Wirtschaft

Die Großen bereiten Sorgen: Eurozonen-Wirtschaft wächst nicht

Die drei größten Volkswirtschaften in der Währungsunion sorgen im zweiten Quartal für eine Stagnation des Wirtschaftswachstums der Eurozone. Lichtblicke sind von der Schuldenkrise gebeutelte Länder wie Spanien und Portugal.

Die ökonomischen Risiken für die Konjunktur in der Währungsunion sind groß.
Die ökonomischen Risiken für die Konjunktur in der Währungsunion sind groß.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Wirtschaft in der Eurozone hat im Frühjahr überraschend nur stagniert. Vor allem eine Flaute in den drei größten Volkswirtschaften sorgte dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum zwischen April und Juni auf dem Niveau des Vorquartals verharrte, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet.

In Deutschland schrumpfte die Wirtschaft überraschend um 0,2 Prozent und damit so stark wie seit gut einem Jahr nicht mehr. In Frankreich gab es nur eine Stagnation. Und Italien rutschte mit einem Minus von 0,2 Prozent zurück in die Rezession.

Anfang des Jahres hatten die 18 Länder der Währungsunion noch um 0,2 Prozent zugelegt. Danach machte sich allerdings Unsicherheit über die Folgen der Ukraine-Krise breit und der gesamte Aufschwung fiel schwächer aus als erwartet.

Für Lichtblicke sorgten nun Spanien und Portugal mit einem Wachstum von jeweils 0,6 Prozent sowie die Niederlande mit plus 0,5 Prozent. In Österreich ging es um 0,2 Prozent bergauf.

Auch Griechenland steuert nach sechs Jahren auf ein Ende der Rezession zu. Im Frühjahr schrumpfte die Wirtschaft nur noch um 0,2 Prozent zum Vorjahresquartal und damit so wenig wie seit 2008 nicht mehr. In Zypern, das wie Griechenland vom Euro-Rettungsschirm profitiert, fiel das Bruttoinlandsprodukt zum Vorquartal um 0,3 Prozent.

Nach den überwiegend schwachen Daten dürfte es darauf hinauslaufen, dass die Konjunktur im Euroraum in diesem Jahr weniger stark anzieht als erhofft. Die EU-Kommission hatte Anfang Mai für das Gesamtjahr noch ein Plus von 1,2 Prozent veranschlagt.

Banger Blick in Richtung Russland und Ukraine

Nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Risiken für die Konjunktur im Euroraum weiterhin immens. "Insbesondere erhöhte geopolitische Risiken sowie die Entwicklung in den Schwellenländern und an den globalen Finanzmärkten könnten die Konjunkturlage negativ beeinflussen", schreiben die Währungshüter in ihrem Monatsbericht. Denkbar seien Auswirkungen auf die Energiepreise und die weltweite Nachfrage nach Erzeugnissen aus den 18 Euroländern.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte vor einer Woche in Frankfurt gesagt, nach seiner Einschätzung werde "insbesondere die Lage in der Ukraine und Russland ... größere Auswirkungen auf die Eurozone haben". Was genau die Sanktionen gegen Russland und die Gegenmaßnahmen der russischen Seite für die Wirtschaft des Währungsraums nach sich ziehen werden, sei allerdings noch schwer abschätzbar. "Zu den weiteren Abwärtsrisiken zählen unzureichende Strukturreformen in den Ländern des Euroraums und eine schwächer als erwartet ausfallende binnenwirtschaftliche Nachfrage", bekräftigte die EZB.

Billiges EZB-Geld hilft

Insgesamt geht die Notenbank jedoch davon aus, dass "die Erholung der Wirtschaft des Euro-Währungsgebiets weiter moderat und uneinheitlich verlaufen wird". Die Exportnachfrage dürfte "von der anhaltenden globalen Erholung profitieren", heißt es im Monatsbericht. Zudem erwarten die Währungshüter, dass die Binnennachfrage unter anderem durch das viele billige Zentralbankgeld begünstigt wird. Der Leitzins liegt auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent.

Zudem können sich Banken ab September neue Langfristkredite bei der EZB borgen. Die Notenbank will durch diese Maßnahmen die Kreditvergabe ankurbeln, das würde der Konjunktur auf die Sprünge helfen. Allerdings sei die Arbeitslosigkeit im Euroraum nach wie vor hoch, stellt die EZB fest.

Quelle: n-tv.de

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