Wirtschaft
Cairo Stock Exchange: Eines der wichtigsten Wirtschaftszentren in der europäischen Peripherie.
Cairo Stock Exchange: Eines der wichtigsten Wirtschaftszentren in der europäischen Peripherie.(Foto: REUTERS)

Neue Schwachstellen der Weltwirtschaft: Experten kappen Russland-Prognose

Im Süden und Osten der Eurozone ziehen dunkle Konjunkturwolken auf: Ökonomen der europäischen Wiederaufbaubank schrauben ihren Ausblick für eine ganze Reihe von Staaten zurück. Betroffen sind neben Russland nicht nur Slowenien und Tunesien, sondern auch Ägypten und die Türkei.

Abgeschwächtes Wachstum: Selbst für Istanbul schraubt die EBRD ihre Prognose zurück.
Abgeschwächtes Wachstum: Selbst für Istanbul schraubt die EBRD ihre Prognose zurück.(Foto: REUTERS)

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (European Bank for Reconstruction and Development, EBRD) hat ihre Wachstumsprognosen für die Schwellenländer Europas und Nordafrikas gesenkt. Die EBRD-Analysten rechnen nun nur noch mit einem Gesamtplus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,2 Prozent. Im vergangenen Jahr kamen die Länder dieser Region noch auf ein gemeinsames Wachstum von 2,6 Prozent.

Die Prognose bezieht sich auf einen Wirtschaftsraum, der von Mitteleuropa über den Balkan bis Zentralasien verläuft und auch die südlichen und östlichen Mittelmeeranrainer umfasst. Im Januar hatte die EBRD für 2013 in dieser Region noch einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 3,1 Prozent erwartet.

Die Finanzkraft der EBRD-Entwicklungsbank speist sich aus den Einlagen von 65 Staaten und europäischen Institutionen. Zum Kreis der Anteilseigner gehören neben den USA und Russland auch Deutschland, Frankreich und die Europäische Union.

Die Korrektur ihrer Wachstumsprognose begründet die EBRD vor allem mit dem Einbruch der russischen Wirtschaft. Demnach wächst die Konjunktur in dem flächenmäßig größten Land der Welt 2013 nur um 1,8 Prozent, nach 3,4 Prozent im Vorjahr. Im Januar hatte die EBRD fürs laufende Jahr noch 3,5 Prozent in Aussicht gestellt. Auch für Polen und die Türkei ist die Bank weniger optimistisch als noch Anfang des Jahres.

Slowenien im Blick

Ausdrückliches Lob gibt es dagegen für die wirtschaftlichen Perspektiven Sloweniens: Das Land bewege sich in die richtige Richtung, sagte EBRD-Chefökonom Erik Berglof. Slowenien versucht derzeit, ohne Hilfe des Rettungsschirms ESM sein Bankensystem zu reformieren und den Haushalt zu sanieren.

Mit Unterstützung seitens der Wirtschaft kann die Regierung in Ljubljana allerdings kaum rechnen. Die EBRD prognostiziert, dass die slowenische Wirtschaft um 2,5 Prozent schrumpft. Auch für Ungarn und Kroatien rechnet die Bank damit, dass sie zunächst nicht aus der Rezession herausfinden.

Neue Betätigungsfelder

Die EBRD wurde 1991 gegründet, um die früheren kommunistischen Länder in Mittel- und Osteuropa beim Übergang in die Marktwirtschaft zu unterstützen. Mittlerweile ist die EBRD auch in Asien und seit kurzem auch in Nordafrika und dem Nahen Osten tätig.

Für Ägypten, Libyen und Tunesien rechnet die EBRD nun für dieses Jahr mit einem BIP-Plus von 3,0 Prozent und damit einen Prozentpunkt weniger als noch im Januar. Allerdings liegt eine solche Wachstumsrate deutlich über dem Wirtschaftswachstum, das Konjunkturexperten für Spanien, Italien, Frankreich oder sogar Deutschland vorhersagen.

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Quelle: n-tv.de

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