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Im Dezember hatte die US-Notenbank erstmals seit etwa zehn Jahren die Zinsen wieder angehoben.
Im Dezember hatte die US-Notenbank erstmals seit etwa zehn Jahren die Zinsen wieder angehoben.(Foto: REUTERS)

Steigen die Zinsen in den USA?: Was die Politik der Fed bedeutet

Von Diana Dittmer

Am Abend lüftet die US-Notenbank Federal Reserve ihr Zins-Geheimnis. Wird Amerika die Zinsen weiter anheben? Es ist ein Riesen-Event. Es gibt nur vier solcher Termine im ganzen Jahr. Die Entscheidung der weltgrößten Volkswirtschaft - mit gleichzeitig der wichtigsten Währung der Welt - wirkt weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus. Wer heute mitreden will, sollte Folgendes wissen:

Fed-Chefin Janet Yellen: Eine weitere Erhöhung des Leitzinses wäre eine faustdicke Überraschung.
Fed-Chefin Janet Yellen: Eine weitere Erhöhung des Leitzinses wäre eine faustdicke Überraschung.(Foto: picture alliance / dpa)

1. Im Dezember kündigte die US-Notenbank Fed für 2016 an, voraussichtlich vier Mal die Zinsen zu erhöhen. So richtig überzeugt scheinen die Währungshüter in den USA aber nicht mehr von ihrer Zinswende zu sein. Warum hat die Fed den Zinserhöhungzyklus eigentlich eingeleitet?

Fed-Chefin Janet Yellen will durch höhere Zinsen wieder Spielraum gewinnen, um im Bedarfsfall die Zinsen auch irgendwann einmal wieder senken zu können.

2. Ist die Zinsanhebung in den USA absolut notwendig?

Höhere Zinsen sind nicht unbedingt nötig. Die Konjunktur signalisiert mal Erholung, mal Abkühlung. Und die Inflation ist immer noch niedrig.

3. Wenn die Fed die Zinsen anhebt, wird dann die EZB folgen?

Nein. Auf dieser Seite des Atlantiks haben die Währungshüter einen anderen Weg eingeschlagen. Während die US-Notenbank über eine weitere Anhebung nachdenkt, ist der Leitzins in Europa noch mal gesenkt worden. Nach Einschätzung von Volkswirten ist eine Zinswende in Europa erst in zweieinhalb bis drei Jahren nach der Zinswende in den USA zu erwarten.

4. Warum gehen die Fed und die EZB in der Zinsfrage überhaupt getrennte Wege?

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Der Grund für die auseinanderklaffende Zinsschere hat vor allem damit zu tun, dass die USA sich schneller als andere Länder aus der Finanzkrise gearbeitet haben. Die Fed orientiert sich in erster Linie nicht an der Weltkonjunktur, sondern am wirtschaftlichen Geschehen in den USA. Und hier stehen die klassischen Zeichen auf Zinsanhebung: Die Arbeitslosenquote liegt bei fast idealen 4,9 Prozent  - auch wenn dort viele Teilzeit- und Niedriglohnjobs versteckt sind. Und die niedrige Inflation, die lange Zeit das Haupthindernis für eine Zinsanhebung war, scheint zumindest anzuspringen. Es gebe vorsichtige Zeichen für ein Anziehen, sagte Fed-Vize Fischer kürzlich. Wie schnell die USA nun auf ihrem Weg der Zinserhöhungen voranschreiten werden, bleibt jedoch abzuwarten. Die meisten Experten glauben, dass die nächste Erhöhung erst im Sommer ansteht.

5. Warum glauben die meisten Volkswirte, dass die Fed vorerst nicht an der Zinsschraube drehen wird?

Letztlich muss die Fed die globalisierte Wirtschaft doch mitberücksichtigen. Denn in dieser Welt hängt alles mit allem zusammen. Eine reine Binnensicht ist somit auch für die USA nicht möglich.

6. Was bedeutet die Zinswende in den USA für Unternehmen in Europa und Amerika?

Unmittelbar dürften die Auswirkungen auf die Unternehmen eher gering bleiben. Aber da wir in einer globalisierten Welt leben, wird es auch Anpassungen geben. So dürfte eine Zinsanhebung der Fed zum Beispiel den Dollar gegenüber dem Euro weiter stärken. Das ist gut für deutsche und europäische Exporteure, denn ihre Waren werden billiger und damit attraktiver für die Einkäufer aus Übersee.

