Wirtschaft
Pierre Moscovici (l.) und Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis: Keiner der beiden Politiker will eigentlich, dass Griechenland aus der Eurozone fliegt.
Pierre Moscovici (l.) und Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis: Keiner der beiden Politiker will eigentlich, dass Griechenland aus der Eurozone fliegt.(Foto: picture alliance / dpa)

Moscovici hält "Grexit" für möglich: "Finanzielle Unfälle können passieren"

Nach Bundesfinanzminister Schäuble macht auch EU-Währungskommissar Moscovici deutlich, dass ein Euro-Austritt Griechenlands nicht undenkbar sei. EU-Ratspräsident Schulz rät Athen deshalb zur Eile.

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici schließt einen griechischen Euro-Austritt ("Grexit") nicht grundsätzlich aus. "Wir werden Griechenland nicht zu jedem Preis in der Eurozone halten, sondern zu strikten Bedingungen, die für beide Seiten akzeptabel sind", sagte Moscovici der "Welt".

Video

"Es ist der überwältigende Wille der Eurogruppe, Griechenland in der Eurozone zu halten. Finanzielle Unfälle können passieren. Unsere Aufgabe ist es aber nicht, diese zu organisieren, sondern sie zu verhindern", sagte der EU-Kommissar. Ähnlich hatte sich kürzlich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geäußert.

Moscovici warnte zugleich, dass ein Austritt Griechenlands der Eurozone "großen politischen Schaden" zufügen würde. Der Euro sei mehr als nur ein System fester Wechselkurse, er sei eine Einheitswährung. "Wird ein Teil davon herausgebrochen, nimmt der Währungsraum als ganzes Schaden, weil seine Integrität infrage gestellt wird", sagte Moscovici. Er stellte Griechenland ein Entgegenkommen in Aussicht, sollte sich die neue Regierung kooperationsbereit zeigen. Allen Beteiligten sei klar, "ein mögliches drittes Rettungspaket muss anders aussehen als seine Vorgänger", sagte der EU-Kommissar.

Im Streit mit Griechenland über Reparationsforderungen stellte sich Moscovici hinter Deutschland. "Es ist überhaupt nicht zielführend, die Vergangenheit für politische Zwecke in der Gegenwart zu missbrauchen", sagte er. Die griechische Regierung hatte von Deutschland Reparationszahlungen aus dem Zweiten Weltkrieg gefordert und diese Diskussion mit den Verhandlungen über neue Rettungshilfen vermengt. Die Bundesregierung hält die Frage von Reparationen und Entschädigungszahlungen für rechtlich und politisch abgeschlossen.

Schulz: "Endlich Schwarzgeldkonten angehen"

Angesichts der dramatischen Finanzlage Griechenlands forderte indes EU-Parlamentspräsident Martin Schulz Athen auf, Schwarzgeldkonten im Ausland aufzuspüren. Die griechische Regierung müsse damit "endlich konsequent" beginnen, "einen gerechten Anteil davon dem griechischen Staatshaushalt zuzuführen, anstatt jetzt mit hochumstrittenen anderen Zwischenfinanzierungsmodellen die wahren Probleme wieder nicht anzupacken", sagte Schulz der "Rheinischen Post".

Er bekräftigte die Forderung nach Einhaltung der mit den Hilfegebern getroffenen Vereinbarungen und mahnte auch einen guten Umgangston an. "Verlässlichkeit im Umgang miteinander und gegenseitiger Respekt in Form und Inhalt sind dabei vielleicht im Moment bedeutender als je zuvor", sagte Schulz.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen