Wirtschaft
Die Schwäche des Dollars ist die Stärke des Euros.
Die Schwäche des Dollars ist die Stärke des Euros.(Foto: REUTERS)

Alle Augen nur aufs Wachstum: Fed vernachlässigt den Dollar

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Die Fed sorgt sich um das US-Wirtschaftswachstum und drückt weiter aufs geldpolitische Gaspedal. Sollten die Notenbanken anderer Länder nicht einen Gang höher schalten als sie, dürfte der US-Dollar zurückbleiben.

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Das Kursfeuerwerk am Aktienmarkt nach Bernankes Kehrtwende war nur von sehr kurzer Dauer: Nachdem der Chef der US-Notenbank am 18. September überraschend angekündigt hatte, das Anleihenkaufprogramm von 85 Milliarden Dollar monatlich nicht zu verringern, war der S&P500 zwar kräftig nach oben gesprungen. Aber in der Folge gab der Index seine Kursgewinne wieder ab, denn Investoren sind verunsichert. Auch weil sich der Haushaltsstreit in den USA wieder zuspitzt. Immerhin können die Anleger hier auf einen fast traditionellen Kompromiss in letzter Minute hoffen. Was aber schwerer wiegt, ist die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung in den USA. Sie wurde schon wieder als sehr robust eingeschätzt, doch die Entscheidung der US-Notenbank lässt eine Schwächeperiode, die auch den US-Dollar erfassen könnte, der bereits deutlich nachgibt.

US-Notenbank verhindert Rezession

"Der Fed ist klar, dass die aktuelle 'Konjunkturerholung' ohne eine anhaltende massive Stimulierung nicht weitergehen kann", sagte Peter Schiff, Gründer der US-Investmentfirma Euro Pacific Capital. "Volkswirte haben die Symptome der US-Geldpolitik, vor allem die steigenden Kurse für Aktien und Häuser, fälschlicherweise als Zeichen für reales und nachhaltiges Wirtschaftswachstum gedeutet. Die Blase bei den Vermögenswerten hat aber nichts mit dem tatsächlichen Zustand der Wirtschaft zu tun."

Vielmehr würde das Platzen der Blase zu einer Krise führen, die noch größer als die jüngste sein dürfte. Der Finanzprofi hat in den vergangenen Jahren wiederholt betont, dass ein Auslaufen des Anleihenkaufprogramms dazu führen würde, dass die US-Wirtschaft in die Rezession abrutschen würde. Das will die Fed durch ihre ultra-laxe Geldpolitik verhindern, der Preis hierfür ist allerdings eine steigende Verschuldung, weil die Zinsen niedrig sind.

Fed finanziert Staatsverschuldung

Weil die Fed ihr Anleihenkaufprogramm nicht zurückfährt, wird der Staat immer abhängiger von der Geldpresse der Notenbank. Derzeit kauft sie monatlich für 45 Milliarden Dollar Staatsanleihen, wodurch der Bestand an den Papieren auf 2,05 Billionen Dollar angewachsen ist. Inklusive 1,34 Billionen an Hypothekenanleihen und weiteren Papieren beläuft sich die Bilanzsumme der Fed auf 3,72 Billionen Dollar.

Weil die Neuverschuldung des Staates im Fiskaljahr 2012/13, das im September endet, auf 642 Milliarden Dollar sinken soll, kauft die Fed 63 Prozent der Nettokreditaufnahme des Staates auf. Im nächsten Fiskaljahr würde der Anteil weiter deutlich steigen, zumal die Neuverschuldung sinken soll. Doch auch bei Privatleuten hat die Verschuldung zuletzt wieder zugenommen, insbesondere seitdem Fed-Chef Bernanke eine Reduzierung des Anleihekaufprogramms im Mai angekündigt hatte.

Die anhaltende Geldschwemme setzt den Dollar unter Druck, denn andere Notenbanken wie die EZB haben ihre Geldpolitik seit Bernankes Ankündigung noch nicht weiter gelockert. So hat der Dollar seither um zwei Cent gegenüber dem Euro nachgegeben. Ein Euro kostet damit mehr als 1,35 Dollar. Der Dollar-Index, der die Entwicklung des Greenbacks gegenüber sechs Währungen wie dem Euro, Yen und dem britischen Pfund abbildet, ist ebenfalls kräftig abgerutscht - auf das niedrigste Niveau seit Februar.

Warten auf Yellen

Viele Investoren spekulieren, dass die Fed frühestens nach der Sitzung am 18. Dezember das Anleihenkaufprogramm zurückfahren wird. Denn bis zur nächsten Sitzung am 30. Oktober könnten die Konjunkturdaten gar nicht so stark ausfallen, dass die Fed einen ersten Schritt unternehmen würde. Andere Experten gehen davon aus, dass vor dem Wechsel an der Spitze der Notenbank nichts mehr passieren wird, läuft doch Bernankes Amtszeit Ende Januar 2014 aus.

Seine potenzielle Nachfolgerin Janet Yellen ist allerdings ebenfalls als Anhängerin einer sehr lockeren Geldpolitik bekannt. Beobachter rechnen Anfang bis Mitte Oktober mit der Ernennung der Favoritin auf den Chefposten. Setzt Yellen die aktuelle Geldpolitik fort, müssten Anleger noch weiter auf eine Drosselung der Anleihenkäufe warten und der Dollar bleibt unter Druck. Denn aktuell sieht es danach nicht aus, als würden die EZB oder die japanische Notenbank ihre Politik weiter lockern wollen. Aber die Fed hat kein Monopol auf Überraschungen in der Geldpolitik.

Quelle: n-tv.de

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