Wirtschaft
Der Co-Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (Archivbild).
Der Co-Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

"2016 wird ein Schicksalsjahr": Fitschen fürchtet um Europa

Eine Neujahrsansprache gerät für Deutschlands Top-Bankier Fitschen zur großen Zukunftsanalyse: Wie steht es um Deutschland und die Eurozone? Was droht aus China? Und was rollt nach der Zinswende in den USA auf die Staatshaushalte zu?

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat vor einem Zerfall Europas gewarnt. "2016 wird ein Schicksalsjahr für Europa", sagte Fitschen bei einer Veranstaltung des Geldhauses in Berlin.

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In zahlreichen EU-Staaten hätten nationalistische Kräfte Zulauf, erklärte er. Dies führe letztlich dazu, dass die Probleme nicht mehr gemeinsam gelöst werden könnten. Auch die Bereitschaft, Souveränität abzugeben, sei stark gesunken.

Die Flüchtlingskrise sei das größte Problem in Deutschland, hob der Bankchef hervor, der im Mai aus seiner Position an der Spitze der Deutschen Bank ausscheidet. Der Ursprung dieser Krise liege im Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien.

"Ich bin erstaunt"

Fitschen warnte zugleich vor übertriebenen Sorgen über einen Wirtschaftsabschwung in China. "Ich bin erstaunt über die Sorge vor einem Kollaps in China." Er sehe das Geschehen sehr viel gelassener. Wenn es künftig nur noch Wachstumsraten von 6,0 oder 6,5 Prozent geben sollte, sei dies zwar weniger als lange gewohnt, aber es sei ein qualitativ besseres Wachstum. "Wir sind gut beraten, China nicht abzuschreiben."

In seinem Rundumschlag zur konjunkturellen Weltlage lobte Fitschen zudem die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) für die im Dezember eingeleitete Zinswende. Er habe Respekt, mit wie viel Sorgfalt die Währungshüter in Washington diese geldpolitische Operation angegangen sei.

Die Folgen der Zinswende

Mit Blick auf die Verfassung der Staatsfinanzen in vielen Industrienationen wies Fitschen darauf hin, dass die Schuldenberge ein wachsendes Problem würden, wenn die Dollar-Zinsen steigen. Es sei allerdings nicht zu erwarten, dass diese sich nachhaltig und schnell erhöhen.

Vor dem Hintergrund des tiefgreifenden Umbaus im eigenen Haus sagte Fitschen, das Abarbeiten von Altlasten werde vorangetrieben. "Wir werden alles tun, damit wir dieses Kapitel schnell schließen können", betonte der scheidende Bankchef. Der eingeleitete "Kulturwandel" bei der Deutschen Bank werde fortgesetzt.

Quelle: n-tv.de

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