Wirtschaft
Fed-Chef Ben Bernanke bei einer Anhörung vor dem US-Kongress.
Fed-Chef Ben Bernanke bei einer Anhörung vor dem US-Kongress.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

US-Notenbanker gespalten: Fed scheut weitere Lockerung

Die Trickkiste der US-Notenbank für besonders schwierige Zeiten bleibt vorerst geschlossen. Anleihenkäufe zur Stützung der heimischen Wirtschaft soll es nach dem Willen einiger Notenbanker im Offenmarktausschuss nur geben, wenn sich die Konjunktur weiter eintrübt. Einige Zentralbanker würden jedoch gerne rascher eingreifen.

Die US-Notenbank Fed wird vorerst kein weiteres Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen auflegen, um damit der Konjunktur unter die Arme zu greifen. Das geht aus den nun veröffentlichten Protokollen der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses vom 19. und 20. Juni hervor.

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Das für die US-Geldpolitik entscheidende Gremium zeigte sich in der Frage einer dritten Runde der so genannten quantitativen Lockerung ("quantitative easing" oder kurz "QE3") gespalten. Einige der zwölf Mitglieder plädierten dafür, dass die Fed bei der Geldpolitik mehr tun sollte, um dem Arbeitsmarkt auf die Sprünge zu helfen. Die übrigen Mitglieder hielten dagegen, dass eine weitere Lockerung nur bei einem Rückgang der Inflation oder einer deutlichen Verlangsamung bei der Erholung der US-Wirtschaft angezeigt sei. "Ein neuerlicher Stimulus könnte notwendig sein, um ein befriedigendes Wachstum bei der Beschäftigung zu erzielen und zu gewährleisten, dass die Inflationsrate im Zielbereich bleibt", heißt es in den Protokollen.

Verschiedene andere Notenbanker sprachen sich dafür aus, dass weitere Maßnahmen der Fed erst erfolgen sollten, wenn die Risiken für die eigenen Prognosen "deutlich prononcierter in Erscheinung" treten und die Teuerung für längere Zeit unter die Zielmarke von 2 Prozent zu rutschen droht. Das ist eine Veränderung gegenüber der April-Sitzung des Offenmarktausschusses, als einige der Mitglieder eine weitere Aufweichung der Geldpolitik nur für ratsam hielten, wenn sich die Erholung der Wirtschaft verschlechtert.

Bei ihrem Treffen vor drei Wochen stimmten außerdem 11 von 12 Währungshütern dafür, den aktuellen geldpolitischen Kurs beizubehalten und die Leitzinsen bis Ende 2014 auf einem "außergewöhnlich niedrigen Niveau" zu belassen. Der geldpolitische Schlüsselsatz liegt derzeit praktisch bei null Prozent. Die Fed-Vertreter stellten aber gleichzeitig fest, dass sich diese Meinung bei einer deutlichen Besserung des wirtschaftlichen Ausblicks ändern könne.

Spannungen wachsen

Der Ausschuss zeigte sich besorgt, dass die Spannungen an den internationalen Finanzmärkten seit ihrem vorherigen Treffen wieder zugenommen haben. Ein Teil der Zentralbanker wollte deshalb, dass sich die Zentralbank gegen mögliche Rückkopplungen aus der europäischen Schuldenkrise wappnen sollte. Dabei könne es hilfreich sein, "die Möglichkeit zu untersuchen, neue Instrumente voranzubringen, die vorteilhaftere finanzielle Bedingungen erzeugen und damit eine stärkere wirtschaftliche Erholung unterstützen können".

Nahezu alle Mitglieder betrachten den aktuellen Stand der Arbeitslosigkeit in den USA als zu hoch. Sie stellten fest, dass die Verlangsamung beim Stellenaufbau "stärker war als von vielen Beobachtern vorausgesagt". Aktuell verharrt die US-Arbeitslosenquote nach schwachen Zahlen vom Arbeitsmarkt im Juni bei 8,2 Prozent. Positiv sehen die Notenbanker, dass die übrigen Konjunkturdaten auf ein moderates Wachstum der Wirtschaft hindeuten. Der Auftrieb bei den Verbraucherpreisen habe wegen gefallener Öl- und Benzinpreise nachgegeben.

Die entscheidenden Köpfe bei der US-Notenbank scheinen bisher außerdem noch nicht recht zufrieden mit ihrer neuen Kommunikationspolitik. Sie diskutierten erneut über den richtigen Weg, wie die Öffentlichkeit erreicht werden kann. Die Mehrzahl zeigte sich interessiert an "quantitativen wirtschaftlichen Projektionen", schränkte aber gleichzeitig ein, dass dies wegen der unterschiedlichen Meinungen innerhalb des Gremiums eine Herausforderung wäre.

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Quelle: n-tv.de

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