Wirtschaft
Der Wind bläst Evonik ins Gesicht: Maue Preise und die noch nicht brummende Konjunktur bremsen das Unternehmen.
Der Wind bläst Evonik ins Gesicht: Maue Preise und die noch nicht brummende Konjunktur bremsen das Unternehmen.(Foto: REUTERS)

Überangebot drückt Preise: Evonik lässt Vorsicht walten

Eine nur langsam anziehende Konjunktur sowie sinkende Verkaufserlöse plagen den Spezialchemiekonzern Evonik. Zumindest beim Absatz soll es aufwärts gehen. Derweil profitieren Aktionäre von Sondereinnahmen - und sollen auch künftig nicht darben.

Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik übt sich nach einem schwachen Schlussquartal in Vorsicht. Dem Unternehmen machen nach wie vor die flaue Konjunktur und sinkende Preise in seinen Kerngeschäften zu schaffen. Die Absatzmengen legten aber dennoch zu. "Wir haben bei einigen Produkten wegen eines Überangebots im Vorjahr mit erheblichen Preisrückgängen zu kämpfen gehabt", sagte Evonik-Chef Klaus Engel.

Dies gelte etwa für das Aminosäurengeschäft und die Futtermitteladditive. Zur Jahreswende hätten sich die Preise etwas stabilisiert und zum Teil sogar leicht erholt, sagte er weiter. Er erwarte aber, dass diese Erholung auch in den kommenden Monaten anhalte. Dennoch rechnet Evonik bei einigen größeren Geschäften 2014 mit Verkaufspreisen unter dem Vorjahr.

Im letzten Jahresviertel stagnierten die Erlöse des Herstellers von Produkten für die Kunststoffindustrie und Wirkstoffen für Tiernahrung nahezu bei 3,14 Milliarden Euro. Deutlich kräftiger brach das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) ein - es büßte mit 386 Millionen Euro 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Der Gewinn nach Minderheiten sackte von 277 Millionen auf 103 Millionen Euro. Der Ergebnis-Rückgang fiel aber geringer aus als vom Markt erwartet.

Für 2013 schüttet Evonik zudem eine Dividende von einem Euro je Aktie aus - mehr als Analysten prognostiziert hatten. Die Dividendenkontinuität bleibe auch zukünftig ein wichtiges Ziel von Evonik, sagte Engel.

Absatz soll steigen - Preis weiter unter Druck

Für das laufende Jahr wagte Vorstandschef Klaus Engel nur eine vorsichtige Prognose. Dabei stellte er einen leicht höheren Umsatz in Aussicht, zu dem vor allem steigende Absatzmengen beitragen sollen. Bei den Verkaufspreisen geht Evonik weiter von Preisdruck aus. Das Ebitda wird 2014 in einer Bandbereite von 1,8 Milliarden bis 2,1 Milliarden Euro gesehen, nach 2 Milliarden Euro im Vorjahr.

Die im Halbjahr reduzierten Jahresziele konnte der Konzern ergebnisseitig noch erfüllen, beim Umsatz wurde das in Aussicht gestellte Niveau des Vorjahres aber verfehlt. Die Erlöse lagen mit 12,9 Milliarden Euro um vier Prozent unter Vorjahr. Das Ebitda belief sich auf zwei Milliarden Euro und damit auf gut ein Fünftel weniger als im Vorjahr.

Verkauf bläht Überschuss

Dagegen legte das Konzernergebnis deutlich zu, unter anderem wegen des Verkauf der Immobiliensparte Vivawest. Der Überschuss stieg von 1,17 Milliarden auf 2,05 Milliarden Euro. Die Veräußerung von Anteilen an die RAG-Stiftung und die RAG AG bescherte Evonik einen Buchgewinn von 1,5 Milliarden Euro.

Angesichts der angespannt Ertragslage geht die Konzernführung mit dem Rotstift durch das Unternehmen. Das 2012 aufgelegte Sparprogramm "On Track 2.0" soll bis 2016 die Kosten rund 500 Millionen Euro einbringen. Mittlerweile seien Maßnahmen mit einem jährlichen Einsparpotenzial von mehr als 280 Millionen Euro in der Umsetzungsphase, hieß es.

Zudem soll die Verwaltung verschlankt und effizienter aufgestellt werden. Da sich der einstige Mischkonzern mittlerweile nur noch auf die Spezialchemie konzentriert ist der Verwaltungsapparat jetzt in seiner Größe nicht mehr angemessen. Bis Ende 2016 soll dies zu Einsparungen in der Verwaltung von bis zu 250 Millionen Euro jährlich führen. Das wird auch viele Arbeitsplätze kosten. In den kommenden Jahren rechnet Engel mit dem Wegfall von rund 1.000 Stellen in den konzernweiten Verwaltungen.

Mittelfristziele bekräftigt

Zugleich bekräftigte Engel die Mittelfristziele. Demnach soll bis 2018 der Umsatz auf rund 18 Milliarden Euro steigen und das Ebitda bei mehr als 3 Milliarden Euro liegen. Mögliche Zukäufe sind in die Prognose nicht eingerechnet - sie schloss Engel nicht aus. "Wir beobachten seit geraumer Zeit den Markt", sagte er. Das Unternehmen könne sich kleinere aber auch größere Dinge vorstellen.

Die Basis für das organische Wachstum hat sich Evonik mit seinem gut Sechs-Milliarden-Euro teuren Investitionsprogramm geschaffen. Der Fokus liegt dabei auf den Wachstumsmärkten etwa in Asien und Südamerika. Auch in Europa, insbesondere im Heimatmarkt Deutschland will Evonik seine führenden Marktpositionen ausbauen.

Größtes Einzelprojekt ist eine Großanlage mit einer Jahreskapazität von 150.000 Tonnen zur Produktion von Aminosäuren für die Futtermittelherstellung in Singapur. Im chinesischen Schanghai hat Evonik eine Anlage zur Produktion von Inhaltsstoffen für Kosmetik und Haushaltskonsumgüter eingeweiht. In Saudi-Arabien hat eine neue Anlage zur Produktion von Superabsorbern den Betrieb aufgenommen, einem wichtigen Ausgangsmaterial etwa für Babywindeln.

Zum angelaufenen Verkaufsprozess für das Lithium-Ionen-Geschäft, das Evonik mit Daimler betreibt, wollte sich Engel nicht näher äußern. Das Unternehmen sei zuversichtlich, die Transaktion abschließen zu können.

An der Börse werden die Zahlen positiv aufgenommen. Diese "lesen sich durch die Bank gut", sagte ein Händler. Die Dividendenrendite belaufe sich beim aktuellen Kurse auf 3,5 Prozent. Nachdem die Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt zuletzt schwächer notierte, rechnet der Händler allerdings nicht damit, dass die Zahlen den Befreiungsschlag für die Aktie liefern. An der Börse wird vielmehr davon ausgegangen, dass sich einer der Großaktionäre bei einem höheren Aktienkurs von einem Teil seiner Beteiligung trennen könnte. Dies behindere die Aktie momentan auf dem Weg nach oben. Am Mittag tritt das Papier auf der Stelle.

Quelle: n-tv.de

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