Wirtschaft

Wenig Worte für nervöse Märkte: Fed tastet sich langsam vor

Diana Dittmer

Wer sich konkrete Ansagen von dem Treffen der 100 bedeutendsten Geldpoltitker und Ökonomen in Jackson Hole erwartet hat, ist enttäuscht. Und umso überraschter, dass vage Andeutungen aus dem Hinterland auch nicht vergebens sind: Die Fed ist bereit, wann auch immer und wozu auch immer. Und die Aktienmärkte sind beruhigt.

Ben Bernanke ganz leger auf dem Jahrestreffend er Topbanker in Jackson Hole.
Ben Bernanke ganz leger auf dem Jahrestreffend er Topbanker in Jackson Hole.(Foto: REUTERS)

Auf dem traditionellen Symposium der wichtigsten Notenbankchefs der Welt in Jackson Hole hat US-Notenbankchef Ben Bernanke wieder einmal bewiesen, dass es der Ton ist, der die Musik macht: Nach seiner Aussage ist die Federal Reserve durchaus bereit, falls nötig auch unkonventionelle Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur und Vermeidung einer Deflation zu ergreifen. Das ist beruhigend zu wissen. Leider hat sich das geldpolitische Gremium aber noch gar nicht darauf verständigt, was derartige Maßnahmen erfordern könnte. Aber auch hier weiß Bernanke zu beschwichtigen. Nach seiner Auffassung gibt es nämlich keinen akuten Handlungsbedarf. Nicht alle Konjunktur-Beobachter sind angesichts der schwachen Konjunkturdaten hiervon überzeugt.

"Für die Bullen am Markt, die auf eine aggressivere Strategie der US-Notenbank gesetzt haben, ist das vermutlich zu wenig", fasste es ein Händler zusammen. Sie hätten wohl eher darauf spekuliert, dass Bernanke weitere Wertpapierkäufe der Fed ankündigen könnte. Vermutlich sei für eine solche Ankündigung eine Sitzung des FOMC wohl aber der richtigere Ort und Zeitpunkt und nicht das Treffen in Jackson Hole. Es bleibt ihm nur festzustellen, dass vermutlich die grundsätzliche Bereitschaft der Fed, zur Rettung der Konjunktur einzuschreiten, sehr wichtig ist. Man gibt sich eben mit dem zufrieden, was man bekommt.

Die Kunst ruhig Blut zu bewahren

Auf die erste Enttäuschung über die magere Ausbeute bei Bernankes Rede überwogen dann im Sinne dieser neu gewonnenen Bescheidenheit am Freitag auch die positiven Reaktionen. Dabei lassen die jüngsten Daten zur Konjunktur noch immer zu wünschen übrig. Die zweite Veröffentlichung einer Verbraucherumfrage der Universität Michigan ist hinter den Erwartungen zurück geblieben: Der Index für die Verbraucherstimmung stieg im August nur auf 68,9 von 67,8 im Juli. Ökonomen hatten den Indexstand aber bei 69,9 erwartet. Hinzu kommt das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP), das im zweiten Quartal revidiert nur um 1,6 Prozent gestiegen ist.

Sonnenaufgang über der Teton-Gebirgskette in Wyoming. Die Ruhe der Landschaft steht im krassen Kontrast zur Nervosität der Märkte.
Sonnenaufgang über der Teton-Gebirgskette in Wyoming. Die Ruhe der Landschaft steht im krassen Kontrast zur Nervosität der Märkte.(Foto: REUTERS)

Auch wenn Volkswirte hier mit noch weniger gerechnet hatten, nämlich mit lediglich 1,3 Prozent Wachstum, darf man angesichts dieser Daten wohl vermuten,  dass die zur Schau getragene Ruhe und Bedächtigkeit Bernankes nicht die ganze Gesprächs-Atmosphäre bei dem Treffen widerspiegelt. Bernanke muss sich im Spagat üben: Die Fed muss bereit stehen, voraus planen, darf aber keine Panik schüren. Bernanke hat auch kein leichtes Standing in seinen eigenen Reihen. Sicherlich wird er die Gelegenheit in Wyoming genutzt haben, um für seinen Anleihenkauf von vor zwei Wochen Werbung zu machen. Die Maßnahme zur weiteren Stützung der Konjunktur war eine 180-Grad-Kehrwende weg von der angekündigten Exit-Strategie. Nicht alle Kollegen hießen das gut. Vielleicht wurden weitere Hilfen der Fed mit den skeptischen Notenbankern zumindest schon einmal andiskutiert. 

Nach der Achterbahnfahrt von Daten und Aussagen zur derzeitigen konjunkturellen Lage der größten Volkswirtschaft der Welt schlossen die Aktienkurse an der Wall Street am Ende der Woche sehr fest. Die Märkten geben sich also auch mit salbungsvollen Worten momentan durchaus zufrieden. Vom Konjunkturoptimismus profitierten im Dow Jones vor allem die als besonders konjunktursensibel geltenden Aktien von DuPont, Alcoa, Boeing und Caterpillar mit Zuwächsen von über 3,0 Prozent. Damit ist wieder eine Woche geschafft. Aber das Haareraufen, wie es tatsächlich um die Krise und die Erholung von dieser bestellt ist, wird anhalten. Viel Neues sollte man sich wohl aber nicht erwarten.

Trichet: Geordneter Schuldenabbau

Auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet hat der Gedankenaustausch in Jackson Hole zu keinen neuen geistigen Höhenflügen inspiriert. Zumindest der Öffentlichkeit hat er nichts Neues zu berichten. Einmal mehr forderte er die Industriestaaten zu einem geordneten Schuldenabbau auf. "Die vorrangige makroökonomische Herausforderung in den kommenden zehn Jahren ist es sicherzustellen, dass sie nicht zu einem weiteren verlorenen Jahrzehnt werden", sagte Trichet in Jackson Hole.

Abgelegen im Hinterland der USA: Hinter verschlossenen Türen wird den Gedanken freien Lauf gelassen.
Abgelegen im Hinterland der USA: Hinter verschlossenen Türen wird den Gedanken freien Lauf gelassen.(Foto: www.stepmap.de)

Regierungen und Zentralbanken müssten einen Weg finden, ihre in der Krise angesammelten Schulden zu reduzieren, ohne gleichzeitig das Wachstum zu bremsen. "Die enorme Herausforderung für die Politik in den entwickelten Volkswirtschaften ist es nun, eine Dynamik in Gang zu setzen, in der sich die Entlastung der Staaten sowie ein starkes, nachhaltiges Wachstum gegenseitig verstärken." So weit so gut. Aber ein Patentrezept hierfür hat noch keiner vorgelegt. Aber Europa ist ja, zum Glück, auf gutem Weg, auch ohne entsprechende Patenrezepte. Dank eines milliardenschweren Schutzschirms für Länder wie Griechenland oder Spanien und der Ankündigung konsequenter Sparprogramme vieler europäischer Staaten hat sich die Panik über den Sommer einfach irgendwie gelegt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen