Wirtschaft

Europas Automarkt in der Krise: Fiat-Chef wirft VW "Blutbad" vor

Angesichts der Schuldenkrise scheint die europäische Autobranche auf dem Weg in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Während die deutschen Hersteller mit Ausnahme von Opel von ihrer starken Position profitieren, stehen andere mit dem Rücken zur Wand. Fiat-Chef Marchionne teilt deshalb in Richtung VW aus.

Wütend auf Volkswagen: Fiat-Chef Sergio Marchionne.
Wütend auf Volkswagen: Fiat-Chef Sergio Marchionne.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Fiat-Chef Sergio Marchionne ist auf Volkswagen alles andere als gut zu sprechen. Im Gegenteil: Er wirft dem Konkurrenten eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik vor. "Bei der Preisgestaltung gibt es ein Blutbad. Das ist ein Blutbad bei den Margen", sagte Marchionne der "New York Times". Indem die Wolfsburger aggressive Rabatte gewährten, nutzten sie die Krise, um Marktanteile zu gewinnen.

Marchionne ist auch Vorsitzender des europäischen Autohersteller-Verbandes Acea. VW forderte den Italiener auf, von diesem Amt zurückzutreten. Marchionne sei als Präsident untragbar, sagte Volkswagen-Kommunikationschef Stephan Grühsem. Angesichts dieser Äußerungen sei auch ein Austritt aus dem Acea eine Option für Volkswagen.

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Fiat steckt in großen Schwierigkeiten und kämpft mit Absatzproblemen. Der Fahrzeugmarkt in der EU ist seit Monaten auf Talfahrt, angesichts von Schuldenkrise und Rezession liegen die Märkte in Spanien und Italien am Boden; auch in Frankreich sind die Verkäufe eingebrochen. Neben Großbritannien ist Deutschland der einzige stabile Massenmarkt in Europa.

Dies trifft die Hersteller hart, die von Europa abhängig sind – neben PSA Peugeot Citroën sind dies auch Opel und Fiat. Sie kämpfen mit Überkapazitäten. Der VW-Konzern dagegen ist dank seiner breiten Aufstellung und der Stärke vor allem in China und den USA auf Erfolgskurs. Die anderen deutschen Hersteller stehen – mit Ausnahme von Opel – ebenfalls gut da. Doch auch an ihnen geht die Krise nicht spurlos vorbei.

Fiat schließt Werk

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"Die Autokrise in Europa ist erst am Beginn", sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen und verweist auch auf hohe Rabatte, mit denen die Hersteller die Wagen in den Markt drückten. Eine schnelle Besserung erwartet er nicht. "Bis sich die Schuldenstaaten einigermaßen erholen, gehen gut fünf Jahre ins Land." Das Rabattniveau zeige, dass der deutsche Automarkt in den nächsten Monaten vor einer Rezession stehe, ergänzt Dudenhöffer. Der bisher ertragreiche Markt Deutschland werde für immer mehr Hersteller zu einem Verlustmarkt.

"Es besteht erheblicher Restrukturierungsbedarf", betont Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. "Mindestens fünf bis acht Automobilwerke sind derzeit in Europa überflüssig." Die Branche stehe vor einer Konsolidierungswelle.

Fiat kündigte vor knapp zwei Wochen an, sich bis Ende des Jahres komplett aus dem gemeinsamen Werk mit PSA Peugeot-Citroën in Nordfrankreich zurückzuziehen. Außerdem droht nach der Schließung eines Werks in Sizilien einem weiteren italienischen Standort das Aus. Einer Gewerkschaft zufolge schickt Fiat zudem 5000 Mitarbeiter der Konzernzentrale in Turin von Ende Juli an für14 Arbeitstage nach Hause. Der Konzern hatte vor einiger Zeit zudem angekündigt, Investitionen zu kürzen und die Einführung neuer Modelle zu verschieben. So sollen rund 500 Millionen Euro gespart werden.

Quelle: n-tv.de

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