Wirtschaft
Der Konzern, der alle namhaften Elektronikkonzerne beliefert, steht immer wieder wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik.
Der Konzern, der alle namhaften Elektronikkonzerne beliefert, steht immer wieder wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik.(Foto: REUTERS)

Fünf Milliarden für neue Fabriken: Foxconn zieht es nach Indien

Arbeitskräfte in China sind längst nicht mehr so billig wie sie mal waren. Geeignete Arbeitskräfte zu finden, ist auch schwerer geworden, klagt Foxconn. Der in Verruf geratene taiwanesische iPhone-Hersteller setzt daher auf Expansion in Indien.

Der vor allem als Hersteller von Apple-Geräten bekannte taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn will in den nächsten fünf Jahren fünf Milliarden Dollar in Indien investieren. Das Geld soll in neue Fabriken im Bundesstaat Maharashtra gesteckt werden. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, heißt es. Bekannt ist bislang nur, dass dort elektronische Produkte gefertigt werden sollen.

Mittagspause für Foxconn-Mitarbeiter in Shenzhen ...
Mittagspause für Foxconn-Mitarbeiter in Shenzhen ...(Foto: REUTERS)

Nach indischen Schätzungen sollen mit der Vereinbarung 50.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Insgesamt zählt Foxconn 1,3 Millionen Beschäftigte.

Das Unternehmen ist der größte Elektronikzulieferer der Welt. Er beliefert große Unternehmen wie Apple, Amazon, Hewlett-Packard, Samsung und Microsoft. Der Konzern steht  - wie einige asiatische Subunternehmer aus der Textilbranche  - immer wieder wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik. Vor allem eine Serie von Selbstmorden unter den Beschäftigten brachte Foxconn in Verruf. Erst am Dienstag wurde auf dem Fabrikgelände in Zhengzhou in China wieder ein 28-jähriger Mann tot aufgefunden. Die Firma hat zwar keine Ursache für seinen Tod genannt. Die Menschenrechtsorganisation "China Labor Watch" geht aber von einem Selbstmord aus.

Fabrik-Städte statt Produktionshallen

... und nach dem Essen ein Schläfchen auf dem Fabrikgelände.
... und nach dem Essen ein Schläfchen auf dem Fabrikgelände.(Foto: REUTERS)

Foxconn produziert die Apple-Geräte bisher vor allem in China. Nach deutschen Maßstäben ähneln die Fabrikgelände Großstädten. In Shenzen nördlich von Hongkong waren in Spitzenzeiten 450.000 Menschen beschäftigt. In "Foxconn City" gibt es Wohnblocks für Mitarbeiter, Geschäfte und Gaststätten ebenso wie Banken und Sportplätze. Sogar eine Schule und ein Krankenhaus liegen auf dem Gelände. Foxconn unterhält sogar eine eigene TV-Station: "Foxconn TV".

Mit der Expansion nach Indien reagiert das Unternehmen auf den veränderten Arbeitsmarkt und den gestiegenen Wohlstand in China. Arbeitskräfte sind in der Volksrepublik inzwischen teurer und teils auch Mangelware geworden. Es sei zunehmend schwer Arbeiter zu finden, weil allen voran die junge Generation nicht mehr in den Fabriken des Elektronikgeräteherstellers arbeiten wolle, hatte Foxconn-Chef Terry Gou vor zwei Jahren schon geklagt. Sie würde es vorziehen, im Dienstleistungsbereich zu arbeiten, in der Internetbranche oder anderen "einfacheren und entspannteren Jobs".

Attraktiv für Foxconn ist, dass das Lohnniveau in Indien niedriger ist als in China. Der indische Premierminister Narendra Modi versucht mit seiner "Make in India"-Kampagne derzeit ausländische Konzerne anzulocken.

Indien ist die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens und der drittgrößte Smartphone-Markt der Welt nach China und den USA. Laut Prognosen könnte der boomende Markt 2017 die USA überholen. Auf dem Subkontinent gefragt sind derzeit größtenteils Smartphones von chinesischen und indischen Herstellern, die ihre Geräte zu viel niedrigeren Preisen anbieten als etwa Apple oder Samsung. Derzeit habe Apple in Indien einen Marktanteil von höchstens fünf Prozent, schätzt die Marktforschungsfirma Counterpoint Research. 

Quelle: n-tv.de

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