Wirtschaft
Fabrice Tourre machte sich über die Schuldner lustig.
Fabrice Tourre machte sich über die Schuldner lustig.(Foto: dpa)

Über Strafmaß wird noch entschieden: "Fabelhafter Fab" ist schuldig

Es war ganz und gar nicht fabelhaft, was der ehemalige Goldman-Sachs-Händler Tourre angerichtet hat. Dementsprechend reagiert eine New Yorker Geschworenen-Jury und spricht den Franzosen wegen Milliardenbetrugs für schuldig. Tourre droht unter anderem Berufsverbot.

Der wegen Milliardenverlusten mit einem dubiosen Anlageprodukt verklagte Ex-Investmentbanker Fabrice Tourre ist des Betruges schuldig gesprochen worden. Eine Geschworenen-Jury in New York befand den 34-jährigen Franzosen in sechs von sieben Anklagepunkten für schuldig.

Tourre selbst gab keinen Kommentar zu dem Urteil ab und verließ den Gerichtssaal ebenso wortlos wie sein Anwalt. Über das Strafmaß muss noch entschieden werden. Der ehemalige Goldman-Sachs-Händler hatte auf unschuldig plädiert, nun droht ihm neben einer drastischen Geldstrafe auch ein Berufsverbot.

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Für die US-Regierung und die Börsenaufsicht SEC ist das Urteil ein wichtiger Sieg, gilt Tourres Fall doch als Symbol für die Exzesse der Wall Street vor der Finanzkrise. Tourre war ein Jungstar der Finanzbranche, sein Spitzname lautete "fabelhafter Fab". Der damals 28-jährige Franzose schuf Anfang 2007 das Investmentpapier "Abacus 2007-AC1", das auf einem Bündel fauler US-Immobilienkredite basierte. Sogenannte forderungsbesicherte Wertpapiere (CDOs) wie das Abacus-Produkt werden für den Beginn der Finanzkrise verantwortlich gemacht.

IKB unter den Geschädigten

Als in den USA überschuldete Hausbesitzer reihenweise ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, verloren die weltweit gehandelten CDOs massiv an Wert. Der Vorwurf an Tourre und seinen früheren Arbeitgeber Goldman Sachs lautet, das zweifelhafte Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann. Dabei sollen sie den Anlegern verschwiegen haben, dass der Investmentfonds des Milliardärs John Paulson an der Schaffung des Produktes beteiligt gewesen sei und gleichzeitig auf den Wertverfall der Papiere gewettet habe.

Durch "Abacus 2007-AC1" gingen Anlegern laut SEC mehr als eine Milliarde Dollar verloren. Zu den Geschädigten gehörte auch die deutsche Mittelstandsbank IKB, die in der Finanzkrise vor dem Zusammenbruch stand und mit Steuergeld gerettet werden musste. Goldman Sachs einigte sich im Juli 2010 mit der US-Börsenaufsicht auf eine Vergleichs-Strafzahlung in Höhe von 550 Millionen Dollar (etwa 420 Millionen Euro). Die Zivilklage gegen Tourre lief weiter.

Als der Fall im April 2010 öffentlich wurde, prangerten US-Medien Tourre als Beispiel für Verantwortungslosigkeit und Arroganz der Finanzbranche an. Medien veröffentlichten private E-Mails, in denen der Franzose schrieb, dass er mit seinen Produkten kleine "Frankensteins" und "Monster" erschaffe. Außerdem machte er sich über "die armen, kleinen Schuldner" hinter den faulen Immobilienkrediten lustig.

Quelle: n-tv.de

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