Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Grande Nation ist Schlusslicht: Frankreich bremst wirtschaftliche Erholung

Es sind ein paar gute Nachrichten aus der Eurozone: Die Arbeitslosigkeit sinkt leicht. Die Mindestlöhne ziehen dagegen etwas an. Und der Preisverfall wird langsamer. Doch die Wirtschaft kommt weiter nicht recht in Schwung.

In der Eurozone sendet das verarbeitenden Gewerbe weiter eher schwache Signale. Vor allem die zweitgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums - Frankreich - kommt nicht in Tritt. Insgesamt erreichte der Einkaufsmanagerindex für den Sektor im Februar 51,0 Punkte, wie das Markit-Institut mitteilte.

Die Werte für Frankreich, Griechenland und Österreich signalisierten jeweils eine schrumpfende Produktion. Frankreich rutschte in dieser Hinsicht auf den letzten Platz der Tabelle. Irland und Spanien lieferten abermals das beste Ergebnis ab. Auch Italien, Deutschland und die Niederlande konnten ein Industriewachstum vorweisen.

Ab 50 Zählern signalisiert das Konjunkturbarometer ein Wachstum. Im Januar hatte der Index bei 51,0 Punkten gelegen. "Die Industrie der Eurozone verzeichnete im Februar kaum Wachstum", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. "Die aktuelle Entwicklung weist einmal mehr auf die Schieflage hin, in der sich der Industriesektor noch immer befindet."

Preisverfall abgebremst

Unterdessen entspannte sich de Lage an der Preis-Front etwas. Die Lebenshaltungskosten in der Eurozone sanken im Februar um minus 0,3 Prozent, wie das Europäische Statistikamt Eurostat vorläufig mitteilte. Im Januar waren die Preise noch um 0,6 Prozent gefallen. Gebremst wurde der Preisverfall durch die Energiekosten, die nicht mehr ganz so stark sanken wie im Vormonat.

Die Europäische Zentralbank dürfte die Entwicklung kurz vor ihrer nächsten Ratssitzung am Donnerstag mit Erleichterung sehen: Sie strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Die EZB will mit einem groß angelegten Ankaufprogramm für Staatsanleihen verhindern, dass der Euroraum in eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und Investitionen abrutscht. Dies kann eine Wirtschaft lähmen, wenn Verbraucher ihre Käufe in Erwartung immer niedrigerer Preise aufschieben, Löhne sinken und Firmen nur noch zögerlich in neue Anlagen und Maschinen investieren.

Arbeitslosigkeit überraschend gesunken

Überraschend ist derweil zu Jahresbeginn die Arbeitslosigkeit in der Eurozone auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren gesunken. Die Quote fiel im Januar um 0,1 Punkte auf 11,2 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. "Das ist der niedrigste Wert seit April 2012", hieß es.

Insgesamt hatten gut 18 Millionen Männer und Frauen keinen Job - 140.000 weniger als im Dezember. Die niedrigster Arbeitslosigkeit nach vergleichbarer EU-Rechnung wies Deutschland mit 4,7 Prozent aus, gefolgt von  Österreich mit 4,8 Prozent. Schlusslichter sind unverändert Griechenland mit 25,8 Prozent (im November) und Spanien mit 23,4 Prozent.

Mindestlöhne gestiegen

Zu Jahresbeginn hatten zudem die meisten EU-Länder ihren jeweiligen gesetzlichen Mindestlohn angehoben. In 16 Staaten sei die Lohnuntergrenze zum 1. Januar gestiegen, teilte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung mit. Der höchste Mindestlohn wird demnach in Luxemburg bezahlt, wo er zu Jahresbeginn um 0,2 Prozent auf 11,12 Euro kletterte. Den zweithöchsten Mindestlohn gibt es mit 9,61 Euro in Frankreich, was einem Zuwachs von 0,8 Prozent entspricht. Auch andere deutsche Nachbarn hoben ihre Lohnuntergrenze an, darunter die Niederlande auf 9,21 Euro und Belgien auf 9,10 Euro.

"Die Erhöhungen fielen überwiegend etwas stärker aus als in den Vorjahren", sagte Tarifexperte Thorsten Schulten. "Da gleichzeitig die Inflation sehr niedrig war, legten die Mindestlöhne in den meisten EU-Ländern auch real zu."

Insgesamt gilt in 22 der 28 EU-Staaten ein gesetzlicher Mindestlohn. Deutschland ist als vorerst letzter Staat hinzugestoßen: Hier gilt seit Januar ein Wert von 8,50 Euro. Er liege damit "am unteren Rand der westeuropäischen Spitzengruppe", sagte Schulten.

Anfang 2017 könnte auch der deutsche Mindestlohn angehoben werden. Darüber entscheidet eine eigene Kommission unter dem Vorsitz des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Henning Voscherau, in der Arbeitgeber und Gewerkschaften vertreten sind.

Quelle: n-tv.de

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