Wirtschaft
Schweinefleisch ist nach wie vor die Nummer eins in deutschen Schlachthöfen. Die Produktion verfehlte 2015 nur knapp den Rekordwert.
Schweinefleisch ist nach wie vor die Nummer eins in deutschen Schlachthöfen. Die Produktion verfehlte 2015 nur knapp den Rekordwert.(Foto: dpa)

"Armutszeugnis für Bauern": Fleischindustrie produziert so viel wie nie

Die Menschen in Deutschland essen eher weniger Fleisch und Wurst als mehr, trotzdem produzieren die Schlachtbetriebe so viel wie noch nie - dem Export sei Dank. Umweltschützer werfen ihnen vor, das Klima zu ruinieren.

Deutsche Schlachtbetriebe haben noch nie so viel Fleisch erzeugt wie im vergangenen Jahr. Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass die produzierte Fleischmenge 2015 mit 8,22 Millionen Tonnen einen neuen Rekordwert erreicht hat. Das waren 25.300 Tonnen beziehungsweise 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Ursache war vor allem der Export ins Ausland. Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) teilte mit, beim Schwein etwa gingen drei Viertel des Exports in die europäischen Nachbarländer. Die Verbraucher in Deutschland kaufen dagegen eher weniger Fleisch. Die Nachfrage sei insbesondere bei Schweinefleisch seit einigen Jahren rückläufig, sagte die AMI.

Die dominierende Fleischsorte für die Schlachthöfe ist nach wie vor Schwein. Die Produktion lag mit 5,56 Millionen Tonnen (plus 0,8 Prozent zum Vorjahr) nur knapp unter dem Höchststand des Jahres 2011. Bei Geflügel gab es dagegen erstmals seit 2006 einen Rückgang der Produktion: 1,52 Millionen Tonnen waren 0,6 Prozent oder 8900 Tonnen weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Rinder, die geschlachtet wurden, verringerte sich um 1,5 Prozent oder 55.100 auf 3,5 Millionen. Die Rekordproduktion erklärt sich stattdessen aus dem Schlachtgewicht der Tiere, das im Vergleich zu früheren Jahren etwas höher ausfiel.

Tausende neue Mastplätze bereits beantragt

"Dieser Rekord ist kein Zeichen von Wohlstand, sondern ein Armutszeugnis", kritisierte die Umweltorganisation Greenpeace. Sie warf der Fleischindustrie vor, Umwelt und Klima "noch mehr" zu ruinieren. Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter sagte, Fleisch sei "so billig wie noch nie". Um ihre Umsätze dennoch aufrecht zu erhalten, würden deutsche Bauern "mit großem Energieaufwand, Futterimporten aus Übersee und Massentierhaltung gewaltige Überschüsse" herstellen.

Die Landwirtschaft ist entscheidend am Ausstoß von Treibhausgasen beteiligt. Laut Umweltbundesamt stammten 2012 53 Prozent der gesamten Methangas-Emission aus diesem Bereich. Ursache sind unter anderem Stickstoffdüngemittel und die Tierhaltung. Greenpeace forderte aus diesem Grund, Deutschland müsse die Klimagase in der Landwirtschaft senken und auf "Qualität statt Masse" setzen.

Zahlen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland lassen allerdings keine schnelle Trendwende vermuten, stattdessen wird die Schweine- und Geflügelmast wohl noch ausgeweitet. Der BUND meldet, dass seit 2012 in Deutschland mindestens 720.000 neue Stallplätze für Schweine beantragt wurden, davon 420.000 Mastplätze. Bei Geflügel sind es laut den im Januar veröffentlichten Zahlen 10,8 Millionen, davon 6,65 Millionen Mastplätze.

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Quelle: n-tv.de

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