien jegliche Hoffnung darauf zunichte, dass der Tiefpunkt bereits hinter uns liegen könnte", sagte Williamson. Es sei recht unwahrscheinlich, dass die Euro-Wirtschaft im vierten Quartal 2012 wieder ein Wachstum schaffe.

Sorgenkinder Frankreich und Spanien

Im Service-Sektor ging es auch im September in der gesamten Eurozone bergab. Der Index für die Dienstleister fiel um 1,1 auf 46,1 Punkte. In Deutschland lag der Dienstleistungsindex erneut unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten. Immerhin konnte das Barometer im Vergleich zum Vormonat aber zulegen. In Frankreich blieb der Indikator sogar hinter der ohnehin schon stark enttäuschenden Erstschätzung zurück und fiel bis auf 45,0 Punkte. Im Vormonat hatte der Wert noch bei 49,2 Zählern gelegen. "Das zeigt, dass die Lokomotiven Europas auch nicht mehr laufen", sagte ein Händler.

Während Deutschland und Frankreich schwer pumpen, driften die großen Krisenländern Italien und Spanien in ihren Entwicklungen auseinander. Spanien befindet sich zunehmend auf dem absteigenden Ast. Der Index blieb unter den Erwartungen und fiel weiter zurück. Gleichzeitig lieferten die Daten aus Italien allerdings eine positive Überraschung. In Italien ging es trotz erneut hoher Einbußen weniger stark bergab als in den fünf Vormonaten.

In beiden Staaten signalisiert der Indikator aber weiter eine deutliche Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität im Dienstleistungssektor. Der Aktienmarkt und der Euro reagierten zumindest auf den Einbruch des spanischen Index jedoch positiv. Die Daten verstärkten den Druck auf die spanische Regierung, unter den Rettungschirm zu gehen, hieß es.

Quelle: n-tv.de

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