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"Es bleiben Baustellen": Exporteure rechnen 2015 mit Rekord

Es kriselt in der Welt - dennoch blicken sowohl die deutschen Exporteure als auch der Einzelhandel vorsichtig optimistisch auf das kommende Jahr. Seitens des BGA kommen aber auch deutliche Warnungen: Die Politik habe vieles versäumt.

Die deutschen Exporteure rechnen 2015 mit einem etwas besseren Geschäft. Die Ausfuhren dürften dann um vier Prozent auf den Rekordwert von rund 1172 Milliarden Euro zulegen, sagte der Branchenverband BGA. Voraussetzung dafür sei, dass neue geopolitische Konflikte ausbleiben. Auch der deutsche Einzelhandel blickt optimistisch auf das kommende Jahr. Nach wachsenden Umsätzen 2014 wird auch 2015 ein gutes Geschäft erwartet.

Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, vernachlässigte Infrastruktur: Es gibt nach Ansicht des BGA zahlreiche Dinge zu tun.
Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, vernachlässigte Infrastruktur: Es gibt nach Ansicht des BGA zahlreiche Dinge zu tun.(Foto: picture alliance / dpa)

Für dieses Jahr erwarten die Exporteure ein Plus von drei Prozent. Trotz vieler Krisen und "wirtschaftlicher Risikofaktoren" entwickle sich die globale Konjunktur durchaus positiv, sagte BGA-Präsident Anton Börner. Davon werde Deutschland profitieren.

"Wir rechnen wieder mit leicht steigenden Konsumausgaben", sagte der Präsident des Handelsverbands Deutschland, Josef Sanktjohanser. Für das laufende Jahr geht die Branche von einem Wachstum von 1,8 Prozent aus. Die Verbraucher zeigten sich von den internationalen Krisen bislang unbeeindruckt. Der wachsende Online-Handel bedrohe aber gerade kleine stationäre Geschäfte. In den nächsten sechs Jahren könnten bundesweit 50.000 der gut 400.000 Läden schließen.

Außenhandel erwartet Verschärfung der Sanktionen

Der BGA warnt allerdings trotz der positiven Aussichten die Politik vor einer Schädigung der deutschen Wirtschaft. Es sei nicht alles Gold, was glänze. "Der Blick auf unseren Anteil an den weltweiten Exporten bescheinigt leider, dass wir an Boden verlieren", sagte Börner. So sei der deutsche Weltmarktanteil zwischen 2003 und 2013 von 9,9 auf 7,7 Prozent gesunken. Der von China habe sich hingegen auf 11,7 Prozent verdoppelt. "Nüchtern müssen wir festhalten, dass die Politik in den vergangenen guten Jahren trotz zahlreicher Mahnungen nicht für unvorhersehbare, doch garantiert kommende, schwierigere Zeiten vorgesorgt hat", sagte Börner. "Das fällt uns nun auf die Füße."

Ein ausgeglichener Staatshaushalt und der Verzicht auf Steuererhöhungen seien zwar positiv. "Es bleiben aber unübersehbare Baustellen: zu hohe Energiepreise, weiter steigende Arbeitskosten und eine sträflich vernachlässigte Infrastruktur, die für eine Industrienation schädlich sind", kritisierte der BGA-Chef. Wachstumsimpulse könne das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den USA (TTIP) bringen. "TTIP wird der deutschen Wirtschaft durch Zollabbau und Beseitigung nichttarifärer Handelshemmnisse enorme Wohlfahrtsgewinne bescheren", sagte Börner.

Mit Blick auf die Ukraine-Krise rechnet der Außenhandel mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen gegenüber Russland. Die Sanktionen würden "sehr lange bleiben", sagte Börner bei einer Pressekonferenz voraus. "Wir erwarten auch keine Änderung der russischen Politik." Börner betonte allerdings, der deutsche Außenhandel trage diese Maßnahmen voll mit und unternehme auch nichts, um sie zu umgehen. Nur müsse man wissen, dass die Unternehmen damit eine "Sicherheitsprämie" zahlten. "Freiheit hat ihren Preis", sagte Börner.

Quelle: n-tv.de

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