Wirtschaft
Fed-Chefin Janet Yellen, hier bei ihrer Rede zur "Geldpolitik in der Post-Krisen-Periode" in Washington.
Fed-Chefin Janet Yellen, hier bei ihrer Rede zur "Geldpolitik in der Post-Krisen-Periode" in Washington.(Foto: dpa)

"Es ist recht wahrscheinlich": Fed zögert mit der Zinswende

Die Signale sind zweideutig: In den Vereinigten Staaten bereiten führende Währungshüter die Öffentlichkeit mit nahezu unverhüllten Andeutungen auf die ersten Zinsschritte seit Jahren vor. Die Rede ist allerdings nur von "bald".

Das Tempo der Zinserhöhungen hängt nach Einschätzung von US-Notenbanker James Bullard von der Entwicklung der Konjunktur ab. "Sollte die Wirtschaft florieren, dann müssen wir uns zügiger bewegen", sagte der Präsident der Fed von St. Louis. Bei der Entscheidung werde die Federal Reserve die üblichen Kriterien wie die Daten vom Arbeitsmarkt und des Preisauftriebs anlegen.

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Bullard selbst zählt zu den Unterstützern einer raschen Zinswende, ist aber in dem für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschuss (FOMC) derzeit nicht stimmberechtigt. US-Zentralbanker Jeffrey Lacker sagte, dass die nachfolgenden Erhöhungen nach einer anfänglichen Zinswende "wahrscheinlich langsam" ausfallen dürften. Lacker ist Chef der Notenbank des Bezirks Richmond und gilt als Verfechter einer straffen geldpolitischen Linie.

"Sehr genau nachdenken"

US-Notenbanker William Dudley, Präsident des Federal-Reserve-Bezirks von New York, erklärte, dass der Offenmarktausschuss "sehr genau nachdenken" müsse, ob der Zeitpunkt für eine Zinsanhebung im Dezember richtig sei. Diese Aussage werteten Beobachter als zurückhaltendes Signal, das die Erwartungen am Markt dämpfen dürfte.

Abgesehen von diesen Bedenken sprach sich jedoch auch Dudley für eine allmähliche Anhebung der Leitzinsen aus. Allerdings vermied er es, sich auf einen aus seiner Sicht richtigen Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise festzulegen. "Ich kann Ihnen heute nicht genau sagen, was ich in der Zukunft zu tun bevorzuge, da die Zukunft unsicher bleibt", sagte Dudley wörtlich.

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Er signalisierte aber, dass die Zeit zum Handeln näher rücke. "Ich denke, es ist recht wahrscheinlich, dass die vom FOMC festgelegten Bedingungen für eine Normalisierung der Geldpolitik bald erfüllt sein dürften", heißt es in einem seiner aktuellen Redetexte.

Dudleys Worte haben nach Ansicht von Beobachtern besonderes Gewicht: Der New Yorker Fed-Chef sitzt als Vize-Vorsitzender im Offenmarktausschuss und ist ein enger Vertrauter von Fed-Präsidentin Janet Yellen.

"Verblüfft" über die Inflationsdaten

Dudleys Kollege, Fed-Chicago-Präsident Charles Evans, sprach sich zuletzt ebenfalls für eine umsichtige Anhebung der Zinsen aus. Er sagte nach einer Rede in Chicago, er gehe "unvoreingenommen" in die FOMC-Sitzung im Dezember. Evans ist im FOMC stimmberechtigt. Seine Ansichten zur Inflation hätten sich in den vergangenen Monaten nicht geändert, sagte Evans. Er sei nach wie vor über das Ausbleiben des erwarteten Anstiegs bei der Teuerung in den vergangenen zwei Jahren "verblüfft".

Evans bekräftigte seine Meinung, dass es nicht so sehr auf den Zeitpunkt einer Zinsanhebung ankomme, sondern darauf, dass die Erhöhung allmählich erfolge. Sorgen über die Konjunkturabkühlung in China und anderen Schwellenländern seien, so Evans, seit September zwar abgeflaut, aber die Möglichkeit eines Übergreifens auf die US-Wirtschaft sei weiter gegeben. Er würde das nicht unterschätzen wollen, erklärte er.

"Durchaus möglich"

Notenbank-Chefin Yellen hatte jüngst eine Zinserhöhung im Dezember als "durchaus möglich" bezeichnet. Nach überraschend gut ausgefallenen Daten vom Arbeitsmarkt wird an den Märkten weitgehend erwartet, dass die Fed zum Jahresende ihre Nullzinspolitik nach sieben Jahren beenden wird.

In Fachkreisen ist die Vorgehensweise umstritten. Die Rückkehr zu einer Normalisierung der Zinspolitik gilt als geldpolitisches Experiment von enormer Tragweite. Das Niveau der Leitzinsen bestimmt direkt oder indirekt die Konditionen bei sämtlichen Bank- und Kreditgeschäften im Dollar-Raum - und damit auch die weitere Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft.

Mit der Zinswende betritt die US-Notenbank unbekanntes Terrain: Der Schritt in Richtung einer Anhebung birgt nach Ansicht vieler Experten schwer kalkulierbare Risiken für die USA und die Weltwirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) äußerte sich zuletzt vorsichtig. In einem Arbeitspapier rieten die IWF-Ökonomen von einer raschen Zinserhöhung ab.

G20-Treffen am Wochenende

Die Empfehlung ist in einem Bericht von IWF-Experten für das am Sonntag beginnende Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in der Türkei enthalten. Die Fed solle noch abwarten, bis sich der Arbeitsmarkt weiter aufgehellt habe, heißt es in dem am Donnerstag bekanntgewordenen Papier. Zudem seien weitere klare Anzeichen nötig, dass sich die Inflation stetig dem von der Fed angestrebten Ziel einer Jahresteuerung von zwei Prozent annähere.

Nach überraschend gut ausgefallenen Daten vom Arbeitsmarkt wird an den Märkten weitgehend erwartet, dass die Fed zum Jahresende ihre Nullzinspolitik nach sieben Jahren beenden wird. Sie strebt neben stabilen Preisen auch Vollbeschäftigung an. Dieses Ziel ist nach den üblichen Kriterien der Fed mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt fünf Prozent noch nicht ganz erreicht.

US-Notenbanker Evans rechnet eigenen Angaben zufolge damit, dass die Rate bis Ende nächsten Jahres unter den Wert von 4,9 Prozent sinken werde. Dann wird Evans aber nicht mehr über den Zins mitentscheiden dürfen, da er wegen des Rotationsverfahrens nur noch im Dezember stimmberechtigt ist.

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Quelle: n-tv.de

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