Wirtschaft
Für seinen Hund würde der Deutsche beinahe alles tun.
Für seinen Hund würde der Deutsche beinahe alles tun.(Foto: dpa)

Großes Geschäft mit Vierbeinern: Fressnapf kämpft mit Kopf gegen Konkurrenz

Die Deutschen lassen sich ihre Tierliebe gerne etwas kosten. Das hat der Handel längst erkannt. Marktführer Fressnapf bekommt starke Konkurrenz im Internet. Doch das Unternehmen hat innovative Ideen, um mit dem besten Freund des Menschen Kasse zu machen.

Mehr als vier Milliarden Euro geben die deutschen Tierhalter im Jahr für ihre Hunde, Katzen, Hamster und Wellensittiche aus: für Hundefutter, Kratzbäume oder Katzenstreu. Und keiner hat es in den vergangenen Jahrzehnten besser verstanden, aus der Tierliebe der Bundesbürger ein Geschäft zu machen als Torsten Toeller. Der Unternehmer schuf innerhalb von 25 Jahren aus dem Nichts Europas größte Tierfachmarkt-Kette Fressnapf mit fast 1400 Geschäften in ganz Europa und einem Umsatz rund 1,8 Milliarden Euro.

Nur eine von Toellers neuen Ideen: Luxusfutter für den Vierbeiner.
Nur eine von Toellers neuen Ideen: Luxusfutter für den Vierbeiner.(Foto: dpa)

Doch in letzter Zeit sitzt ihm eine neue Konkurrenz im Nacken. So schnell Fressnapf auch wächst, der Online-Anbieter Zooplus wächst schneller. Für Toeller scheint das allerdings eher Herausforderung als Bedrohung. Mit mehr Service und Eigenmarken will er sein Imperium auf Wachstumskurs halten. Der Fressnapf-Eigentümer passt nicht unbedingt in das Klischeebild vom klassischen Unternehmer. Bei seinem Auftritt in der Firmenzentrale in Krefeld erscheint er in modisch zerrissener Designer Jeans und blauem Sakko, dazu trägt er Schuhe in rotmetallic und statt einer Krawatte ein Halsband mit Haifischzahn zum weit aufgeknöpften Hemd.

Trotz Online-Defizit: 2015 war ein gutes Jahr

Am 18. Januar 1990 gründete Toeller im rheinischen Erkelenz den ersten Fressnapf-Markt - mit 50.000 Mark Anschubfinanzierung von den Eltern und einem 200.000-Mark-Kredit von der Volksbank. Und das Jubiläumsjahr 2015 war ein gutes Jahr für Fressnapf. Dank aggressiver Preisaktionen und üppiger Werbung stiegen die Umsätze um satte 7,1 Prozent. Auch der Gewinn habe sich deutlich verbessert, sagt Toeller, ohne genaue Zahlen zu nennen, und fügte dann noch hinzu: "Das ist mein Baby."

Nur in einem Bereich ging es nicht so richtig voran: Im Internet. Online-Shops betreibt Fressnapf bislang nur in Deutschland und Luxemburg. Der Online-Umsatz in Deutschland wuchs 2015 gerade einmal um 2 Prozent auf eher bescheidene 44 Millionen Euro. Dabei wird gerade jetzt der Online-Markt verteilt. Das zeigt Zooplus, Europas führender Internethändler für Heimtierprodukte, der im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 31 Prozent auf 711 Millionen Euro steigerte und für 2016 mit einem weiteren Wachstum auf "mindestens 875 Millionen Euro" rechnet.

Schwerpunkt liegt im stationären Handel

Toeller dagegen plant zurückhaltend. Um 5 bis 10 Prozent soll in diesem Jahr der Online-Umsatz steigen. "Wir wollen profitabel wachsen". Er habe "nicht die Lust, soviel Kohle zu verbrennen", meint Toeller. "Schauen wir doch, wer in ein paar Jahren profitabler ist." Offensiven plant der Unternehmer im stationären Geschäft. So sollen noch in diesem Jahr in zehn Fressnapf-Märkten Hundesalons eröffnet werden - der erste im März. Außerdem soll in den nächsten zwei Jahren getestet werden, ob es geschäftlich sinnvoll ist, Tierarztpraxen in die Filialen zu integrieren. Das wären Service-Angebote, mit denen ein Onlinehändler nicht konkurrieren kann. Und weitere sind geplant. "Wir haben ziemlich viel in der Birne, was man machen kann", sagte Toeller.

Auch sein Eigenmarkenangebot, das bisher schon 42 Prozent der Umsätze ausmacht, will das Unternehmen weiter ausbauen. Über tausend neue Artikel seien geplant, sagte Toeller. Dabei hat Fressnapf eher die obere Preisklasse in Blick, etwa mit "Hühnerfrikassee mit Kartoffeln und Wildreis" für den Hund.
Große Erwartungen setzt der Firmeninhaber aber vor allem auf eine "echte Innovation": Tierfutter, bei dem der Halter die Herkunft aller Zutaten bis zum Bauern zurückverfolgen kann. Wer für sich selbst wissen wolle, woher seine Nahrung stamme, der wolle dies vielleicht auch bei seinem geliebten Vierbeiner erfahren, meint Toeller.

Quelle: n-tv.de

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