Wirtschaft
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Mittwoch, 28. Oktober 2015

Konsumklimaindex gibt weiter nach: Flüchtlingskrise macht Verbrauchern Angst

Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland verschlechtert sich. Viele rechnen vor allem wegen der großen Zahl an Flüchtlingen mit mehr Arbeitslosen und weniger Wirtschaftswachstum. Das diesjährige Weihnachtsgeschäft dürfte trotzdem gut ausfallen.

Die Flüchtlingskrise drückt nach Einschätzung der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschunung (GfK) zunehmend auf die Verbraucherstimmung in Deutschland. Die Bürger fürchteten eine steigende Arbeitslosigkeit, die Kauflaune sinke, berichtete die GfK.

Der von den Forschern ermittelte Konsumklimaindex gab weiter nach: Der Gesamtindikator sank zum dritten Mal in Folge auf einen aktuellen Stand von nur noch 9,4 Zähler für November. Für den Vormonat hatten die Experten noch einen Stand von 9,6 Zählern verzeichnet. Der neue Wert ist der niedrigste seit neun Monaten.

 

Angst um den Arbeitsmarkt

Auf Nachfrage sagten 44 Prozent der befragten Bürger, dass sie steigende oder stark steigende Arbeitslosenzahlen erwarteten. 70 Prozent davon schoben das auf die Flüchtlingskrise. "Da zeigt sich jetzt par excellence, dass die Konjunkturerwartung sehr stark vom Meinungsbild in den Medien abhängig ist", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Die Flüchtlinge spielten dort und somit auch in den Köpfen der Verbraucher die beherrschende Rolle, erklärte er.

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Lediglich 15 Prozent begründeten ihre pessimistischeren Beschäftigungsaussichten mit dem anstehenden Winter, der sich auf viele Außenberufe negativ auswirkt. Vom VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen geht nach Einschätzung der Verbraucher dagegen kaum ein Risiko für den Arbeitsmarkt aus. "Ich vermute, dass die anderen Gründe, die wir abgefragt haben, die VW-Krise überlagern", sagte Bürkl.

Die Verbraucherstimmung erlitt damit ebenso einen Dämpfer wie die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der am Montag veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex hatte im Oktober leicht nachgegeben. "Was die Entwicklung betrifft, scheint sich hier eine Trendwende abzuzeichnen", sagte Bürkl. Allerdings sei das Niveau nach wie vor zufriedenstellend.  

Einkommenserwartung bleibt stabil

Offen ist die Frage, ob sich die Verunsicherung unter den Verbrauchern in Zukunft weiter verstärkt. Es sei aber durchaus möglich, dass sich der Trend fortsetze und sich das Konsumklima weiter eintrübe: Die Uneinigkeit der europäischen Staaten in der Flüchtlingsfrage und die spärliche Solidarität untereinander wirkten sich besonders negativ auf die Stimmung aus.

"Die Verbraucher gewinnen den Eindruck, dass es an Deutschland allein hänge, mit dem Flüchtlingszustrom fertig zu werden" sagte Bürkl. Auch Meldungen über Flauten in wichtigen Schwellenländern wie China, Russland und Brasilien machen sich bemerkbar. Auf das anstehende Weihnachtsgeschäft werde sich die getrübte Stimmung aber "nicht übermäßig negativ auswirken", prognostizierte Bürkl.

Die Einkommenserwartung der Konsumenten ist stabil geblieben. "Hier können die Verbraucher eher auf eigene Erfahrungen zurückblicken und da sind die Rahmenbedingungen für sie weiter sehr günstig: Die Inflation ist mehr oder weniger verschwunden, dadurch haben die Verbraucher spürbar mehr in den Taschen", sagte Bürkl. Dagegen rutscht die Konjunkturerwartung zum ersten Mal seit Mai 2013 ins Minus. Der Indikator verlor 9,3 Punkte und sank auf -2,9 Zähler. Die Nulllinie markiert den langjährigen Durchschnittswert. Verstärke sich die Furcht vor einem Jobverlust, lasse das die Planungssicherheit bei Verbrauchern schwinden. Dadurch werde auch weniger gekauft, erklärte der Experte. Derzeit sei die Konsumfreude aber "noch zu einem beträchtlichen Teil vorhanden".

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zum Konsumklimaindex finden Sie hier.)

Quelle: n-tv.de

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