Wirtschaft
Evonik: Die meisten kennen den Konzern von der Brust des Double-Gewinners Borussia Dortmund.
Evonik: Die meisten kennen den Konzern von der Brust des Double-Gewinners Borussia Dortmund.(Foto: picture alliance / dpa)

BVB-Sponsor frischt Börsenpläne auf: Evonik-IPO im April?

Nach drei gescheiterten Anläufen wagt sich Evonik nun doch an die Börse. Die Eigentümer RAG-Stiftung und der Finanzinvestor CVC Capital Partners haben bereits einen Teil ihrer Aktien an ausgewählte institutionelle Investoren abgegeben. Ein Grund dafür liegt in dem spürbar verbesserten Börsenumfeld. Der Preis ist aber unklar. Privatinvestoren müssen sich zudem noch gedulden.

Nach mehreren Rückschlägen wagt der Spezialchemiekonzern Evonik einen neuen Anlauf an die Börse. Der Konzern habe die Vorbereitungen für eine geplante Notierungsaufnahme an der Frankfurter Börse wieder aufgenommen, teilten Evonik und die Eigner des Konzerns mit. Von einem Teil ihrer Evonik-Aktien hätten sich die Eigentümer, die RAG-Stiftung und der Finanzinvestor CVC, bereits getrennt. Die Anteile seien vorab an institutionelle Investoren abgegeben worden, hieß es weiter. Diese Erweiterung des Eigentümerkreises stelle den ersten Schritt für die angestrebte Börsennotierung dar. Der neue Chef der RAG-Stiftung, Werner Müller, betonte, die Tür für die geplante Börsennotierung des Unternehmens sei nun "ein weiteres Stück geöffnet".

Bereits in zwei Monaten könnten die Evonik-Aktien auf dem Kurszettel erscheinen: "Wir streben dieses Listing für Ende April an", hieß es in einem Brief des Vorstands der RAG-Stiftung, der Reuters vorliegt. Der "angestrebte sogenannte Freefloat von ca. zehn Prozent der Aktien" werde "mit hoher Wahrscheinlichkeit" erreicht werden, schrieb der Vorstand weiter an die Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung. "Weitere Investoren haben ihr Interesse am Erwerb von Evonik-Aktien bekundet", bilanzierte der Vorstand.

Seit zwei Wochen

Die kleine Frankfurter Investmentbank MainFirst verkaufe sieben Prozent der Evonik-Anteile an mehr als zehn Anleger, je die Hälfte der Anteilsscheine stellten die Stiftung und CVC zur Verfügung, hatte Reuters aus Finanz- und Eignerkreisen erfahren.

Der Prozess habe vor zwei Wochen begonnen, etwa die Hälfte der sieben Prozent sei schon verkauft. Für knapp vier Prozent der Anteile seien rund 550 Millionen Euro gezahlt worden, hieß es an anderer Stelle weiter. Im April müssten dann nur noch drei Prozent der Aktien an den Mann gebracht werden. Die Deutsche Bank hat einem der Insider zufolge gute Chancen, diesen Teil des Börsengangs zu organisieren.

Neues Jahr, neuer Versuch

Im Sommer 2012 waren die Börsenpläne Evoniks auf die lange Bank geschoben worden, weil potenzielle Anleger nicht bereit waren, Preise nach den Vorstellungen der Stiftung zu zahlen. Damals war Evonik mit rund 12 Mrd. Euro bewertet worden. Nun liegt die Bewertung höher: Dem aktuellen Plan liege ein Firmenwert von mindestens 14 Mrd. Euro zu Grunde, so dass die mit knapp 75 Prozent beteiligte RAG-Stiftung und der Finanzinvestor CVC mit einem Erlös von rund 1,4 Mrd. Euro rechnen könnten, hieß es im Umfeld der Stiftung.

Unter dem Dach der Stiftung ist der deutsche Steinkohlebergbau gebündelt. 2018 sollen die öffentlichen Hilfen für den Steinkohlebergbau auslaufen - die Stiftung soll dann für die Folgekosten gerade stehen. Diese soll sie mit Hilfe von Evonik bestreiten - erste Milliarden hatte sie bereits mit dem Verkauf von Evonik-Anteilen an CVC eingesammelt. Entworfen hatte dieses Modell der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, der seit vergangenem Dezember an der Spitze der Stiftung steht. Müller nimmt mit dem Börsengang nun ein Projekt in Angriff, mit dem sein Vorgänger an der Spitze der Stiftung, Wilhelm Bonse-Geuking, gescheitert war.

Eis ist gebrochen

Das Eis für Börsengänge in Deutschland ist nun gebrochen - auch die Deutsche Annington will Finanzkreisen zufolge noch vor der Sommerpause den Sprung auf das Parkett wagen.

Rheinmetall zeigt dagegen keine Ambitionen, seine bereits zu den Akten gelegten Sparten-Börsenpläne wieder hervorzuholen. "Es gilt nach wie vor, was wir im September gesagt haben, für einen überschaubaren Zeitraum sehen wir keine Voraussetzungen für einen Börsengang der Autosparte", sagte ein Konzernsprecher. Der Düsseldorfer Konzern hatte im Herbst wegen "hoher wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten" in der Eurozone seine Börsenpläne ad acta gelegt. Ursprünglich sollten 50 Prozent des Autozulieferers Kolbenschmidt-Pierburg (KSPG) an die Börse gebracht und damit etwa 0,5 Mrd. Euro eingenommen werden.

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Quelle: n-tv.de

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