Wirtschaft
Schlachten, zerlegen und verarbeiten von Schweinen, Sauen und Rindern ist seit 1971 das Geschäft von Tönnies Fleisch.
Schlachten, zerlegen und verarbeiten von Schweinen, Sauen und Rindern ist seit 1971 das Geschäft von Tönnies Fleisch.(Foto: dpa)

Machtkampf um Schweineschlachtkonzern: Familie Tönnies zerstritten vor Gericht

"Wir waren Brüder, wir haben uns geliebt und wir haben uns geprügelt. Wie das so ist", hat Clemens Tönnies einmal über seinen Bruder Bernd gesagt. Jetzt streitet er mit seinem Neffen um die Macht im milliardenschweren Fleischkonzern.

Kein Gruß, kein Blick, kein Handschlag. Vor Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Bielefeld versuchen sich Onkel und Neffe zu ignorieren. Clemens Tönnies und Robert Tönnies trennen in diesem Augenblick nicht nur sechs Meter Luftlinie sondern offensichtlich Welten. Immerhin geht es um die Macht in einem Konzern mit 8000 Beschäftigten und fünf Milliarden Euro Jahresumsatz. 16 Millionen Schweine werden jedes Jahr bei Tönnies geschlachtet und für den Endkunden zerlegt und abgepackt.

Robert Tönnies (l) und sein Onkel Clemens Tönnies zeigen sich unversöhnlich.
Robert Tönnies (l) und sein Onkel Clemens Tönnies zeigen sich unversöhnlich.(Foto: dpa)

Der 35-jährige Robert Tönnies klagt gegen das doppelte Stimmrecht seines Onkels, der auch Aufsichtsratschef bei Schalke 04 ist. Obwohl beide 50 Prozent der Anteile an Deutschlands größtem Schlachtkonzern halten, hat der 57-jährige Clemens Tönnies das Sagen. Wurde diese Regelung zur Jahreswende 2002/2003 nur zum Schein vereinbart? Um Banken zu beruhigen, die dem Konzern Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe genehmigt hatten und die stabile Führungsstrukturen forderten? Oder wollte Clemens Tönnies, der damals nur 40 Prozent der Anteile hielt, einfach mehr Sicherheit?

Es ist nicht der einzige Streit in der Familie. 2008 übertrugen Robert und sein Bruder ihren Onkel je fünf Prozent der Anteile, seitdem gibt es das Patt der Teilhaber. Im Mai 2009 will Robert erfahren haben, dass sein Onkel den größten Wurstproduzenten Deutschlands zur Mühlen ("Böklunder", "Könecke", "Redlefsen", "Schulte" und "Plumrose") übernommen hat, allerdings auf eigene Rechnung.

"Grober Undank"

Dieses Geschäft und Beteiligungen von Clemens Tönnies an Fleischbetrieben in Russland könnten eine Konkurrenz zur Tönnies-Gruppe sein, sagt Robert und nennt das groben Undank. Er fordert seinen 5-Prozent-Anteil zurück. Hier gibt es noch keinen Prozesstermin.

Letztlich fühlt sich Robert Tönnies, der seit Ende 2011 nicht mehr im Unternehmen arbeitet, nicht nur von seinem Onkel schlecht behandelt. Sein Vater Bernd hatte für seine Söhne einen Steuerberater als Testamentsvollstrecker eingesetzt. Der war das bis Mai 2008. Auch gegen diesen klagt Robert und fordert in zwei Verfahren Schadenersatz, jeweils in zweistelliger Millionenhöhe.

"Ich brauche das nicht", sagt Robert nach der Verhandlung. Dennoch scheint er entschlossen zu sein, alle Verfahren bis zum Ende durchzufechten. Denn egal wie das Bielefelder Gericht entscheidet, eine Fortsetzung vor dem Oberlandesgericht scheint sicher. Clemens Tönnies will sich sein Lebenswerk nicht so einfach aus der Hand nehmen lassen.

Eine gütliche Einigung könne es nur als Gesamtpaket aller Streitpunkte geben, sagen beide Seiten am Freitag. Doch obwohl Clemens Tönnies seinem Neffen zum Abschied dann doch noch kurz die Hand reicht, erscheint eine friedliche Lösung derzeit mehr als unwahrscheinlich.

Quelle: n-tv.de

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