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'Made in Germany' hat guten Klang: Firmen bringen sich für Iran in Stellung

Im Iran leben gut 80 Millionen Einwohner. Das Land ist reich an Rohstoffen. Die Menschen sind gut ausgebildet. Wirtschaftlich ist der Aufholbedarf enorm. Für den Fall gelockerter Sanktionen stehen die Unternehmen bereit - allen voran aus den USA und Deutschland.

Das Tauwetter in den Beziehungen zum Iran könnte sich schon in absehbarer Zeit für die deutschen Unternehmen auszahlen. Durch die internationalen Sanktionen liefen die Handelsbeziehungen zuletzt nur noch auf Sparflamme. "Wir haben im Moment ein Handelsvolumen von etwa drei Milliarden Euro im Geschäft mit dem Iran", sagt der Außenhandelschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Volker Treier. "Wenn die Sanktionen deutlich gelockert werden, könnten wir in zwei bis drei Jahren wieder im zweistelligen Milliardenbereich sein."

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"Der Iran ist wirtschaftlich ein schlafender Riese", sagte Treier weiter. Zudem könnte das Land ein wichtiges Bindeglied in Richtung Indien, Pakistan und die gesamte Region werden.

Bislang überwacht das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle die Exporte. Dazu zählten vor allem Maschinen, chemische Erzeugnisse und Nahrungsmittel. Die Bundesbank kontrolliert den Zahlungsverkehr. Europäische Banken sind fast vollständig aus dem Geldverkehr mit dem Iran ausgestiegen. Für iranische Unternehmen ist es nahezu unmöglich, Geld nach Europa zu überweisen.

Importe auf gut ein Drittel eingebrochen

In der Folge sei der Handel in den vergangenen Jahren überwiegend in Cash abgewickelt. "Das geht natürlich ab einem gewissen Auftragsvolumen nicht mehr", sagt Treier. Bevor die Sanktionen immer schärfer wurden, hätten unter anderem Daimler, Siemens, BASF und Bayer im Iran Handel getrieben. Jetzt ist das Geschäft nahezu eingefroren.

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Auch die iranischen Exporte nach Deutschland haben unter den Sanktionen gelitten. Erreichten sie 2010 noch ein Niveau von fast 920 Millionen Euro, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 339 Millionen. Der Iran liefert vor allem Nahrungsmittel, Erdöl und Textilien.

Die neuerliche Bewegung im Atomstreit macht deutsche Firmen jetzt aber hellhörig. "Wir haben in den vergangenen Tagen ein riesiges Interesse von Unternehmen, die ihren Handel mit dem Iran wieder ankurbeln oder ganz neu einsteigen wollen", sagt Michael Tockuss, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Handelskammer. "Deutschland war ganz klar der wichtigste europäische Handelspartner der Iraner - und wenn die Ausfuhrverbote jetzt entschärft werden, wird Deutschland auch wieder die Nummer eins werden."

In dem Land leben rund 77 Millionen Menschen. Der Iran sei vom Potenzial her mit einem Land wie die Türkei zu vergleichen, sagte Treier. Es gehe um einen Staat mit vielen jungen, gut ausgebildeten Menschen. Positiv ist auch, dass der Iran kaum verschuldet ist. Die Staatsverschuldung liegt bei 5,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Währungsreserven belaufen sich auf rund 64 Milliarden Dollar.

Rohstoffreiches Land

Allerdings hat das Land nicht zuletzt wegen der Sanktionen erhebliche Probleme: Die Arbeitslosenquote dürfte auf 13,4 Prozent steigen. Die Inflationsrate liegt bei 27 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2013 das zweite Jahr in Folge schrumpfen auf etwa 429 Milliarden Dollar.

Doch das Land verfügt allein schon wegen seiner außerordentlich starken Öl- und Gas-Vorkommen über große wirtschaftliche Möglichkeiten. Zudem besitzt es noch andere Rohstoffe wie Kupfer und Zink. Die Landwirtschaft hat gefragte Produkte wie Reis, Zuckerrohr, Baumwolle oder Nüsse im Angebot.

"Da schlummern auch schon kurzfristig hohe Potenziale für Investitionen in diesem Bereich", sagte Treier. Und da sei insbesondere deutsches Know-how besonders gefragt. "Das 'Made in Germany' hat im Iran immer noch einen sehr guten Klang."

Bereits vergangene Woche hatte die Tageszeitung "Le Figaro" berichtet, dass vor der Einigung Abgesandte von US-Unternehmen in den Iran gereist seien, um die Wiederaufnahme oder den Start von neuen Geschäftsbeziehungen vorzubereiten.

Deutsche Unternehmer sind aber zuversichtlich, dass sie im Konkurrenzkampf bestehen können. "Bezogen auf unser Exportprofil ist ein Handelspartner wie der Iran sicherlich wie prädestiniert für uns", sagt Treier.

Quelle: n-tv.de

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