Wirtschaft
Otmar Issing befürchtet die "Bankrotterklärung der Geldpolitik".
Otmar Issing befürchtet die "Bankrotterklärung der Geldpolitik".(Foto: dpa)

"Geradezu verheerend": Ex-EZB-Chefvolkswirt lehnt Helikoptergeld ab

Otmar Issing ist bekannt für seine klaren Worte. Der ehemalige EZB-Spitzenbanker hält von direkten EZB-Finanzspritzen an Unternehmen und Verbraucher gar nichts. Er hält die Debatte für eine "totale Geistesverwirrung".

Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, warnt vor Geldgeschenken der Notenbank in Form von "Helikoptergeld". "Die ganze Idee des helicopter money halte ich für besorgniserregend, für geradezu verheerend. Denn das ist ja nichts anderes als eine Bankrotterklärung der Geldpolitik", sagte Issing. "Eine Notenbank, die Geld verschenkt, wird kaum mehr die Kontrolle über die Notenpresse wiedererlangen können."

Mit "Helikoptergeld" sind zielgenaue Finanzspritzen an Unternehmen und Verbraucher direkt von der Zentralbank unter Umgehung des normalen Bankensektors gemeint. EZB-Präsident Mario Draghi hatte diese Idee auf Nachfrage als "sehr interessantes Konzept" bezeichnet.

Der Rat der Notenbank habe solche Ideen allerdings bisher nicht genauer erörtert. "In der Wissenschaft kann man sich alles Mögliche überlegen, da gibt es kein Tabu. Aber diese Debatte hat ja den öffentlichen Raum erreicht. Ich halte das für eine totale Geistesverwirrung", kritisierte Issing. "Technisch gibt es keine Grenze für die Munition, inhaltlich stellt sich schon die Frage, was man mit immer expansiveren Mitteln der Geldpolitik erreichen will. Meine Besorgnis kann ich nicht verhehlen", so Issing, der beim Aufbau der EZB eine wesentliche Rolle gespielt hatte.

"Was ich vor allem beklage ist, dass die wirtschaftliche Lage in der Welt in ein Chaos hineingeredet wird, von dem keine Rede sein kann", betonte der Wirtschaftsprofessor.

Quelle: n-tv.de

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