Wirtschaft
Für mehr als zwei Dutzend Karstadt-Häuser sieht es offenbar nicht gut aus.
Für mehr als zwei Dutzend Karstadt-Häuser sieht es offenbar nicht gut aus.(Foto: picture alliance / dpa)

"Es kommt vieles zusammen": Experte: 29 Karstadt-Filialen auf der Kippe

Online-Konkurrenz, schlechte Lage, geringe Kaufkraft: Handelsexperte Hessert sieht für etliche Filialen des schwer angeschlagenen kaufhaus-Konzerns schwarz. Heftigen Widerstand kündigt derweil der Betriebsrat an.

Insgesamt 29 der bundesweit 83 Filialen des Essener Warenhaus-Konzerns Karstadt haben nach einem "Focus"-Bericht keine langfristig tragfähige Marktposition. Wie das Magazin unter Berufung auf eine Studie des Warenhausexperten Gerd Hessert berichtet, reicht die Liste der bedrohten Häuser von Neumünster und Bremerhaven im Norden über Fulda und Mainz in der Mitte bis München sowie Lörrach im Süden.

"An diesen Standorten kommt vieles zusammen: die generelle Konkurrenz durch Online-Anbieter, die sinkende Attraktivität des Warenhauses als Einkaufsstätte, aber auch eine geringe Wirtschaftskraft der Umgebung", sagte Hessert, der Lehrbeauftragter für Handelsmanagement an der Uni Leipzig ist. Er war früher selbst im Management des Essener Konzerns. Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte zuletzte gesagt, das Unternehmen mache sich Sorgen um die Profitabilität "von mehr als 20 Häusern".

Karstadt verfügt derzeit noch über 83 Warenhäuser. Die 28 Sporthäuser sowie die drei Premiumhäuser Kadewe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München wurden im vergangenen Jahr an eine Investorengruppe um den österreichischen Immobilienentwickler René Benko verkauft.

Arbeitnehmer begehren auf

Karstadt-Gesamtbetriebschef Helmut Patzelt sagte der "Bild am Sonntag": "Wir lassen uns nicht einfach von unserer Geschäftsleitung eine Liste von Häusern vorlegen, die eventuell geschlossen werden sollen." Der Betriebsrat habe die Unternehmensleitung aufgefordert, unverzüglich die Sanierungspläne auf den Tisch zu legen. Die Mitarbeiter würden nicht verstehen, warum sich der Eigentümer Nicolas Berggruen bis heute nicht zur aktuellen Lage seines Unternehmens äußere.

Kritik kam auch von die Gewerkschaft Verdi. Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte der "Bild am Sonntag": "Der Eigentümer eines Unternehmens hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Dazu gehört im Interesse der Beschäftigten ein Zukunftskonzept, das Arbeitsplätze und Standorte nachhaltig sichert." Berggruen müsse endlich auch mit Investitionen Verantwortung übernehmen, forderte die Gewerkschafterin.

Quelle: n-tv.de

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