Umgekehrt verteuert eine Zinsanhebung aber potenziell die amerikanischen Exporte. Besonders Kunden amerikanischer Produkte in konjunkturell schwachen Ländern könnten deshalb auf Käufe verzichten. Im schwächelnden China könnten die USA wichtige Marktanteile verlieren. Das birgt die Gefahr eines wirtschaftlichen Rückschlags.

7. Und wie spüren die Verbraucher die Zinsanhebung?

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Die Verbraucher in den USA sollten in dem Sinne davon profitieren, dass sie mehr Geld im Portemonnaie zurückbehalten, weil die Waren aus Übersee durch den stärkeren Dollar billiger  werden. Das Nachsehen haben tendenziell europäische und damit auch deutsche Verbraucher. Sie werden sich über kurz oder lang auf Preissteigerungen einstellen müssen. Amerika-Fans dürften für weitere Zinsanhebungen in den USA irgendwann den Preis zahlen. Ist der Dollar teurer, wird auch ihre Reise in die USA teurer.

8. Dann zahlen zum Beispiel die deutschen Verbraucher den Preis für die Zinserhöhung in den USA?

Nein, es ist sozusagen eine Mischkalkulation. Die deutschen oder europäischen Verbraucher können sich damit trösten, dass sie ja auch Geld sparen. Wegen der niedrigen Inflationsraten in Europa steht die EZB immer noch auf der Zinsbremse. Gleichzeitig gingen die Verbraucherpreise in der Eurozone im Februar um 0,2 Prozent zurück. Das ist aus Sicht der EZB fatal – weil ihre Politik des billigen Geldes anscheinend nicht in der Realwirtschaft ankommt – aber gut für die europäischen Verbraucher. Ihr Geld verliert nicht an Kaufkraft, sondern wird sogar mehr wert. Schlecht ist es natürlich für traditionelle Sparer, die keine Zinsen mehr auf ihren Sparbüchern bekommen. Sparkassen wollen das kostenlose Sparbuch sogar schon abschaffen. Aber dafür gibt es auch wieder andere Möglichkeiten, gute Rendite zu machen. Zum Beispiel war die Finanzierung einer Wohnung oder eines Hauses in Deutschland nie so billig wie heute.

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9. Wie viel Zinserhöhungen werden denn noch in diesem Jahr in den USA erwartet?

Nach ursprünglich vier erwarteten Zinsanhebungen gehen die Finanzmärkte nur noch von zwei Zinsschritten aus.

10. Warum die Zinspause?

Die Fed befürchtet, dass der Dollar zu teurer wird und darunter der amerikanische Export leidet. Ein weiterer Grund ist die Angst, dass es in den Schwellenländern zu einer großen Kapitalflucht kommen könnte, weil die höheren Zinsen in den USA das Geld von Investoren nach Amerika umlenkt. Kritiker halten dies für eine große Bedrohung für die schwächsten Mitglieder in einer globalisierten Welt.

11. Wer plädiert in den USA für eine Zinsanhebung und wer dagegen? 

Die amerikanischen Banken favorisieren höhere Leitzinsen, weil sie so mittelfristig mehr Geld für Kredite und andere Leistungen verlangen können. Sie orientieren sich mit ihren Geschäftszinsen an den Vorgaben der Fed. Notenbanker wie Fed-Gouverneurin Lael Brainard aber warnen: "weltweite Strudel" könnten die USA erfassen. Es gebe weltweit wenig Zeichen für eine wirklich robuste Nachfrage. Auch der Internationale Währungsfonds IWF, der sich vor allem um notleidende Volkswirtschaften kümmert, hält Vorsicht für geboten.

12. Wie schwierig ist eine Zins-Entscheidung?

Sehr schwer. Die große Kunst besteht darin, das richtige Timing zu erwischen. Wartet die Fed zu lange mit ihrer Zinsanhebung, könnte als Folge der Politik des billigen Geldes die Inflation plötzlich davongaloppieren. Das Nachsehen hätten die einfachen Bürger, denn deren Geld würde schnell an Wert verlieren. Eine Niedrigzinsphase birgt auch immer das Risiko von unerwünschten Blasen. Vor allem am Häusermarkt ist dieses Aufbläh-Phänomen schnell abzulesen. Umgekehrt birgt ein zu hastiges Agieren aber auch Risiken: Die Fed könnte die Wirtschaft abwürgen, bevor sie sich nachhaltig erholt hat.

13. Wie werden die Finanzmärkte reagieren?

Bislang haben sie eine Zinspause, also eine Politik des "billigen Geldes", begrüßt. Es könnte aber sein, dass sie das irgendwann auch als Indiz für Konjunkturschwäche deuten und die Aktienkurse dann fallen.

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Quelle: n-tv.de

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