Wirtschaft
Wegen Schmiergeldzahlungen zieht sich Evonik aus einem Joint Venture in China zurück.
Wegen Schmiergeldzahlungen zieht sich Evonik aus einem Joint Venture in China zurück.(Foto: picture alliance / dpa)

Schmiergeld, Schlägereien, Bilanzmanipulation: Evonik kippt China-Engagement

Bei einem Börsengang in diesem Jahr würde der Chemiekonzern Evonik wahrscheinlich aus dem Stand in den Dax aufsteigen. Doch ein Korruptionsfall belastet den möglichen Börsengang: Wegen Schmiergeldverdacht will sich Evonik schnellstmöglich aus einem China-Geschäft zurückziehen – dort haben interne Ermittler einen "Saustall" vorgefunden, sagt der Evonik-Chef.

Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik trennt sich wegen dubioser Zahlungsvorgänge von einem Gemeinschaftsunternehmen in China. "Wir wollen das Joint Venture so schnell wie möglich beenden", sagte eine Unternehmenssprecherin und bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatt". Evonik habe sich bereits "sehr kurzfristig" von verantwortlichen Mitarbeitern des Joint Ventures getrennt, sagte sie. Zum Schaden machte die Sprecherin keine Angaben.

Laut der Zeitung, die sich auf einen internen Revisionsbericht beruft, soll er bei rund 25 Mio. Euro liegen. In dem Papier ist laut Handelsblatt von "Bilanzmanipulation", von "Betrug" und "unerklärlichen Zahlungen" die Rede. "Wir haben einen Saustall entdeckt, den wir nun so schnell wie möglich ausmisten", sagte Evonik-Chef Klaus Engel dem Handelsblatt.

Geschäftspartner lässt Evonik-Mann verprügeln

Evonik hatte das Gemeinschaftsunternehmen Evonik Sanzheng Fine Chemicals Company Ltd in Nordchina 2005 mit einem chinesischen Geschäftsmann gegründet. Es stellt laut Evonik Chemikalien für die Produktion von Pestiziden her. Die Investition betrug laut "Handelsblatt" 27 Mio. Euro. 2009 seien die Geschäftszahlen des Joint Ventures plötzlich eingebrochen. Die interne Revision von Evonik habe "grobe Unregelmäßigkeiten festgestellt", sagte die Sprecherin. In dem Revisionsbericht war laut der Zeitung die Rede von "seltsamen Zahlungen", für die es keine Erklärung gab.

Der chinesische Geschäftspartner habe gleichzeitig noch Anteile an einem Konkurrenzunternehmen gehalten, Mitarbeiter aus dem Joint Venture abgezogen und für seine anderen Firmen arbeiten lassen, schreibt das Handelsblatt. "Wir sind mit krimineller Energie hinters Licht geführt worden", sagt Evonik.

Der Streit mit dem chinesischen Geschäftspartner eskalierte, als Evonik einen neuen Vertreter nach China schickte. Kurz nach seiner Ankunft konnte er sich laut Handelsblatt nur noch mit Leibwächtern bewegen, weil er vor dem Werksgelände zusammengeschlagen geworden war - laut dem Revisionsbericht im Auftrag des chinesischen Geschäftspartners.

Zum endgültigen Bruch mit dem chinesischen Miteigentümer ist es laut Handelsblatt gekommen, als der chinesische Partner versucht habe, eine Schmiergeldzahlung von 850.000 Euro an chinesische Behörden von Evonik erstattet zu bekommen. Evonik habe dies abgelehnt. Der Essener Chemiekonzern hält 65 Prozent an dem Joint Venture.

Quelle: n-tv.de

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