Wirtschaft
Im kommenden Jahr sollen Ferrari-Aktien an der Börse gehandelt werden.
Im kommenden Jahr sollen Ferrari-Aktien an der Börse gehandelt werden.(Foto: imago stock&people)

Fiat-Aktien gehen durch die Decke: Ferrari galoppiert an die Börse

Fiat Chrysler spaltet Ferrari ab und bringt die Sportwagen-Tochter an die Börse. Die Aktionäre sind begeistert. Auch der Industriellen-Familie Agnelli dürfte der Schritt sehr viel Freude machen.

Die Überraschung ist gelungen: Fiat Chrysler trennt sich von Ferrari und wird den legendären Sportwagenbauer an die Börse bringen. Konzernchef Sergio Marchionne verkündete den Plan nach einer Sitzung des Verwaltungsrats und löste damit an der Börse regelrechte Euphorie aus. In Mailand schoss die Aktie nach oben, wurde deshalb zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt und tendierte am Nachmittag mehr als 12 Prozent im Plus. Und das, obwohl der Quartalsgewinn hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. "Für den Fiat-Aktionär, der künftig Anteile an der Konzernperle Ferrari erhält, ist die Meldung sicherlich positiv", sagte Commerzbank-Analyst Sascha Gommel.

Im nächsten Jahr sollen zehn Prozent der Ferrari-Aktien in den USA gehandelt werden, möglicherweise auch in Europa. Die restlichen Anteile gehen an die Aktionäre von Fiat Chrysler - darunter die Agnelli-Familie, die Fiat gegründet hat. Wie viel der Ferrari-Anteil wert ist, wollte Marchionne nicht verraten. Schätzungen gehen von rund acht Milliarden Euro aus. "Ich glaube, wir werden alle angenehm überrascht sein, wenn die Platzierung läuft", sagte der Firmenboss.

Aus Eigner-Sicht dürfte das durchaus stimmen. Da nur zehn Prozent an den Markt sollen, "dürfte die Nachfrage von Liebhabern extrem hoch sein und die Bewertungsaufschläge ziemlich wahnsinnig werden", sagte ein Händler. Gleichzeitig dürften die Aktien als Liebhaberstücke eher selten gehandelt werden, was zu einer künstlich verknappten Liquidität führen könnte.

Ein anderer Händler stimmte ihm zu: Die Bewertung dürfte über das fundamental zu Rechtfertigende nach oben getrieben werden, sagte er. "Fiat hätte dann einen fantastischen Buchwert in den Büchern stehen, der sämtliche Verschuldungskennziffern zurück in den Normalbereich drückt", so der Händler. Dies könne Finanzierungen verbilligen.

Tatsächlich will Fiat Chrysler Teile seine Expansionspläne durch die Abspaltung finanzieren. Fiat hatte Chrysler im Jahre 2009 übernommen, nachdem der traditionsreiche US-Hersteller im Zuge der Finanzkrise mit Steuergeldern gerettet worden war.

Di Montezemolo wirft hin

Marchionne, der angeblich selber ein halbes Dutzend Ferrari-Modelle in seiner Garage stehen hat, krempelt den italienischen Autobauer gerade komplett um: Erst vor zwei Wochen wurde die Fusion mit der US-Tochter Chrysler abgeschlossen, 48 Milliarden Euro Investitionen sollen unter anderem der darbenden Marke Alfa Romeo neues Leben einhauchen.

Angesichts der anstehenden Aufgaben und mit Blick auf die Interessen der Aktionäre bezeichnetet Marchionne als angemessen, "dass FCA und Ferrari unterschiedliche Wege gehen". Verwaltungsratschef John Elkann betonte, die Ausgliederung von Ferrari werde gemeinsam mit dem Börsenstart von FCA an der Wall Street "das in Ehren gehaltene italienische Erbe" bewahren.

Bei Ferrari ist gerade erst Luca Cordero di Montezemolo nach fast einem Vierteljahrhundert an der Spitze zurückgetreten. Er hatte sich stets für die Eigenständigkeit starkgemacht und lag oft mit Fiat-Chef Sergio Marchionne über Kreuz. Marchionne hatte unter anderem das zuletzt schwache Abschneiden Ferraris in der Formel 1 als "nicht akzeptabel" kritisiert. "Ein Ferrari, der auf der Rennstrecke nicht gewinnt, ist kein Ferrari", schimpfte er.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen